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Der Wolf im Netz – eine unvollständige, nicht neutrale Internet- Recherche PD 3/2019
Der Wolf im Netz – eine unvollständige, nicht neutrale Internet- Recherche

Es kann gar nicht anders sein: Der Wolf geht um in Deutschland und erzeugt Unruhe, forciert Sorgen, Ängste, Ärger und – Drohungen. Die Zeichen stehen auf „ungute Entwicklung“ und man kann den Eindruck haben, als würde die Arbeit an einer zufriedenstellenden Lösung schleppend bis verschleppend vonstatten gehen – je nach Standpunkt.

Es vergeht kein Tag (!), an dem es nicht irgendwo in Deutschland einen Zeitungsbericht gibt, der sich mit dem Auftauchen des Wolfes befasst – besser mit dessen Rissen, mit den Folgen für die Tierhalter, mit der feindseligen Diskussion um den Schutz oder Abschuss und mit Drohungen gegenüber Wolfskritikern.

Beispiele gibt es zuhauf:
3.02.2019, Schleswig Holstein – Der echte Norden: Land verstärkt Wolfsmanagement und fördert zusätzliche Präventionsmaßnahmen. Umwelt- und Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) sagt dazu: „Um die Entwicklung weiterer Problemwölfe zu verhindern, müssen wir dafür gerade bei dem weiteren Ausbau des Herdenschutzes dranbleiben. Es muss allen klar sein, dass die Genehmigung zum Abschuss des Problemwolfes eine Ausnahme ist, die auf keinen Fall zur Regel werden kann und wird. Neben den bisher zur Verfügung gestellten Herdenschutzpaketen soll daher nun an bestimmten Präventionsschwerpunkten in dauerhafte Herdenschutzzäune investiert werden. Das kann aber nicht auf einen Schlag umgesetzt werden, sondern wird schrittweise geschehen.“

19.2.2019, Tag24.de, Sachsen: Das vergangene Jahr war das bislang schadensreichste seit der Aufzeichnung von Wolfs-Attacken im Freistaat. Laut Kontaktbüro gab es insgesamt 139 Mel-dungen von getöteten, verletzten und vermissten Nutztieren. In 87 Fällen waren Wölfe die Verursacher. Sie töteten insgesamt 240 Tiere, zumeist Schafe, Ziegen und Gatterwild, aber auch Kühe, Hauskaninchen und sogar ein Alpaka. Zudem wurden 54 Tiere verletzt und 28 sind seither vermisst.“

6.2.2019, Jagderleben.de: Wolfsabschuss: Kritik von Wolfsberatern, NABU und Grünen: Die geplante Entnahme eines Wolfsrüden schlägt in Niedersachsen Wellen. NABU und Wolfsbe-rater sehen die Entscheidung kritisch. Laut einem offenen Brief sehen 16 Wolfsberater bei dem von Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) genehmigten Abschuss eines Wolfsrüden im Landkreis Nienburg/Weser noch viele offene Fragen. Es sei nicht mitgeteilt worden, ob alles andere versucht worden sei, sagte Silas Neuman, Wolfsberater im Landkreis Cuxhaven der dpa. Wenn alles nichts bringe, dann sei der finale Abschuss vorgesehen. „Dahinter stehen wir auch“, betonte Neuman. Unter anderem fragen die Wolfsberater, mit welcher Begründung der Minister weder den Arbeitskreis Wolf noch die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf hinzugezogen habe. Eine Sprecherin des Ministeriums verwies auf einen sehr langen Diskussionsprozess vor der erteilten Ausnahmegenehmigung, an dem auch der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) beteiligt gewesen sei.“

28.1.2019, Augsburger Allgemeine: Nachweis: Wolf war tatsächlich im Landkreis Ostallgäu. „Am 31. Oktober 2018 wurden im Landkreis Ostallgäu ein Kalb und ein Muttertier tot aufgefunden. Da das Kalb äußere Verletzungen aufwies, wurden genetische Proben beauftragt. Erste Analysen der genetischen Proben ergaben keinen Hinweis auf einen Wolf… Bei weiteren Untersuchungen wurden an dem Kalb nun doch genetische Spuren eines Wolfs festgestellt. Bei dem Wolf handelt es sich nicht um das Tier, das im Sommer 2018 im Oberallgäu nachgewiesen wurde. Der Tierhalter erhält eine Entschädigung aus dem Ausgleichsfonds Große Beutegreifer.“

19.2.2019, Focus online: „In Schleswig-Holstein ist ein Wolf aus Dänemark unterwegs, der schon mehrere Schafe gerissen haben soll. Schäfer Stefan Johanssen hat deswegen hochgerüstet: Spezielle Elektrozäune sollen seine Schafe schützen. Den Abschuss des Wolfes zu beantragen, traut er sich jedoch nicht. Er fürchtet die Wut von Tierschützern…. Der Schutzzaun, den Johannsen gespannt hat, entspricht den Standards… Auch wenn die Höhe von einem Wolf locker überwunden werden könnte: „Normalerweise springt ein Wolf nicht über einen Zaun. Er versucht immer unten drunter durchzukommen“, erklärt Matzen. Wichtig sei aber, dass die Zäune immer Strom führen, damit der Wolf nicht üben kann, sie zu überwinden. Denn der Strom schrecke in der Regel ab… Um zu verhindern, dass er sein Verhalten anderen Wölfen beibringt, dürfte das Einzeltier - sollte es für die Risse verantwortlich sein – geschossen werden, sagt Matzen. Stellen können einen solchen Antrag betroffene Tierhalter und möglicherweise auch Verbände. Schäfer Johannsen selbst würde das nie machen: „Ich bin doch nicht lebensmüde.“ Sein Enkel sei in der Schule mal verprügelt worden, weil er gesagt habe „der Scheiß-Wolf hat bei uns die Schafe gegessen“.

07.02.2019, NDR.de, Neustadt: Wolf reißt 200-Kilo-Fohlen auf Weide: „Im Gebiet des Rodewalder Wolfs-Rudels im Landkreis Nienburg ist ein junges Pferd von einem Wolf gerissen worden. Das hat das niedersächsische Umweltministerium am Mittwoch bestätigt… Es war eines von zehn Tieren auf der Weide. Ob der Rodewalder Leitrüde das rund 200 Kilogramm schwere Fohlen gerissen hat, ist nach Angaben des Ministeriums unklar. „Der Leitwolf mit der Code-Nummer „GW717M“ ist offiziell zum Abschuss freigegeben, weil er im Umkreis von Nienburg wolfsabweisende Zäune übersprungen und dann Nutztiere gerissen hat… Umweltminister Olaf Lies (SPD) warb in Zusammenhang mit dem gerissenen Fohlen für die Abschussgenehmigung. Der Vorfall in Nöpke zeige eindeutig, dass „Handlungsbedarf“ bestehe. Die größte Heraus-forderung beim Artenschutz für den Wolf bestehe darin, die Akzeptanz in der Bevölkerung auch auf dem Lande auf Dauer zu sichern. „Das bedeutet unter Umständen auch, einzelne Tiere mit problematischem Verhalten zu entnehmen“, sagte Lies… Im jüngsten Fall ist ein Islandpferde-Betrieb von dem Wolfsriss betroffen. Arnar Halldorsson, Sohn des Besitzers, hat die Überreste des etwa neun Monate alten Fohlens am Dienstag bei einer Weidenkontrolle entdeckt. Das sagte er im Gespräch mit NDR.de. „Seitdem wir wissen, dass der Wolf da ist, machen wir solche Kontrollen zwei bis dreimal am Tag.“ Der Schock sitzt ihm noch immer in den Gliedern, wie er selbst sagte. „Man hat ja einen Bezug zu den Lebewesen.“ Dass es sich um einen Wolfsriss handelt, sei ihm sofort klar gewesen, als er gesehen habe, dass kaum noch etwas von dem Fohlen übrig geblieben sei… Zu dem Betrieb gehören noch rund 50 Pferde, die auf anderen Weiden stehen. Die Angst, dass noch mal ein Tier gerissen wird, „ist allgegenwärtig“, sagte Halldorsson. Ihm wäre es recht, wenn der Leitwolf des Rodewalder Rudels abgeschossen wird. Schließlich sei nicht nur das Fohlen gerissen worden, sondern in der Vergangenheit seien schon zahlreiche Nutztiere in der Gegend getötet worden… Laut Ministerium kam es inklusive des aktuellen Falls in Nöpke in dem Revier des Rudels seit Dezember 2018 zu vier Angriffen auf Pferde oder Ponys. In zwei Fällen sei ein Wolfsangriff nachgewiesen worden. An einer der Attacken war laut Ministerium der Problemwolf „GW717M“ beteiligt. Der Rüde soll für insgesamt etwa 40 getötete Nutztiere verantwortlich sein… Zur Abschuss-Freigabe des Leitwolfes gab es jüngst aber auch kritische Stimmen. So bezweifeln etwa Naturschützer die Rechtmäßigkeit der Sondergenehmigung durch die Behörde von Lies. Zudem sei eine Identifizierung des Leitwolfes durch den Jäger nicht gewährleistet, da sich die Tiere äußerlich kaum unterscheiden, gab der NABU-Landesverband zu bedenken. Ex-Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) sieht indes die Kriterien für einen Abschuss nicht erfüllt. Auch 16 Wolfsberater aus verschiedenen Landkreisen forderten in einem offenen Brief Beweise dafür, dass der Abschuss notwendig ist.

Kommentare in den sogenannten Sozialen Medien zeigen die Stimmung
Die Kommentare in den diversen Foren, z. B. auf Facebook, machen die Stimmung deutlich, die sich ungeschminkter zeigt. Die Wortwahl, die zum Teil auffällt, einmal beiseite: Die Pferde-besitzer sehen sich zum Beispiel völlig vernachlässigt. Sie finden, ihr Anliegen und ihre emotio-nale Bindung zu ihren Pferden werden nicht ernstgenommen, seien vernachlässigbar, weil Pferde ja im Grunde „wehrhafte Tiere“ seien oder angeblich nicht zum Beuteschema des Wolfes ge-hören. Auch die Hobbyzüchter verschiedener Rinderarten oder seltener Schafrassen, die nur kleine Bestände halten, sehen sich dermaßen unter Druck, dass sie fürchten, über kurz oder lang zum Aufgeben gezwungen zu werden. Wer also fühlt, dass ihm die Grundlage für ein sorgenfreies Hobby mit seinen Tieren entzogen wird - was auch gleichzusetzen ist mit dem Verlust hoher Lebensqualität - oft begleitet von gemeinen, bedrohlichen und drohenden Kommentaren der Wolfsfreunde, der ist nicht dafür zu gewinnen, ein „kooperatives Leben mit dem Wolf“ zu führen. Vielmehr ist zu vermuten, dass sich dann ein Ventil findet, das niemandem in der Gesellschaft wirklich gefallen kann. „Hilf dir selbst – denn die Regierung hilft dir nicht!“ könnte eines Tages die Überschrift dazu liefern, massive Gegenwehr gegen den Wolf zu organisieren, wenn nicht legal, dann eben anders.

Ungeachtet der über weite Strecken anerkannten und wertvollen Arbeit unterschiedlicher Umwelt-organisationen, z.B. in Sachen Biodiversität: Es ist an der Zeit, dass NABU, BUND, GRÜNE und ihnen nahestehende Verfechter der bedingungslosen Wolfsfreiheit anerkennen, dass es sehr viele Menschen gibt, die nicht dem radikalen Gedankengut „selbsternannter Naturschützer und/oder Tierschützer“ folgen wollen, dieses vielmehr als Bedrohung auffassen. Dermaßen in die Enge getrieben, werden sie sich zur Wehr setzen. Es ist durch die unbarmherzige Sturheit der Wolfsfreunde – auch in den politisch entscheidenden Gremien - schon so viel an Zeit und gutem Willen zerstört worden, dass der Schaden kaum noch aufzuhalten ist: der Schaden an der Fähigkeit, gemeinsam nach Lösungen zu suchen, mit denen alle leben können. Wenn dann, wie z.B. in Baden-Württemberg, eine Art „Sondereinsatzkommando in geheimer Mission“ durch die Wälder streifen soll, um „genehmigte Wolfsabschüsse“ klammheimlich zu vollstrecken und die Jäger in ihren eigenen Revieren entmündigt werden, dann trägt dies nicht zur Vertrauensbildung bei sondern zeigt, dass selbst die grüngeführte Landesregierung Angst hat vor den radikalen, zu allem entschlossenen Wolfsschützern, die schon viele Kritiker aktiv bedrohten. Deshalb würden auch die Namen der „amtlichen Wolfsjäger“ nicht bekannt gemacht. Hier verbeugen sich die Verantwortlichen vor den radikalisierenden Wolfsfreunden und deren kriminellen Drohungen. Die „SEK-Jäger“ scheinen schützenswerter zu sein als die Schiedsrichter beim Fußball. Wer soll da noch Vertrauen haben in eine gute Entwicklung?

Eine Warnung sein sollte auch die Wirkung der DUH, (die sich auf juristische Kämpfe um die Einhaltung von Gesetzen spezialisiert hat), die an vielen Bürgern mehr und mehr unverstanden vorbei geht, weil man sie nicht wirklich mitnimmt und sie folglich nicht mehr bereit sind, das zu akzeptieren, weil sie gefühlt alles auszubaden haben: Das, was die ganze Sache um den Diesel also an menschlicher Contenance kaputt macht – die allmählich wachsende Wut auf die Diesel-Verteufler deutet das ja an – wird sich bei der noch emotionaler laufenden Diskussion um den Schutz der Weidetiere aller Art vor dem Wolf und dessen Bejagung verschärfen, möglicherweise in viel radikalerer Form. Die Tierhalter fühlen sich von den Behörden nicht wirklich verstanden und unterstützt – Weidezaunprämien hin, Entschädigungsgelder her. Das Geld ist dabei zweit-rangig. Denn, wer seine geliebten Tiere verliert, wird sich durch Geld nicht bestechen und schon gar nicht beruhigen lassen. Der Verlust an Lebensqualität, die ständige Angst um die Tiere, irgendwann vielleicht auch um ihre Kinder, halten die Leute nicht mehr aus. Der Politik sei geraten, die Zeichen der Zeit zu lesen und auch zu verstehen. Hinter dem Dieselskandal steckt ein hoher wirtschaftlicher Schaden auf breiter Front, der möglichst verhindert werden soll. Darauf richten sich viele Kräfte in den Regierungen aus. Der Staat hat hier nicht klug und weitsichtig genug gehandelt und will wirtschaftliche Flächenschäden vermeiden. Hinter den wolfsgeschä-digten Tierhaltern steht möglicherweise nur noch deren kalte Wut.

Der „Stern“ schreibt in seiner Ausgabe vom 21.2.2019: „Während die Parteien um eine Haltung ringen, greifen die Betroffenen zur Selbstjustiz. Hinter vorgehaltener Hand kursieren als prag-matische Lösung die drei großen ‚S‘: Schießen, Schaufeln, Schweigen.“ 42 illegal getötete Wölfe habe das Leibnitz-Institut Berlin-Friedrichsfelde bereits ermittelt…Die Dunkelziffer dürfte höher liegen (Zitatende).“ Politiker schwören landauf, landab, „Schaden vom Volk abzuhalten“ – allein vielen Tierhaltern fehlt hierfür mehr und mehr der Glaube. Ein Blick in die Foren genügt…

In Baden-Württemberg gibt es noch sehr wenige Wölfe. Die Regierenden scheinen aber die Alarmglocken aus der eigenen Bevölkerung und anderer Bundesländer noch nicht wirklich zu hören. „Man“ gibt sich bedeckt, beschwichtigt, verschweigt, organisiert gelegentliche Veran-staltungen zum Thema, fördert Wolfsmanagement sogar grenzüberschreitend, zieht Wolfsberater heran (wen sollen die überzeugend beraten??), gibt massig Geld aus für die Theorie, für Gen-Analyse... In der Praxis läuft alles nur auf bürokratisch völlig überfrachtete Entschädigungen, sehr umstrittene Herdenschutzhunde und immer höhere Schutzzäune hinaus. Das überzeugt nicht, wirkt eher sogar hilflos, weil man sich klaren Entscheidungen entzieht und sich hinter EU-Recht ver-schanzt, das bei genauerer Betrachtung durchaus harte Lösungen gegen den Wolf zuließe, wie andere Länder zeigen und Kenner der Gesetzeslage erklären. Es fehlt der Mut, sich klar und eindeutig gegen die Lobby-Macht Wolf zu stellen – um Schaden von den Bürgern abzuwenden. Mit Geld alleine ist es eben nicht getan! Den Zuspruch der Menschen durch Geld zu erkaufen geht auf Dauer schief und schadet - der Demokratie und dem Rechtsempfinden. Martin Stellberger