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Konstantin Eduard van Damme: Ein belgischer Bulgare bekommt FN-Gold PD 10/2019
Konstantin Eduard van Damme: Ein belgischer Bulgare bekommt FN-Gold

Ochsenhausen.
Vielseitig stellt sich die Biografie Konstantin Eduard van Dammes dar: In Ant-werpen in Belgien geboren, die Mutter lebt in Griechenland, er reitet international für Bulgarien und er wohnt im oberschwäbischen Ochsenhausen, wo er auch seinen Arbeitsmittelpunkt hat. Er bekommt am 5. Oktober in Bisingen-Hohenzollern das Goldene Reitabzeichen verliehen. Das alles ist wahrlich nicht alltäglich. Alltäglich ist in der Reiterwelt der Deutschen Reiterlichen Vereinigung auch nicht die Verleihung des Goldenen Reitabzeichens. Für diesen „Ritterschlag“ gibt es nämlich Vorgaben, die nicht jeder Pferdesportler erfüllt oder gar erfüllen kann. Die Voraussetzungen sind grundsätzlich eine ganze Reihe von Erfolgen in der schweren Klasse S. Und weil nicht alle Reiterinnen und Reiter über mehr als ein Pferd verfügen, das diese „Grenzen des Sports“ ausloten kann, bleibt die Zahl derer gering, die mit dem Goldenen Reitabzeichen geehrt werden können. Zudem braucht es oft Jahre, um die angepeilten Siege und vorderen Plätze in schwerer Klasse zu erringen, denn die Konkurrenz kann ja auch reiten.

Die Verleihung des Goldenen Reitabzeichens beschränkt sich jedoch nicht auf die Profis und Halbprofis. Durchaus auch Amateure haben in den letzten Jahren dieses große Ziel „Gold am Revers“ erlangt. Konstantin van Damme gehört allerdings zur Kategorie der Profis. Er lebt in Ochsenhausen bei Biberach und ist seit rund zwei Monaten selbstständig. Zuvor war er bei Andy Witzemann in Winterlingen als Bereiter tätig. Von Ochsenhausen aus bereist er die Turnierplätze und sammelt reichlich Erfolge: Seine Pferde gehören zum großen Teil seinen Förderern und Auftraggebern, wie zum Beispiel Wolfgang Koppensteiner aus Tübingen, langjähriger Vorsitzender des „Vereins zur Förderung des Reitsports mit Baden-Württembergischen Pferden“. Der etwas sperrige Vereinsname ist unter dem Kürzel „FBW“ viel griffiger, bekannter und immer auch Namenszusatz für die vom Verein geförderten Pferde. Schwabenstolz FBW heißt zum Beispiel das Pferd aus Koppensteiners Besitz, das Konstantin van Damme zwischen 2018 und 2019 einen wesentlichen Teil der Erfolge sicherte, die für das „Goldene“ benötigt werden: In diesen beiden Jahren bescherte Schwabenstolz FBW seinem Reiter sieben herausragende Erfolge: In Bisingen-Hohenzollern wurde er 2018 in einem Zeitspringen Zweiter. In Illertissen gewann er ein S*-Springen, in Friedrichshafen und Boll gab es zwei vordere Plätze. 2019 gelang van Damme in Leutkirch und Öpfingen je ein S*-Sieg und im badischen Weingarten gab es sogar einen Sieg in Klasse S**. Damit nicht genug! Das Turnier in Ilsfeld wurde für Konstantin van Damme zum „Big Point-Turnier: In Ilsfeld gewann er Ende Juni 2019 den als S**-Springen ausgeschriebenen Großen Preis – allerdings mit dem Pferd Chazino von Chacco Blue im Besitz von Andy Witzemann. In Ilsfeld lief es für van Damme auch mit dem Nachwuchspferd No more maybe von Numero Uno im Besitz von Andy Witzemann: Er gewann ein S-Springen am Schlusstag. Und weil seit 2016 viele anrechenbare Erfolge auch mit weiteren Pferden auf dem Konto van Dammes stehen, reichen sie alle zusammen aus für das Goldene Reitabzeichen, das ihm am 5. Oktober in Bisingen-Hohenzollern verliehen werden soll.

Konstantin Eduard van Damme ist nicht nur Profi im Pferdesport. Er hat nach der Schule und Abitur an der Universität American International College of Thessaloniki Greece politische Wissenschaften studiert, konnte sich aber nicht entschließen, den Pferdesport nur zum Hobby zu machen und brach das Studium vorzeitig ab. Heute lebt er als selbständiger Bereiter und hofft, sein berufliches Ziel eines Tages mit einem eigenen Turnier- und Ausbildungsstall zu erreichen. In Nathalie Steinhauser hat er zudem seine Herzenspartnerin, die ganz auf seiner Interessensseite steht, denn sie unterhält als selbständige Reiterin einen Ausbildungs- und Pensionsstall in der Nähe von Ochsenhausen und agiert auch als Turnierreiterin. Fragt man Konstantin van Damme nach seinen positiven Eigenschaften, so beschreibt er sich als bodenständig, motiviert und „als einen immer fröhlichen Menschen“. Er sei ehrgeizig und „turniersüchtig“. Manchmal, so bekennt er selbstkritisch, „bin ich übermotiviert, und das muss ich einfach besser in den Griff bekommen“.

Konstantin van Damme erinnert sich auch mit einem verschmitzten Lächeln an seine Reitanfänge: „Als ich neun Jahre alt war, habe ich mich ohne Wissen meiner Eltern heimlich zum Reitunterricht geschlichen. Vom Voltigieren kam ich dann mit elf Jahren zu meinem ersten Turnierstart.“ In der Altersklasse „Children“ nahm er 2006 für Bulgarien gar an den Europameisterschaften teil und wurde 14. Und heute nennt er Reiter wie den international bekannten Henk Nooren aus Liege in Belgien und Andy Witzemann zu seinen wichtigen Trainern und Ausbildern. Sein Können bescherte ihm auch Berufungen in die bulgarische Mannschaft, mit der er 2007 und 2008 die Bronzemedaille gewann bei den Balkan Championships Juniors mit Frederika in Istanbul in der Türkei. Für Bulgariens Nationalmannschaft war van Damme zwischen 2006 und 2013 in den jeweiligen Altersklassen nominiert. In Deutschland startet er für das Reitsportzentrum am Bussenberg in Ochsenhausen. Für Bulgarien reitet er, weil seine Mutter Bulgarin ist. Es ist einfacher für Bulgarien zu reiten bezüglich der Konkurrenz, da es kaum Reiter für dieses Land gibt, erklärt Konstantin van Damme.

Gerne erzählt Konstantin van Damme von seinen Pferden: Da ist zum einen Konique D‘ Houten. Der Wallach stehe erst am Anfang einer Karriere auf S-Niveau. “Er ist sehr talentiert aber auch sehr speziell und bedarf sorgfältiger Arbeit.“ Mit Frederika war van Damme als Junior um 2005 erfolgreich und ganz aktuell ist „eben Schwabenstolz bei mir, der mir sehr viel bedeutet und der mich stolz macht wegen seiner tollen Eigenschaften.“ Dass van Damme auch Kreismeister werden konnte, verdankte er natürlich 2017 und 2018 seinen tollen Pferden, schwärmt der Reiter, der u.a. von Reitsport Enderle aus Munderkingen und Sportpferde Steinhauser aus Ochsenhausen unterstützt wird.
Seine Zukunft sieht van Damme in der Selbständigkeit. Das sei jedoch kein leichter Weg. „Aber niemals habe ich deswegen an die Aufgabe des Reitsports gedacht!“ sagt er überzeugt. Vielmehr wolle er weiter an sich arbeiten und international reiten können, „wo auch immer mich das hinführt!“ Ein großes Vorbild sei Marcus Ehning aus Borken, „weil er sein Reiten perfekt vorstellt.“ Und ganz privat wird Konstantin van Damme, wenn er sagt: „Ich habe meine Liebe durch den Sport gefunden und somit ein Zuhause in Deutschland!“ Und das sei auch die Basis dafür, dass seine Leidenschaft, sein Spaß an der Arbeit mit Pferden sein „Ein und Alles“ sei. So lässt es sich dann am 5. Oktober in Bisingen-Hohenzollern gut feiern, wenn ihm vor großem Publikum das Goldene Reitabzeichen verliehen wird. Herzlichen Glückwunsch! Martin Stellberger