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Daniel Güss auf den Spuren seines Vaters: Er reitet mit Gold am Revers PD 10/2018
Daniel Güss auf den Spuren seines Vaters: Er reitet mit Gold am Revers

Villingendorf.
Wer quasi im Pferdestall das Licht der Welt erblickt, muss sich nicht wundern, wenn er sich mit dem Pferdevirus ansteckt. Daniel Güss aus Villingendorf ist es so ergangen. Seine Eltern, Ute und Ewald Güss, betreiben nämlich in Villingendorf einen bekannten und angesehenen Stall für Pferdesport und reiterliche Ausbildung. Der heute 30 Jahre alte Reiter hat nach dem Abschluss der Realschule in Sigmaringen sein Hobby zum Beruf gemacht und seine Ausbildung auf dem elterlichen Anwesen zum Pferdewirt mit Schwerpunkt Springreiten angetreten. Damit verbunden ist auch der Weg in die Zukunft, denn Daniel Güss wird eines Tages den Betrieb der Familie weiterführen. Seine Leidenschaft gehört der Ausbildung junger Pferde, ihre erfolgreiche Vorstellung auf Turnieren und nicht zuletzt dem erfolgreichen Verkauf der Pferde an andere Reiter.

Die Spuren von Vater Ewald Güss sind indes auch für den Sohn recht groß und er muss sich gehörig ins Zeug legen, um aufzuschließen. Denn Ewald Güss war Jahrzehnte lang einer der erfolgreichsten Springreiter im Lande. Er kann auf Goldmedaillen bei Landesmeisterschaften und Siege in der Schleyer-Halle zurückblicken. Das spornt natürlich auch den Sohn an, der sich als ehrgeizig im positiven Sinne beschreibt. „Manchmal bin ich sogar mehr als ehrgeizig, was dann nicht so gut ist. Man muss sich im Griff haben“, sagt Daniel Güss. Er verweist andererseits auf seine offene und freundliche Art, die dann wieder Ausgleich schaffe. Er erinnert sich daran, dass er eigentlich erst mit 15 Jahren so richtig mit dem Reiten begonnen habe. „Allerdings habe ich meinen Vater oft zu den Turnieren begleitet und mich als Pfleger für die Pferde betätigt. Seither interessiere ich mich auch für die Abstammung der Pferde im Parcours überhaupt.“ Daniel Güss reitet wie sein Vater für den Reitverein Hüttental in Villingendorf, hat aber auch in der Fremde viel Erfahrung gesammelt: „Ich habe meine Ausbildung zum Bereiter im Sportstall von Heinrich Engemann in Bissendorf gemacht, gefolgt von zwei Jahren beim bis heute international hoch erfolgreichen Schweden Ralf-Göran Bengtsson in Itzehoe. Immer aber war mein Vater mein guter Berater. Auf meine Eltern kann ich mich immer verlassen.“

Nachdem Daniel Güss wieder im heimatlichen Süden lebt, hat er in den letzten zwei Jahren die Siege und Platzierungen errungen, die für das Goldene Reitabzeichen gefordert werden: „Das Goldene Reitabzeichen kann man nicht einfach so nebenbei bekommen. Vielmehr müssen wir Reiter mindestens neun Siege in Klasse S* und einen Sieg in Klasse S** vorweisen. Darüber hinaus dürfen Erfolge bei höherwertigen Wettbewerben angerechnet werden. Aber keinesfalls ist der Weg zum „Goldenen“ ein Zuckerschlecken. Es gehören Jahre der Arbeit mit Pferden und auch der nötige Fleiß und Ehrgeiz dazu, die Erfolge zu erringen. Außerdem: Auch die anderen Reiter wollen gewinnen mit ähnlichen Zielen. Man muss also schon auch Geduld aufbringen“, sagt Daniel Güss. Gleichwohl kann er auf eine stolze Zahl von Erfolgen zurückblicken. Seit 2011 hat er bei Turnieren in ganz Baden-Württemberg 13 Siege in Klasse S* errungen. Seine Pferde hießen dabei U-Terna, Cookie Dough oder Come on Vivienne. Der geforderte Sieg in Klasse S** kam mit Come on Vivienne in Forst im Mai 2018 hinzu. Vier weitere vordere Plätze gab es in S**-Springen mit Cookie Dough und nochmals 12 vordere Plätze bei S*-Springen. Dass er dabei viele Kilometer fahren musste und viel Zeit auf Turnieren verbrachte, nimmt er als „Berufsrisiko“ recht gelassen hin.

Daniel Güss hat kein bestimmtes Pferd im Auge, wenn man ihn über seine Erfolge befragt. Vielmehr „sind es verschiedene Pferde, die mich siegen lassen. Zur Zeit steht ein Fohlen auf der Weide in Dinklage, das zwar erst ein halbes Jahr alt ist, aber wenn es gesund bleibt, dann kann es eine große Zukunft haben.“ Also auch hier in der Aufzucht ist Geduld gefordert. Das Faszinierende an den Pferden ist für Daniel Güss eine Tatsache: „Es kann jeden Tag wieder alles neu sein!“ Nur gelegentlich kann er sich aus dem Sattel heraushalten, wenn es einmal dazu kommt, dass er im Winter zum Skilaufen fährt. Selten habe er Zeit zum Faulenzen.

So mancher Reiter mit Erfolgsbilanzen wie Daniel Güss hat neben dem familiären Umfeld auch Sponsoren. Er werde von Stephes Horsetrucks STX von Richerd Theurer aus Hamburg ebenso unterstützt wie von der Reitsportsattlerei Anemone Lamparter aus Gomadingen. „Solche Förderer sind einfach wichtig für uns Reiter und wir sind dafür auch sehr dankbar“, sagt Daniel Güss mit Überzeugung. Überzeugt ist er auch davon, dass ihn keine „sportliche Krise“ oder fehlende Erfolge vom Reitsport abhalten könnten: „Aufgeben? Nein! Dafür ist meine Liebe zum Pferd und zum Sport einfach zu groß!“ Sein Ziel bestehe darin, „weiterhin erfolgreich in der Ausbildung von Pferden zu sein und weiter Erfahrung zu sammeln. Ich möchte ja den elterlichen Betrieb erfolgreich weiterführen. Er hat mir bisher optimale Bedingungen beschert!“

So genoss Daniel Güss mit seiner Familie, mit seiner Freundin Elli, die auch Bereiterin ist, und zahlreichen Freunden die Ehrung mit dem Goldenen Reitabzeichen. Sie wurde am 23. September 2018 beim Hausturnier in Villingendorf vollzogen. Der einst erfolgreiche Springreiter und Ausbildungsleiter des Haupt- und Landgestüts Marbach, Helmut Hartmann, heftete Daniel Güss die goldene Nadel als Revers. Auf der Ehrenrunde wurde der Springreiter von seinen Freunden und Kollegen Elli Meyer, Marian Müller und Tobias Schwarz begleitet. Herzlichen Glückwunsch.
Martin Stellberger