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Jana Schlotter stürmt zum Goldenen Reitabzeichen PD 7/2018
Jana Schlotter stürmt zum Goldenen Reitabzeichen

Weil der Stadt.
Rubin-Renoir heißt das Erfolgspferd von Jana Schlotter aus Weil der Stadt. Wie im Sturm eroberte er mit seiner Reiterin im vergangenen Jahr die diversen Siegertreppchen: 18 mal war das Paar in Dressuren Klasse S* siegreich von Weil der Stadt im März 2017 über Zeutern-Martinushof, Heidenheim, Nürtingen, Konstanz bis Marbach im August 2017. In Schutterwald gelangen Jana Schlotter und Rubin-Renoir im Juli 2017 gleich drei S*-Siege. In der Altersgruppe Junge Reiter startete die Zwanzigjährige auch schon im Ausland und gewann in Uggerhalne in Dänemark im Juni 2017 eine S*-Dressur und mit dem deutschen Team einen Nationenpreis. In Linkenheim-Hochstetten setzte sie im September 2017 einen wichtigen „Punkt“, denn sie gewann eine Intermediaire I in Klasse S**, was für das Goldene Reitabzeichen Voraussetzung ist. In der aktuellen Saison 2018 ging es mit dem Siegen munter weiter, denn im April heimste sie in Konstanz, Schorndorf und Mannheim drei weitere Siege in Klasse S* ein. Alles zusammen reicht nun „locker“ für das Goldene Reitabzeichen, das Jana Schlotter bei den Landesmeisterschaften in Schutterwald am 14. Juli verliehen wird. Verliehen? Ja, weil es das Goldene Reitabzeichen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung nur einmal im Leben eines Pferdesportlers gibt. Während man Medaillen und Titel immer mal wieder erlangen kann, ist das „Goldene“ ein ganz besonderer, im Sinne des Wortes, einmaliger Höhepunkt im Reiterleben. Dieses Erlebnis gewinnt für Jana Schlotter noch deshalb an Bedeutung, weil sie es mit einem einzigen Pferd innerhalb eines halben Jahres schaffte, die geforderten zehn Erfolge in der schweren Klasse zu sammeln. Das ist an sich schon eine Seltenheit und zeigt, dass die bisherige Ausbildung von Reiterin und Pferd ebenfalls eine besonders erfolgreiche war.

Die BWL-Studentin Jana Schlotter, die in Calw studiert, hat neben Studium und Reiterei „keine Zeit mehr für andere Hobbies. Ich muss gut organisiert sein, um alles unter einen Hut zu bringen“, sagt die junge Frau gegenüber dem PRESSEDIENST. Außerdem hatte sie in der Schule auch diverse Erfolge zu verzeichnen. Am Gymnasium in Weil der Stadt bekam sie Auszeichnungen für sehr gute Abiturergebnisse unter anderem in Chemie und Wirtschaftslehre. Sie betont mit Blick auf ihre Reiterei die große Unterstützung durch ihre Eltern Ewald und Waltraud Schlotter. Denn offenbar ist die Freude an Pferden familienintern gefestigt, weil Jana Schlotters Vater als Springreiter ebenfalls bis Klasse S erfolgreich im Turnierzirkus unterwegs war. Die Familie verstand es wohl, den Ehrgeiz und den Fleiß von Jana Schlotter mit Zielstrebigkeit zu einer guten Symbiose zu verbinden. Das gelang und gelingt auch deshalb, weil die Familie einen eigenen Pensionsstall betreibt.

Beim Blick zurück auf die Anfänge ihrer Reiterei erzählt Jana Schlotter von ihrem ersten Shetlandpony mit Namen Willy, das sie als sechsjähriges Mädchen von ihren Eltern bekam. Nachdem sie mit drei weiteren Ponys Erfahrungen in Dressur und Springen und Siege bis zur Klasse L sammelte, gelang ihr mit dem Ponyhengst Stukhuster Ricardo go for Gold von Anjershof Rocky/Valentino der Einzug in den Landeskader und sie konnte gleich im ersten Jahr Siege in Pony-FEI-Prüfungen feiern. „Rico begeisterte mich durch seinen starken Charakter und seine Leistungsbereitschaft. Er ist als Hengst eine tolle Persönlichkeit und schenkte mir zahlreiche Siege in A-Dressuren sowie Siege und gute Platzierungen in Pony-FEI-Prüfungen auf L**-Niveau bis zu Erfolgen und Siegen in Klasse M* und M**. Jana Schlotters Vater ist bis heute ihr wichtigster Trainer, sagt sie. Seine Besonnenheit bei der Ausbildung trug wohl auch dazu bei, dass die junge Reiterin nicht nur Fleiß und Ehrgeiz mitbringt sondern vor allem eine Stärke entwickelt hat: Gelassenheit vor dem Start. Mit derlei Eigenschaften gibt es auch schon ganz frühe Erfolge: 2012 wurde Jana Schlotter mit dem Pony Vize-Meisterin auf Landesebene und bei den Süddeutschen Pony-Meisterschaften gewann sie Bronze. Ein Jahr später bewährte sich ihre gute Ausbildung beim Deutschen Pony Dressur-Derby in Hamburg, wo sie Dritte wurde. Schließlich gewann sie im gleichen Jahr in Schutterwald die Pony-Meisterschaft sowie den Titel Ponymaster und den Titel bei den Süddeutschen Ponymeisterschaften. 2014 verteidigte Jana Schlotter ihren Landesmeister-Titel sowie den Titel Ponymaster. Bei den „Süddeutschen“ holte sie Bronze.

2015 war das Jahr des Umbruchs. Jana Schlotter hatte den Umstieg auf Großpferde gut vorbereitet und trat sogleich bei den Junioren an. Sie gewann die Silbermedaille bei der Landesmeisterschaft in Schutterwald und kam bei der Deutschen Jugendmeisterschaft in Zeiskam auf Rang elf. 2016, so erzählt Jana Schlotter, „konzentrierte ich mich ganz auf mein Nachwuchspferd Sandro Boy, das ich auch gleich bei der Deutschen Jugendmeisterschaft vorstellen durfte. Und dann ging es 2017 in der Altersklasse der Jungen Reiter mit Rubin-Renoir unglaublich erfolgreich weiter mit dem internationalen Start in Dänemark, wo wir als deutsches Team den Nationenpreis gewannen. Es war ein unglaublich intensives Gefühl, die Nationalhymne zu hören!“ Auch in Schutterwald errang sie 2017 den Meistertitel der Jungen Reiter und wurde erneut zu den Deutschen Jugendmeisterschaften nach Aachen entsandt. Das Erfolgskonto ist dabei so umfangreich geworden, dass schon 23 Siege in Klasse S verbucht wurden.

Von ihrem Pferd Rubin-Renoir von Rubin Royal/Cordeur schwärmt die erfolgreiche Reiterin geradezu: „Rudi ist ein engagierter, leistungsbereiter, fleißiger Wallach. Wir konnten tolle Erfolge feiern. Zugleich kann er aber auch sehr eigensinnig und ganz speziell sein. Er ist jedoch ein sehr liebenswertes Pferd und durch unsere gute Verbindung erreichen wir fast immer unser Ziel. Ich muss eben auf ihn eingehen.“ Auch Sandro Boy von Sunny Boy/Figaro war ein wunderbares Pferd, erzählt die junge Reiterin. Er kam im Jahr 2013 vierjährig zu ihr und wurde von ihr von Dressurpferdeprüfungen der Klasse A bis zur Klasse S ausgebildet. Dabei hatten die beiden auch erste Erfolge in der schweren Klasse erzielt. Sandro sei ein absolutes Ausnahmepferd gewesen, erinnert sich Jana Schlotter und ist bei der Erinnerung traurig: „Sandro ist leider im Dezember 2016 an einer Kolik gestorben. Er war so toll zu reiten. Sein Verlust ist das bisher schlimmste Erlebnis für mich.“ Sein Tod habe sie schon sehr aus ihrem Gleichgewicht gebracht, bis hin zum Gedanken, den Reitsport ganz aufzugeben. Doch sie überwand die Krise und fand neuen Mut, mit ihren Pferden weiterzuarbeiten.

Viele Pferde hat Jana Schlotter in ihrer bisherigen Laufbahn geritten. Alle haben ihren Anteil an der reiterlichen Entwicklung der jungen Frau. „Jedes einzelne Pferd hat mich beeinflusst, mich weitergebracht. Jedes hat mir Erfahrung geschenkt.“ Die Zukunft sieht die junge Reiterin deshalb auch zweigeteilt: Kurzfristig will sie mit ihren beiden 16-jährigen Wallachen Rubin-Renoir und Fiogreen die Junge Reiter-Tour weiterverfolgen und mit den Nachwuchspferden Jungpferdeprüfungen reiten. Langfristig möchte sie die jungen Pferde ausbilden und möglichst auf S-Niveau bringen. Neben ihrer Familie, die sie kräftig dabei unterstützt, hat Jana Schlotter auch ein Vorbild und zwar aus einer ganz anderen Reitsportperspektive: „Michael Jung, unser Vielseitigkeitsweltmeister“ beeindruckt mich sehr, weil er sich so gut auf viele verschiedene Pferde einstellen kann und erfolgreich ist in drei Disziplinen: Dressur, Springen und Vielseitigkeit. Seine Reitweise ist immer schön anzusehen und man kann bei Pferd und Reiter die Freude an diesem Sport erkennen.“ So ist es nicht verwunderlich, dass sich Jana Schlotter hier und da auch in den Springsattel setzt. In der Vergangenheit hat sie Springen bis Klasse L geritten und bildet aktuell auch ein junges Pferd im Springen aus.

Was begeistert Jana Schlotter an den Pferden, fragt der PRESSEDIENST. „Ich finde es immer wieder faszinierend, wie leicht sich ein 600 Kilogramm schweres Tier von uns Menschen führen lässt und wie Pferd und Reiter an der gemeinsamen Arbeit Freude haben können. Das Gefühl, mit dem Pferd zu einer Einheit zu werden, so dass manchmal alles so leicht erscheint, ist einfach toll! Die starke Bindung zu meinen Pferden beeindruckt mich immer wieder.“ Dafür, dass diese Beziehung zu den Pferden so intensiv geworden ist in ihrem Leben, macht Jana Schlotter auch ihre Eltern verantwortlich. „Sie unterstützen mich beim täglichen Training und bei den Turnieren. Nur mit ihnen ist so vieles möglich geworden. Dafür bin ich sehr dankbar.“ Und dieser Dank kommt als „Belohnung“ im Rahmen der Landesmeisterschaften in Schutterwald zurück in Gestalt des Goldenen Reitabzeichens, das Jana Schlotter ja nicht „alleine“ erarbeitet hat. Mit den Eltern, Freunden und sicher mit einigen Konkurrenten wird die feierliche Verleihung dann auch gebührend gefeiert am 14. Juli 2018. Herzlichen Glückwunsch! Martin Stellberger