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Mit 14 Jahren: Alia Knack bekommt das Goldene Reitabzeichen PD 10/2018
Mit 14 Jahren: Alia Knack bekommt das Goldene Reitabzeichen

Sauldorf-Boll.
Noch nie im fast 30-jährigen Bestehen des PRESSEDIENSTES des Pferdesportverbandes Baden-Württemberg e.V. konnte über das Goldene Reitabzeichen für eine so junge Reiterin wie Alia Knack aus dem südbadischen Sauldorf-Boll berichtet werden. Alia Knack ist 14 Jahre alt! In der Tat ist dieses Ereignis sicher auch weiterhin „einmalig“, ebenso einmalig wie die Verleihung des Goldenen Reitabzeichens. Um diese Ehrung zu erfahren, muss man als Pferdesportler mindestens neun Siege in Klasse S* und mindestens einen Sieg in Klasse S** erringen. Erfolge in weiteren, auch höherwertigen Wettbewerben werden nach einem bestimmten Schlüssel angerechnet. Auch haben die allermeisten Pferdefreunde für das Goldene Reitabzeichen viele Jahre fleißiger Reiterei hinter sich gebracht, bevor sie die Voraussetzungen beisammen hatten.

Alia Knack gewann ihr ersten S*-Springen am 1. Mai 2015 in Leutkirch-Diepoldshofen mit Campari. Es folgten 2017 Siege in Fronhofen, Pfullendorf und im österreichischen Salzburg. Claus Peter bescherte der jungen Reiterin 2018 in Tübingen den fünften Sieg in Klasse S*. Zwei Siege in Klasse S** errang Alia Knack mit Campari 2017 in Verden und 2018 in Sauldorf – beide Springen jeweils im Stechen. Das „Gold-Konto“ komplettierte die junge Reiterin zwischen 2016 und 2018 mit weiteren zehn zweiten und dritten Plätzen. Auch drei vordere Platzierungen in Klasse S** kamen mit Claus Peter 2018 dazu. Mit Claus Peter gewann die junge Reiterin erst kürzlich in Schopfheim ein Springen Klasse S* für Amazonen. Verschiedene Einsätze für Baden-Württemberg und für Deutschland hat sie auch schon erlebt. Insgesamt eine erstaunliche Bilanz, die hoffen lässt, dass der reitsportliche Weg Alia Knacks in die Zukunft noch vieles erwarten lässt. Alia Knack bekommt beim Turnier in Bisingen am 6. Oktober 2018 das Goldene Reitabzeichen überreicht und hat aus diesem Anlass nachstehend einige Fragen des PRESSEDIENSTES beantwortet:

Alia, bitte erzähle den Lesern des PRESSEDIENSTES von Deinen ersten Erinnerungen an Pferde.
Wir waren im Tierpark, da saß ich noch im Kinderwagen. Die Pferde im Gehege haben gewiehert. Seither bin ich mit dem Pferdevirus infiziert.

Wann und wo und mit welcher Erfahrung hast Du Dein erstes Turnier bestritten?
Ich glaube, ich war drei Jahre alt. Da durfte ich mit dem Pony Lisa in Wahlwies meine erste Führzügel-Prüfung machen. Die Prüfung war mir damals ziemlich egal, ich wollte nur eine Waffel essen und einen tollen Ehrenpreis erhalten.

Wie hat sich Deine reiterliche Laufbahn dann entwickelt?
Anfangs durfte ich mit den Schulponys auf dem Forster Hof reiten. Als ich sieben Jahre alt war, bekam ich mein erstes eigenes Pony Asti. Mit ihr ritt ich dann meine ersten E-Springen. 2013 „mieteten“ wir zusätzlich noch den Haflinger Wallach Nino. Mit ihm durfte ich 2013 das erste Mal am Kids Cup teilnehmen. Zusätzlich zu Nino und Asti hatte ich zu dieser Zeit eine Reitbeteiligung auf der Stute La Colmena, mit der ich unter anderem im E- Springen in Königsfeld an den Start gehen durfte. Im Januar 2014 zog es uns dann auf den Reiterhof von Karl Schmid in Sauldorf-Boll. Seither trainiere ich bei Karl Schmid. Karl stellt mir seine Pferde zur Verfügung und opfert sehr viel Zeit dafür, mich und die Pferde auszubilden.

Welche Pferde haben Deine Reiterei bis heute geprägt?
Asti, Faible Lafayette, Leonie, Campari und Claus Peter

Erzähle uns bitte etwas mehr über Deine Pferde.
Faible Lafayette, die jetzt leider in Rente ist, ging anfangs mit mir über keine Cavaletti. Wir haben uns zusammengewurschtelt und konnten uns dann in einem Jahr von L Springen bis M** hocharbeiten. Sie ist eine kleine Zicke mit grossem Kämpferherz.

Campari habe ich 2016 bekommen. Angefangen haben wir mit A** in Schopfheim und konnten Ende 2016 unsere erste S**-Platzierung in Warstein mit nach Hause nehmen. Mittlerweile verdanke ich ihm zahlreiche Siege und Platzierungen in der schweren Klasse und nicht zuletzt verdanke ich diesem Kämpfer mein Goldenes Reitabzeichen. Campari ist ein absoluter Quatschkopf, der immer die erste Geige spielen will. Er weiss, dass er toll ist und möchte auch dementsprechend behandelt werden. Im Parcours gibt er immer alles und weiß, wenn es drauf ankommt. Er ist total konzentriert.

Claus Peter habe ich Ende 2016 bekommen. Auch ihm verdanke ich zahlreiche tolle Platzie-rungen und Siege in der schweren Klasse. Claus ist ein wenig verpeilt. Bis er merkt, dass es Futter gibt, haben die anderen schon leergefressen. Nichts desto trotz gibt er im Parcours immer alles für mich. Er hat Spass im Parcours und zeigt dies auch in Form von Bocksprüngen und Grunzen zwischen den Sprüngen.

Du reitest auf der Anlage in Sauldorf-Boll. Wie organisierst Du Deine Reiterei mit den zwei Pferden Campari und Claus Peter?
Nach der Schule gehe ich direkt in den Stall. Neben Campari und Claus reite ich noch mehrere 5- und 6-jährige Pferde. Wenn es die Zeit erlaubt, reite ich sie täglich alle. Es gibt keinen Tag, an dem ich gar nicht reite. Unter der Woche gehe ich gerne mit Claus und Campari ausreiten. Da bekommen wir alle den Kopf frei und haben Spaß.

Wer hat Dich und Deine Pferde trainiert? Am Anfang und bis heute?
Anfangs im Schulunterricht bei Jenny und Sandra vom Forster Hof in Wiechs. Später kamen dann Springstunden bei Klaus Güntert aus Radolfzell dazu. Seit 2014 trainiere ich bei Karl Schmid.

Hast Du reiterliche Vorbilder? Welche und warum sind sie für Dich Vorbilder?
Mein absolutes Vorbild ist Markus Ehning, weil er einen schönen Reitstil hat und trotzdem immer schnell reitet, wenn es drauf ankommt. Er hat einen guten Umgang mit dem Pferd.

Welche Rolle spielen Deine Eltern für Dich und Dein Reiterleben?
Meine Mutter hat mich von Anfang an bei meinen Zielen unterstützt. Sie hat sogar extra den Hängerführerschein und später sogar den LKW-Führerschein gemacht. Sie opfert jede freie Minute und sehr viel Geld für mich und meine Reiterei.

Wie hast Du Deine Reiterei mit der Schule und die Pflege Deiner Freundschaften unter einen Hut gebracht? Kannst Du Deine Freundschaften aus Schule und Umfeld denn noch richtig leben?
Es ist sehr schwierig, die Reiterei und die Schule unter einen Hut zu bringen. Ich gehe nicht gern zur Schule und fehle dort sehr oft, da viele Turniere bereits donnerstags beginnen. Nun komme ich in die 10. Klasse der Realschule. Meine Freunde reiten alle auch. Von daher sehe ich viele von ihnen immer auf den Turnieren. Wir verbringen dort dann Zeit miteinander. Für andere Hobbys und Unternehmungen bleibt keine Zeit.

Wo war Dein erster großer Einsatz für Baden-Württemberg und für Deutschland?
Das erste Mal durfte ich für Baden-Württemberg 2015 bei der Deutschen Meisterschaft in Zeiskam mit Faible an den Start gehen. Meinen ersten Einsatz für Deutschland hatte ich 2016 in Macon Chaintre 2016 mit Campari. Wir konnten dort direkt mit der Mannschaft den Nationenpreis gewinnen.

Hast Du schon einmal erlebt, dass die Nationalhymne für Dich und/oder Dein Team gespielt wurde? Wo war das und wie hast Du das aufgenommen?
Ja, für das Team schon öfter. Ich konnte schon drei Nationenpreise mit dem Deutschen Team gewinnen. Ich selbst durfte die Nationalhymne nur für mich alleine unter anderem beim Sieg im Großen Preis der Junioren in Salzburg 2017 hören. Es ist ein total cooles Gefühl, ich kann es nicht mit Worten beschreiben. Gänsehautgefühl!

Was waren- und wo - die drei bedeutendsten Erfolge Deiner Laufbahn?
2016 Bronze Medaille mit Campari bei der Deutschen Meisterschaft in Riesenbeck bei den Children, 2017 vierter Platz bei der Europameisterschaft der Children in Samorin, 2017 Sieg im Großen Preis der Jugend Challange von Verden mit Campari.

Wie gehst Du mit solchen Erfolgen um? Verändern sie Dich? Beeinflussen sie Dein persönliches Leben?
Ich genieße solche Erfolge natürlich sehr. Sie machen mich stolz und sie geben mir den Mut und das Engagement, immer weiterzumachen und nicht aufzugeben. Sie sind Ansporn und auch Lohn für die vielen Stunden Training.

Wie erlebst Du den Turnierzirkus, der ja doch eine Menge Zeit kostet?
Ich finde das Turnierleben total cool und möchte es nicht missen. Man lernt viele Menschen aus verschiedenen Nationen kennen, Holländer, Franzosen, Belgier…

Nun ist es ja nicht gerade alltäglich, dass ein 14 Jahre altes Mädchen das Goldene Reitabzeichen bekommt. Seit ich den PRESSEDIENST betreue, und das sind 27 Jahre, ist mir noch kein Pferdefreund begegnet, der in Deinem Alter das Goldene Reitabzeichen bekam. Kannst Du diese Auszeichnung einmal einordnen?
Es war mein großes Ziel, das Goldene Reitabzeichen noch mit 14 Jahren zu schaffen. Ich habe dieses Ziel erreicht und bin unglaublich stolz darauf. Ich habe viel trainiert und Campari und Claus Peter haben mich super unterstützt. Ohne die beiden hätte es nicht geklappt.

Das Goldene Reitabzeichen ist ja so eine Art Ritterschlag für Pferdefreunde. Man kann es nur ein einziges Mal im Leben bekommen. Nun also stehst Du mit 14 Jahren auf einer Stufe mit vielen bekannten Reiterinnen und Reitern, die oft viele Jahre auf das „Goldene“ hinarbeiten müssen. Was kommt für Dich denn nun als nächstes sportliches Ziel in Frage?
Natürlich möchte ich, so wie wahrscheinlich jeder Reiter, einmal in Aachen an den Start gehen. Nächstes Jahr wäre ich gerne wieder im Bundeskader der Junioren und bei der Europa-meisterschaft dabei. Nächstes Jahr möchte ich gerne meine dann 7-jährigen Pferde in Klasse S platzieren.

Kann es sein, dass Du eines Tages Dein Hobby zum Beruf machen möchtest? Oder soll die Reiterei Dein Herzenshobby bleiben?
Das weiß ich noch nicht. Nach dem Schulabschluss ist für mich noch alles offen.

Alia, vielen Dank für das Interview.