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WLSB-Spezial: Vereine gestalten ihre Zukunft PD 12/2018
WLSB-Spezial: Vereine gestalten ihre Zukunft

Stuttgart.
Es geht immer wieder um die Zukunft der Vereine! Bräuchte man sich keine Zukunftssorgen machen, wäre die Erörterung überflüssig. Dem ist aber nicht so. Vereine haben offen oder verdeckt kurzfristig oder schon seit längerer Zeit Probleme, Führungsgremien zu besetzen und/oder Mitglieder zu gewinnen und zu binden. Alte Sorgen, bekannte Sorgen und doch so aktuell, dass der WLSB ein Themenheft herausgab, das sich der „Problemfelder“ annahm. Das Heft trägt den Untertitel: „So gestalten starke Vereine ihre Zukunft“. Dabei meint „stark“ nicht gleich den zahlenmäßig großen Verein. Ein Blick auf einige Themen des Heftes soll dies verdeutlichen:

Strukturen des Ehrenamtes modern gestalten
Der Präsident des Württembergischen Landessportbundes (WLSB) fordert eingangs, die „Strukturen des Ehrenamtes modern“ zu gestalten. Er sagt: „Vielleicht sollten wir wieder stärker in den Vordergrund rücken, dass Ehrenamt Spaß bereitet, Bereicherung bedeutet und das Mitwirken im Verein mehr ist, als den Mitgliedsbeitrag zu begleichen.“ Also „Mut zur Veränderung“ beweisen, wie es die Autorin Carmen Freda-Koch fordert. Sie stellt fest: „Rund 14 Prozent der Vereine in Deutschland geben an, dass der Mangel an Funktionsträgern ihre Existenz bedrohe.“ Zugleich haben potentielle „Funktionäre“ eine Art mächtigen Bammel vor den Aufgaben, die auf sie zukommen könnten. Sie fühlen sich aus unterschiedlichen Gründen der Sache nicht gewachsen. Die Studie eines Professors der Universität Bern fand heraus, dass dabei eine finanzielle Honorierung überhaupt nicht im Vordergrund steht. Vielmehr gilt es, den respektvollen Umgang im Team zu erleben, gute Beziehungen zu den Vereinsmitgliedern zu pflegen, vom Vorstand ernst genommen zu werden und gut informiert zu werden über das, was im Verein abläuft. Wichtig ist für potentiell Interessierte, dass das Aufgabenfeld zu ihren eigenen Fähigkeiten passt.

Vereinsjugend schrittweise Verantwortung übertragen
Carmen Freda-Koch schlägt deshalb ein „Freiwilligenmanagement“ vor. Diese Maßnahme geht einher mit einem durchdachten Konzept, wie Anne Köhler von der WSJ sagt: Der Vereinsjugend „schrittweise Verantwortung zu übertragen.“ Darunter versteht sie u.a. auch sog. Assistenzaufgaben“, die z.B. den Übungsleiter oder Trainer entlasten. Jugendliche können als „Impulsgeber“ Ideen in die Vereinsleitung bringen oder gar eigene kleine Projekte in Selbstverwaltung organisieren. Eine zeitliche Begrenzung ist dabei hilfreich, weil junge Leute den Blick über den Tellerrand ja erst lernen müssen. Dem gegenüber steht die Anerkennung des Engagements der Vereinsführung. Eine solche Wertschätzung könnte zum Beispiel sein, die Jugendlichen zu einer Fortbildung zu entsenden. Die Autorin sieht in diesem „Management“ klare Vorteile: späterer Führungsnachwuchs lässt sich so gewinnen, die Außenwahrnehmung durch die örtliche Jugend kann verbessert werden.

Plusminus60-Team
Klaus-Eckhard Jost sagt, dass der Sportverein sozialer Mittelpunkt ist. Am Beispiel des TV Stetten kommentiert er dessen Bemühungen, die Mitglieder zu binden und neue zu gewinnen. Der Verein bemüht sich einerseits, die „älteren Mitglieder“ einzubinden mit auf sie abgestimmten Angeboten „Plusminus60“. Das Team dafür bietet im Jahr rund 25 Veranstaltungen an. Andererseits gibt es Kooperationen mit anderen Organisationen bis hin zu den Landfrauen oder dem Schwäbischen Albverein. Ergänzt wird das Ideenpaket von einer Sommerfreizeit und Spielenachmittagen für die Jüngsten unter dem Motto „Alt trifft Jung und Jung trifft Alt“.

Das Ehrenamtsmanagement brennt den Vereinen auf den Nägeln
Professorin Katja Stamer rät als Ehrenamtsexpertin in ihrem Beitrag dazu: „Auf Strukturen statt Personen setzen.“ Unter anderem sagt sie: „Das Thema Ehrenamtsmanagement brennt ja so gut wie bei allen Vereinen – bei den großen wie den mittleren und den kleinen… Unser Ziel war es, für diesen Bereich ein von Personen unabhängiges Konzept zu entwerfen.“ Das Ehrenamts-management hänge bei vielen Vereinen von einzelnen Personen ab und sei nicht strukturiert! Wenn die verantwortliche Person aufhört oder ausfällt, falle die bisherige Arbeit in sich zusammen. Katja Stamer beschreibt das Ergebnis ihrer Untersuchungen für den VfL Herrenberg so: „Bei der Anerkennungskultur haben wir einige Feste auf die Beine gestellt. Zum Beispiel ein regelmäßiges Weißwurstfrühstück für alle, die sich in irgendeiner Form engagieren – egal, ob Mitglieder oder nicht. Die Personalentwicklung bringen wir über Schulungen sowie Aus- und Fortbildungen für Ehrenamtliche voran.“ Das gehe einerseits vereinsintern, andererseits würden Angebote von auswärts angenommen. „Und zum Dritten ist das Ehrenamts-Team für den Verein da, wenn es klemmt und z.B. eine Abteilung irgendjemanden braucht. Dann aktivieren wir das Netzwerk, das wir aufgebaut haben und kümmern uns darum, jemanden zu finden.“ Dieses Konzept passe auch auf kleinere Vereine, denn man könne sich ja rauspicken, was zum Verein oder der Region passt bzw. finanzierbar ist. Als Fazit sieht die Professorin den Rat: Es ist ratsam, im Verein viel früher mit der Ehrenamtserziehung anzufangen. Auch Kinder von acht oder zehn Jahren könnten kleine Aufgaben übernehmen. „So kann Mithelfen einfach wieder zur Selbstverständlichkeit werden.“

Innovative Kommunikation
Julia Marte schildert in ihrem Beitrag, dass Vereine „innovativ kommunizieren“ können. „Denn zu den Kommunikationsinstrumenten des Vereins zählt neben der Website und verschiedenen Social-Media-Kanälen auch eine eigene Vereins-App. Auf diese Weise können die Mitglieder oder Abteilungen darüber informiert werden, was wo läuft. Das Ganze funktioniert nicht im luftleeren Raum sondern wird von einem eigenen Team kontrolliert und freigegeben, wenn die Inhalte in Ordnung sind. In der App werden so viele Verknüpfungen wie möglich genutzt. Die Autorin warnt allerdings davor, sich allein auf eine App zu konzentrieren: „Man muss darauf achten, die anderen Informationsquellen nicht zu vernachlässigen.“ Schließlich habe nicht jeder ein Smartphone oder das mobile Internet zur Verfügung.

Zukunftswerkstatt des WLSB
Wie reagiert der WLSB auf die vielfältigen „Neuerungen“ im modernen Vereinsleben? Das Zauberwort heißt „Zukunftswerkstatt“. Mit der Methode bietet der WLSB den Mitgliedsvereinen innerhalb eines moderierten Workshops die Möglichkeit, ihre momentane Gesamtsituation und Position zu bestimmen, Probleme zu benennen und mit Blick auf die Zukunft neue Ideen und Projekte gemeinsam zu entwickeln.