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Rote Schleife für unruhige Pferde PD 1/2020
Rote Schleife für unruhige Pferde

Während des Turniers Stuttgart German Masters 2019 kam der Chronist mit einem Besucher ins Gespräch. Es ging dabei auch um dessen Frage, was die rote Schleife im Schweif eines der Springpferde bedeutet? Die Antwort war klar: Die rote Schleife signalisiert anderen Reitern sowie dem „Bodenpersonal“, dass man sich besser von der Rückseite dieses Pferdes fernhält, weil es dazu neigt, auszuschlagen, meist gegen andere Pferde.

Doch es steckt mehr dahinter, wie schon 2006 in der Rhein-Neckar-Zeitung zu lesen war: Die Zeitung berichtete damals unter dem Titel: „Rote Schleife für störrische Pferde“:

„Beim gemeinsamen Ausritt einer Reitergruppe muss ein Pferd, das zum Ausschlagen neigt, mit einer roten Schleife am Schweif gekennzeichnet werden.“ Weiter heißt es: „Darauf verweise das Oberlandesgericht (OLG) Koblenz in einem … Urteil. Außerdem müsse der Reiter am Schluss der Gruppe reiten, heißt es in der Begründung (Az: 5 U 319/04). Das Gericht gab mit seinem Spruch der Schadensersatzklage eines Reiters gegen die Besitzerin einer Stute statt. Der Kläger war der letzte Reiter einer Gruppe. Als er mit seinem Pferd einer vor ihm laufenden Stute zu nahe kam, trat das Tier aus und verletzte den Kläger erheblich. Die Besitzerin der Stute weigerte sich jedoch, Schadensersatz zu zahlen. Nach ihrer Auffassung hatte der Kläger durch sein dichtes Aufreiten den Unfall selbst verschuldet. Das OLG folgte diesen Argumenten nicht. Die Richter verwiesen darauf, in einer Gruppe lasse sich dichtes Aufreiten manchmal nicht vermeiden. Auch die Regeln des Straßenverkehrs gälten in einer Pferdegruppe nicht. Denn, so heißt es wörtlich im Urteil: „Autos pflegen nicht nach hinten auszuschlagen.“ Dass man allerdings nicht in jedem Fall auf Urteile von Oberlandesgerichten bauen darf, kann der Chronist aus eigener Erfahrung sagen. Es ist halt immer so: Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand.