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Die Geschichte von D’Artagnan und dem Goldenen Reitabzeichen PD 7/2018
Die Geschichte von D’Artagnan und dem Goldenen Reitabzeichen

Nürtingen.
D’Artagnan ist ein berühmter Name. Die vier Musketiere aus der französisch-englischen Geschichte hatten in ihm ihren Anführer und erfolgreichen Helden. Für Cordula Holz ist D’Artagnan, so der Name ihres Erfolgspferdes, „mein Held und bester Kumpel“, erzählt sie. „Er hat mit mir zusammen alles gelernt, was er heute kann und musste dabei einiges aushalten wegen meiner eigenen Unerfahrenheit auf dem schweren Weg zum Grand Prix.“ Wenn Cordula Holz von diesem Pferd schwärmt, macht sie das zu Recht, denn: „Wir haben jeden Tag viel Spaß miteinander, egal ob es in der Dressurarbeit ist, bei der wöchentlichen Springstunde oder beim ‚sauschnellen‘ Ausritt!“ Was da beim Erzählen so leicht über die Lippen kommt, ist eigentlich der Beweis dafür, dass gute Pferdeausbildung vielfältig sein muss. Das bringt letztlich den Erfolg mit sich, den sich die 38-jährige Pferdewirtschaftsmeisterin im Laufe der Jahre erarbeitet hat. Nach dem Abitur am Agrarwissenschaftlichen Gymnasium Fritz-Ruoff-Schule in Nürtingen absolvierte sie ihre Ausbildung zum Bereiter in den Jahren 2000 bis 2003 beim Reitverein Reutlingen unter den Fittichen von Linda Velz. 2007 schloss Cordula Holz den nächsten Ausbildungsschritt zur Pferdewirtschaftsmeisterin Schwerpunkt Reiten ab und bekam für ihre guten Noten die Stensbeck-Plakette in Silber verliehen. Heute arbeitet sie als Ausbilderin und Betriebsleiterin beim Reitverein Nürtingen und das schon seit 14 Jahren. Ihre Passion teilt sie gerne mit ihren Reitschülern, denen sie die Faszination Pferd näher bringen will. Manchmal bleibt ihr sogar Zeit fürs Musizieren und Skifahren.

Die Leidenschaft Pferd begann wie bei vielen Pferdefreunden in der Kindheit. Cordula Holz erzählt: „Mit fünf Jahren habe ich im Reitverein Nürtingen mit dem Voltigieren angefangen – ganz klassisch also für kleine Mädchen mit dem Pferdevirus. Mit 16 begann ich dann das Reiten auf Schulpferden, bekam ein Pflegepferd von Verena Schäfer. Mein Reitlehrer war damals Uwe Schätzle, der mich mit dem Schulpferd Ronco Springen bis Klasse L reiten ließ. Damals hatte ich kaum Interesse an der Dressur.“ Im Oktober 2000 begann dann der „Ernst des Lebens“ mit der dreijährigen Ausbildung zum Pferdewirt Schwerpunkt Reiten bei Linda Velz in Reutlingen. 2001 bekam die Reiterin mit Bonette ihr eigenes Pferd, das einst Schulpferd beim Reitverein Nürtingen war und seinen Schwerpunkt im Springen hatte. Wie es ebenso ist in der Reiterei, hat man erst ein eigenes Pferd, reitet man dann nicht nur Springen. Bonette stellt sich auch in der Dressur gut an und zeigte ihre guten Leistungen in Klasse M. In den Jahren 2003 und 2004 arbeitete Cordula Holz im Grand-Prix- und Ausbildungsstall Johann Vanthienen in Heideck/Bayern. Seit 2004 ist sie fest beim Reitverein Nürtingen unter Vertrag, lässt sich aber auch selbst noch trainieren von Michael Börner, unter dessen Förderung sie erste S-Dressuren mit dem Pferd Caruso ritt. Caruso von Carolus/Luxus ist heute 20 Jahre alt und war gezogen vom früheren Nürtinger Vereinsvorstand Gabriel Okolisan und dessen Frau Brigitte. „Caruso hat mich auch während meiner Meisterprüfung begleitet und erfolgreich durch die Dressur getragen“, erzählt Cordula Holz dankbar.

Das Jahr 2005 wurde im Leben von Cordula Holz eine Art Wegmarke und sie erzählt: „ In diesem Jahr kam der dreijährige Hengst D’Artagnan zu mir. Er war ‚roh“, was heißt, dass er weder Sattel noch Reiter kannte. Das war der Beginn eines inzwischen langen gemeinsamen Weges, der mir so viel bedeutet. Bei der Ausbildung dieses Pferdes profitiere ich seit 2010 vor allem von Hubertus Graf Zedtwitz aus Düsseldorf. Er hat ein riesiges Fachwissen, besitzt eine ausgeprägte Menschenkenntnis und vermittelt seinen Schülern auch seine positive Einstellung gegenüber Menschen und Pferden. Das hat auch mich stark geprägt.“ Zu den reiterlichen Vorbildern gehört Isabell Werth, sagt Cordula Holz. Werth bilde die verschiedensten Pferde aus, hat eine große Übersicht und Konstanz über Jahrzehnte und übe ihren Sport hocherfolgreich aus. Sie selbst, sagt Cordula Holz, findet die Arbeit mit Pferden faszinierend: „Der Umgang mit einem Lebewesen, das einen jeden Tag aufs Neue herausfordert, bringt mich physisch und psychisch weiter.“

Wie weit es Cordula Holz inzwischen mit ihrem Helden und Kämpfer D’Artagnan gebracht hat, zeigt ein Blick in die Erfolgsmeldungen, die für die Verleihung des Goldenen Reitabzeichens herangezogen wurden. Im Grunde wären das neun Siege in Klasse S* und ein Sieg in Klasse S**. Doch Siege und Platzierungen in höheren Sphären wie Dressur S*** zählen entsprechend mit. Und hier punktet Cordula Holz beeindruckend: Zunächst gab es mit D’Artagnan 2010 in Horrenberg und Reutlingen je einen Sieg in Klasse S*. Drei Jahre später wagte sie im August 2013 in Marbach den Start in Dressur S*** und errang in der Intermediaire II Platz vier und in der Dressur mit Piaffe und Passage den zweiten Platz. Diese Erfolge beflügelten die Reiterin zu einem Start in München-Riem im September 2013, wo sie in der Dressur S*** mit Piaffe und Passage Rang fünf einnahm. Erst nach einer längeren Pause bei hohen Prüfungen startete Cordula Holz in Böblingen 2017 im Grand Prix und gewann zum ersten Male. Damit war der „Angriff“ auf das Goldene Reitabzeichen mit D’Artagnan endgültig eröffnet. Und weil die Luft in diesen Höhen des Dressursports recht dünn ist und die Konkurrenz ebenfalls gute Pferde besitzt, gab es zwar keine Siege aber herausragende vier dritte Plätze und zwei vierte Plätze in Ludwigsburg-Monrepos, Marbach, Göppingen und Pforzheim sowie in Heroldsberg. Hinzu kommen zwei Erfolge aus ihrem Start im österreichischen Lamprechtshausen 2017, wo sie im Grand Prix Zweite wurde und in der Intermediaire II auf Platz vier landete. Wer allerdings glaubt, Cordula Holz hätte nur in den höheren Rängen mitgespielt bzw. geritten, der irrt. Sie hat über die Jahre unzählige Turniere bestritten auf allen Ebenen der Anforderungen mit und ohne zählbare Erfolge. Der Weg gerade in den Grand Prix ist hart, steinig und zeitintensiv, aber umso respektabler.

Fragt man Cordula Holz über ihre Eigenschaften, sagte sie, sie sei humorvoll, spontan, selbstkritisch aber auch teamfähig. Gerade letztere Eigenschaft ist wohl auch der Grund für die hohe Wertschätzung, die die Ausbilderin von ihren Vereinskameraden, von ihren Reitschülern und auch vielen Turnierreitern erfährt. Das mache schon sehr zufrieden über die eigene Arbeit hinaus. Dabei habe sie einen gesunden Ehrgeiz, übe sich in Gelassenheit und verlöre nicht den Überblick. „Manchmal wünschte ich mir aber, dass ich mehr ‚Profi‘ bin“, sagte Cordula Holz. Gleichwohl wird sie die Ehrung mit dem Goldenen Reitabzeichen ganz „professionell“ genießen und zwar beim Turnier in Nürtingen am 7. Juli 2018 zusammen mit ihrem Partner Frieder Fischer, ihren Eltern Günter und Ulrike Holz sowie mit vielen Freunden aus dem Verein und Reiterkameraden aus dem Lager der Konkurrenten und natürlich mit ihrem Helden des Herzens D‘Artagnan.
Herzlichen Glückwunsch!
Martin Stellberger