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Ann-Kathrin Lindner gehört zu den Goldreitern PD 7/2018
Ann-Kathrin Lindner gehört zu den Goldreitern

Ilsfeld.
„Pferde sind schlaue Tiere!“ ist die Erkenntnis von Ann-Kathrin Lindner. Die Dressurreiterin aus Ilsfeld kommt zu diesem Schluss, weil sie die Erfahrung gemacht hat, dass sich Pferde überzeugen lassen müssen. „Pferde stellen uns Reiter jeden Tag vor neue Herausforderungen und so lernen wir, sie zu verstehen und uns einzufühlen. So stelle auch ich mir immer wieder neue Aufgaben, suche und finde Wege zum Ziel zusammen mit meinen Pferden.“ Und weil jedes Pferd anders ist und seine eigenen Charakterzüge hat, lassen sie sich nicht „über einen Kamm scheren“. Und sie machen natürlich Arbeit. „Die ist aber ein guter Ausgleich für mich und ich bekomme viel von den Pferden zurück. Das bereichert ungemein und stärkt für den Alltag“, meint Ann-Kathrin Lindner, die nach dem Abitur 2014 Physiotherapeutin wurde und in diesem Beruf auch arbeitet. Der Lohn für die junge Reiterin war denn auch das Goldene Reitabzeichen, das ihr beim Heimatturnier in Ilsfeld am 24. Juni 2018 verliehen wurde.

Die Pferde, respektive Ponys, prägten das Leben der Dressurreiterin aus Ilsfeld von Kindesbeinen an. Gefördert und ermutigt wurde sie dabei von ihren Eltern, die beide als Springreiter erfolgreich waren und auch in der Dressur starteten. „Ich erinnere mich noch heute an mein erstes „Turnier“ als Vierjährige in der Führzügelklasse“, erzählt Ann-Kathrin Lindner und fährt fort: „Mit den Ponys hatte ich schon frühe schöne Erfolge. Mehrfach war ich mit meinem Pony Brantops Golden Candy bei Süddeutschen Meisterschaften erfolgreich sowohl mit dem Team als auch in der Einzelwertung.“ Und dann zählt sie auf: „Bei den Süddeutsche Meisterschaften 2009 und 2010 gewannen die Baden-Württemberger Mannschaftsgold, 2011 errang ich in Groß-Zimmern Einzelsilber und mit der Mannschaft in Seelitz Bronze. Auch 2012 gab es Edelmetall: Mannschaftsbronze bei der Süddeutschen Meisterschaft in Bad Homburg und Gold bei der Einzelwertung in Walldorf. Auch bei den Landesmeisterschaften in Schutterwald errang ich mit meinem Pony Bronze und Silber in den Jahren 2010 und 2011. „Ganz besonders toll fand ich, dass ich mehrmals ins Finale des Bundeschampionats in Warendorf kam. Mit Brantops Daisy Düsentrieb, die im Besitz der Familie Brandel in Neuss stand, kam ich auf Platz acht im Finale der 6-jährigen Ponys und 2011 mit Top Champy ebenso ins Finale der 6-jährigen Ponys.“

Noch als Juniorin setzte Ann-Kathrin Lindner nahtlos ihre erfolgreiche Reiterei mit Großpferden fort und gewann in Schutterwald 2013 mit Rubin-Renoir die Bronzemedaille bei der Landesmeisterschaft. Ein großes Erlebnis war 2013 das Finale bei der Deutschen Meisterschaft in München. Auch 2014 war sie erfolgreich und krönte ihre Juniorenlaufbahn mit der Goldmedaille bei der Landesmeisterschaft in Schutterwald. Ein Jahr später, nun als Junge Reiterin, trug sie Rubin–Renoir in Schutterwald zur Bronzemedaille der Landesmeisterschaft. Für jeden zielstrebigen Dressurreiter ist es im Übrigen ein ganz großes Ziel, in der Schleyer-Halle in Stuttgart antreten zu dürfen. Ann-Kathrin Lindner schaffte dies gleich zweimal in Folge: „2016 und 2017 hatte ich mich im iWEST-Dressur Cup für das Finale qualifiziert. Das sind wirkliche Höhepunkte in meiner Reiterei. Beim letzten Start im November 2017 wurde ich dabei Zweite. Das hat mich schon glücklich gemacht.“

Fragt man die junge Frau nach ihren Pferden, so kann sie eine ganze Reihe aufzählen, mit denen sie in wenigen Jahren seit 2014 alle die Erfolge erringen konnte, die für das Goldene Reitabzeichen gefordert sind: Mindestens neun Siege in Klasse S* und ein Sieg in Klasse S**. Das Pensum hat sie mehr als übererfüllt, denn zuletzt standen 17 Siege in Klasse S* und drei S**-Siege auf ihrem Konto. Einen großen Teil ihrer „Gold“-Erfolge verdankt sie Rubin-Renoir von Rubin Royal/Cordeur. Mit ihm begann die Goldspur im August 2014 in Kandern, führte dann nach Leonberg und schließlich ab 2015 von Pforzheim nach Schutterwald, Oberderdingen, Göppingen und Walldorf und zahlreiche andere Turnierorte. Insgesamt schaffte sie mit Rubin-Renoir ein Dutzend Siege in Klasse S*. Zwei Siege mit Dulcia 2014 in Kandern und 2017 beim Pfingstturnier in Aulendorf kommen hinzu. Allerdings wurde Rubin-Renoir verkauft und setzte seine Laufbahn bei Jana Schlotter aus Weil der Stadt so erfolgreich fort, dass auch sie im Juli 2018 das Goldene Reitabzeichen bekommt.

Ann-Kathrin Lindners Erfolgsserie hielt dennoch an und wurde weitergetragen durch ein anderes tolles Pferd: „Sunfire von San Amour/Florestan ist ein besonderes Pferd, dem ich seit 2017 wunderbare Erfolge zu verdanken habe. Er gehört heute noch seinem Züchter Volkmar André aus Hirschhorn. In Walldorf und Leonberg gewann ich in der letzten Saison drei S*-Siege. Aber mir fehlte noch ein Erfolg in Klasse S**.“ In Aulendorf 2018 überraschte und überzeugte Ann-Kathrin Lindner Richter und Konkurrenten mit ihren Siegen mit Sunfire in der Intermediaire I und in der Kür. Im Juni 2018 kam ein dritter Sieg in Klasse S** in Ladenburg hinzu. „Damit war das Goldene Reitabzeichen sicher“, sagt die Reiterin gegenüber dem PRESSEDIENST und erklärt: „Das Goldene Reitabzeichen ist für mich und andere Pferdesportler ein ganz besonderer Meilenstein. Das „Goldene“ gibt es nämlich nur einmal im Leben eines Reiters, man kann es nicht beliebig wiederholen wie zum Beispiel Medaillen bei Meisterschaften.“ Ann-Kathrin Lindner weiß diese Auszeichnung sehr zu schätzen und zugleich sagt sie, dass der Erfolg nicht ihr alleine gebührt: „Meine Eltern haben einen so großen Anteil daran. Ohne ihre Unterstützung wäre ich nie so weit gekommen. Andererseits will ich auch danke sagen an Volkmar André und Alexander Beck aus Mögglingen, der mir San Amour von Florestan Lord of Dance zur Verfügung stellt. Sie haben mir ihre Pferde anvertraut und damit mir und meiner Arbeit vertraut.“

Zum erfolgreichen Reiten gehören aber auch gute Trainer, die Fehler erkennen und Stärken herausarbeiten können. Zu ihnen gehört der langjährige Landestrainer der Springreiter Karl-Heinz Streng aus Mosbach. „Herr Streng macht einen tollen Unterricht!“ schwärmt Ann-Kathrin Lindner, die ihrerseits in Jessika von Bredow Werndl aus Aubenhausen ein großes Vorbild sieht. „Mich beeindruckt ihre Leichtigkeit und ihr Einfühlungsvermögen sowie ihr gutes Management“, erklärt die erst 21jährige Ilsfelderin. Rat und Unterricht hatte sie sich bisher auch bei Bertin Pötter aus Bad Homburg geholt und nicht zuletzt bei ihrem Vater selbst, der zu seiner Zeit erfolgreich in Dressur und Springen war. Es passte also schon viel zusammen im Reiterleben von Ann-Kathrin Lindner, die mit dem Goldenen Reitabzeichen eine verdiente Auszeichnung erhielt. Die konnte sie im Kreis der Familie, Förderern und Freunden beim Turnier in Ilsfeld feiern, als für sie der Programmpunkt „Ehrung mit dem Goldenen Reitabzeichen“ aufgerufen wurde.
Martin Stellberger