Startseite
Kontakt
Sönke Aldinger wird in Offenburg mit Gold geehrt Bad Saulgau.
Sönke Aldinger wird in Offenburg mit Gold geehrt

Bad Saulgau.
Man darf nicht glauben, Goldene Reitabzeichen gäbe es nur für Reiter außerhalb Oberschwabens! Dass es nämlich auch in der sogenannten Provinz herausragende Pferdesportler gibt, beweist zum Beispiel Sönke Aldinger aus Bad Saulgau. Der junge Mann, er feiert Mitte Februar gerade mal seinen 24. Geburtstag, gehört zur aufstrebenden Generation im Springsattel. Seit 2013 sammelt er eifrig Turniererfolge, die sich allmählich so summierten, dass er die Voraussetzungen für das Goldene Reitabzeichen erfüllt. In der APO, der Ausbildungsprüfungsordnung der FN, ist geregelt, welche Erfolge für Springreiter nachgewiesen werden müssen, denn das Goldene Reitabzeichen stellt eine Art Höhepunkt dar für eine sportliche Karriere, die nicht alltäglich ist. Und die „Messlatte“ liegt dabei sehr hoch: Springreiter Sönke Aldinger muss demnach zehn Siege in Springwettbewerben Klasse S* vorweisen inklusive mindestens ein Sieg in Klasse S**. Dazu kommen zehn Platzierungen an zweiter und dritter Stelle in Klasse S*. Siege und vordere Platzierungen in Klasse S** oder S*** sowie bei internationalen Turnieren werden selbstverständlich einbezogen.

Was hat nun Sönke Aldinger bisher erreicht auf dem Weg zum „Goldenen“? Die Erfolgsliste weist Aldingers ersten Sieg in Klasse S* aus dem Jahre 2013 aus, den er in Ulm-Wiblingen mit Bella S errungen hatte. Mit der Stute, die heute nicht mehr lebt, gewann er im gleichen Jahr auch in Tübingen. Mit Pakkato folgte ein Sieg in Nördlingen, wo Aldinger auch 2014 mit Bella S noch einmal erfolgreich war. Daran schloss sich eine längere Phase an, aus der es keine Siege, aber zahlreiche vordere Platzierungen mit verschiedenen Pferden gab. Eine Fortsetzung der Sammlung für das Goldene begann im April 2018 mit dem Pferd Marie-Luise in Boll-Sauldorf mit einem Sieg in Klasse S*. Es ging dann mit diesem Pferd im gleichen Jahr beinahe Schlag auf Schlag weiter mit sechs weiteren Siegen in Achern, Zeiskam, Ötigheim, Buggingen, Donaueschingen-Immenhöfe und Nußbach. Das Dutzend an S*-Siegen machte Sönke Aldinger dann 2018 in Durmersheim voll und zwar mit C-Bruno. Doch es blieb Marie-Luise vorbehalten, den letztlich ausschlaggebenden Erfolg beizusteuern: Am 2. September 2018 bescherte sie ihrem Reiter in Durmersheim den begehrten Sieg in Klasse S**, ein Springen mit Siegerrunde. In gleichen Jahr schaffte der Reiter noch Siege in Klasse S** und S*** in Neunkirchen-City. Damit war der FN-Vorgabe zwar Genüge getan, was aber kein Anlass für den Oberschwaben war, sich zurückzulehnen. Das Jahr 2019 brachte dem fleißig Reitenden eine ganze Reihe schöner Erfolge: Aldinger gewann ein Springen Klasse S** im Top-20-Springen in Brakel mit Marie-Luise, er errang den 4. Platz in Klasse S*** in Mannheim und sicherte sich so die Qualifikation für das Weltturnier CHIO in Aachen. Alle Siege und Platzierungen aufzuzählen würde den Rahmen sprengen.

Sönke Aldinger entstammt einer reit- und pferdesportbegeisterten Familie aus Bad Saulgau, die im Ortsteil Boms einen eigenen Reitstall unterhält. Uwe Aldinger, Sönkes Vater, ist in der Reiterszene des Landes und darüber hinaus aus seiner aktiven Zeit bekannt und heute als gefragter Ausbilder von Reitern und Pferden. Auch Sönkes Bruder Thiess ist Reiter und lebt als Turnierreiter und Ausbilder in Hohentengen, wo er im

Hauptberuf als selbständiger Vermögensberater arbeitet. Allein die Vornamen der Söhne erinnern an bekannte Reiter früherer Jahre, die zum Freundeskreis der Familie Aldinger und damit zu den Vorbildern der beiden Reiter zählen.

Sönke Aldinger, 1996 in Bad Saulgau geboren, absolvierte seine Schulzeit und schloss sie mit dem Abitur 2015 ab. Er entschied sich allerdings dafür, sein Hobby zum Beruf zu machen und wurde zunächst Pferdewirt mit klassischer Reitausbildung, die er bei Timo Beck absolvierte, der in Kehl die Sporthorses GMBH führt. Anschließend trat er die Ausbildung zum Pferdewirtschaftsmeister an, die 2021 abgeschlossen sein wird. Die Entscheidung, das Hobby zum Beruf zu machen, fiel Sönke offenbar nicht schwer. Seine Eltern Sibylle und Uwe Aldinger sind Pferdeleute durch und durch. Uwe Aldinger war zu seiner Zeit in der Vielseitigkeit unterwegs, startete sogar im Bundeskader und war im Springen in der schweren Klasse erfolgreich. Die Reiterei erlebte Sönke Aldinger auch durch seinen Großvater Sigmar Baumgärtner, der ein erfolgreicher Pferdezüchter war. Auch Cousin Marc Bauhofer aus Bad Saulgau entstammt einer Reiterfamilie, die in Oberschwaben einen klangvollen Namen hat. Sönkes Onkel Rupert Bauhofer war als anerkannter Reiter und Pferdefachmann über die Grenzen Oberschwabens hinaus bekannt. Marc Bauhofer ist als Träger des Goldenen Reitabzeichens für Sönke in gewisser Weise auch ein Ansporn gewesen, es ihm gleich zu tun. Bei dem reiterlichen Programm, das Sönke Aldinger inzwischen zu bewältigen hat, bleibt ihm allerdings wenig Zeit für seine Hobbys, nämlich Skifahren und Schwimmen. Über sich selbst sagt er, er sei zielstrebig, ehrgeizig und gewissenhaft. Gerade letztere Eigenschaft ist im Pferdesport von großer Bedeutung, ist sie doch gepaart mit der Verantwortung für den Partner Pferd.

Sönke Aldinger hat also von Kindesbeinen an mit Pferden gelebt. „Ich bin quasi im Pferdestall meiner Eltern aufgewachsen“, erzählt er schmunzelnd. Natürlich gab es für ihn Ponys, mit denen er dann schon als achtjähriger Bub die ersten Turniere bestritt. Unter den kundigen Augen seines Vaters entwickelte sich sein reiterliches Talent, das er dann mit den Jahren bei verschiedenen Trainern ausbaute. Sönke Aldinger war nicht nur Schüler von Timo Beck, er trainiert weiter und hat heute in Andreas Brünz aus Waldachtal einen ebenfalls anerkannten Lehrmeister. Im Laufe seiner Ausbildung und Reiterkarriere bildete sich Sönke Aldinger weiter zum Trainer A/Leistungssport, um seinerseits sein Wissen und die Erfahrung an Reit-schüler weitergeben zu können. Aktuell startet er für den RSC Salzstetten, zwischen Horb und Pfalzgrafenweiler gelegen.

Reiter haben natürlich Stärken und Schwächen. Sönke Aldinger ist sich dessen bewusst und gibt freimütig zu, dass er seine Dressurarbeit verbessern muss. Allerdings sagt er, auf seine „Schwächen“ angesprochen: „Nach einem nicht wie gewünscht gelaufenen Turnierwochenende mache ich mir oft zu viele Gedanken über die Fehler, die ich gemacht habe.“ Als Stärken sagt er, komme ihm sein Instinkt im Parcours zugute sowie sein Durchhaltevermögen, wenn es mal nicht so gut läuft. Oft läuft es aber immer wieder im Parcours gut, denn er hat schon zwei Meistertitel errungen: „Ich wurde schon einmal Süddeutscher Meister und Landesmeister in Schutterwald.“ Inzwischen sind zahlreiche weitere Titel hinzugekommen. „Ich bekomme sie spontan gar nicht alle aufgezählt!“, sagte er lachend und fügt hinzu. „Die beiden ersten Titel allerdings bedeuten mir sehr viel und spornten mich sehr an.“ In früheren Jahren startete Aldinger auch in der Vielseitigkeit und konnte dort einmal Fünfter der Deutschen Meisterschaft werden. Und als jugendlicher Ponyreiter begleitete ihn das D-Pony Connection D durch die Turniere und sammelte mit ihm zahlreiche Siege und Titel.

„Meinen Pferden habe ich viel zu verdanken“, sagt Sönke Aldinger. „Mari-Luise, sie geht auf die Linie Forsyth x Feuerwerk zurück, kämpft für mich im wahrsten Sinne des Wortes. Sie will nie Fehler machen. Die Stute ist seit drei Jahren meine absolute Nummer eins! Mit ihr habe ich meine ersten Siege in Klasse S** und S*** errungen. 2019 war ich mit ihr sogar in Aachen erfolgreich am Start gewesen: Ich war damals zweimal „null“ gegangen und wurde platziert.“ Daneben steht Bella S immer noch hoch im Kurs – in der Erinnerung, denn Bella war mein erstes S-Pferd. Sie lebt leider nicht mehr. Mit ihr habe ich meinen ersten Sieg in Klasse S* errungen. Aktuell hab ich im Stall Brünz sieben S-Pferde stehen, unter anderem Zapzerap und Samurai 496.“

Die Reiterei ist indes für junge Profis keine Sache, die man auf die leichte Schulter nehmen darf. Deshalb zeigt sich Sönke Aldinger auch als ein Mann, der weiß, wem er vieles zu verdanken hat: „Ich habe Freunde und Förderer, die meine Reiterei unterstützen, z.B. die Familie Brünz, die in Pfalzgrafenweiler ihre Anlage betreibt. Dazu kommt die Pfalzgraf Konditorei sowie die Interfracht Spedition AG und die Brändlin Pferdeverzollung. Selbst mein Bruder Thiess fördert mich über die Deutsche Vermögensberatung. Dazu kommt noch der Elektroservice Alexander Boos. Ich kann dafür nur dankbar sein, denn das Leben als Profireiter ist kein bequemer Schaukelstuhl-Job sondern fordert den ganzen Einsatz. Mein Leben läuft vielfach von Turnier zu Turnier ab.“ Seinen Eltern, so sagt Sönke Aldinger, ist er insbesondere herzlich dankbar. „Sie haben mich von Anfang an unterstützt und gefördert in meiner Entscheidung, Reiten und Pferde zu meinem Beruf zu machen, so dass ich positiv in die Zukunft schauen kann, denn ich habe ja auch noch Ziele!“ Diese Ziele lauten, weiterhin Weltranglistenpunkte sammeln und sich in der Landesspitze etablieren. Ganz besonderen Reiz sieht er darin, Nachwuchspferde in den großen Sport zu bringen. Das alles soll später einmal in eine eigene und erfolgreiche Reitanlage münden.

Der Sport bestimmt also das Leben des jungen Reiters und beeinflusst es auch neben der Reiterei. Denn „durch den Sport habe ich meine Freundin kennengelernt!“ Und weil es ja schon in der Bibel steht, „dass es nicht gut sei, dass der Mensch allein sei“, freut sich Sönke Aldinger zusammen mit seiner Freundin, seiner Familie und zahlreichen Reiterkameraden darauf, beim internationalen Turnier in Offenburg, den Baden Classics, am 1. Februar 2020, das Goldene Reitabzeichen feiern zu dürfen. Das Besondere an dieser Ehrung ist nicht nur der feierliche Rahmen bei der Verleihung vor großem Publikum. Vielmehr gilt: Medaillen und Meisterehren lassen sich wiederholen. Das Goldene Reitabzeichen kann ein Pferdefreund nur einmal im Leben bekommen. Es kann nicht durch Lehrgänge und Fortbildung erworben werden. Es wird von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung nur für herausragende sportliche Erfolge verliehen und stellt so eine besondere Form des „Ritterschlages“ dar. Herzlichen Glückwunsch!
Martin Stellberger