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Peter Hertkorn: Das Ziel ist erreicht – Goldenes Reitabzeichen PD 6/2018
Peter Hertkorn: Das Ziel ist erreicht – Goldenes Reitabzeichen

Horb.
Wie schwer es ist, das Goldene Reitabzeichen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung zu bekommen, das erfuhr in den letzten Jahren Peter Hertkorn aus Horb. Der Springreiter hat sich vor Jahren schon mit der Vorfreude befasst, diese einmalige Auszeichnung eines Tages zu bekommen. Denn: "Ziele muss man sich im Turniersport schon setzen, sonst arbeitet man ja immer nur vor sich hin. Das wäre langweilig, zumal ich ja gute Pferde zur Verfügung habe und auch ein gewisses Maß an Ehrgeiz einbringe." Weil der Horber Pferdesportler gute Pferde hat, kam er schließlich zum Erfolg: Am 9. Juni 2018 bekommt Peter Hertkorn das Goldene Reitabzeichen verliehen und zwar ganz bodenständig beim Turnier seines Heimatortes Horb-Nordstetten. Hier, wo seine Wurzeln in der Familie und im Sport ruhen, will er diese einmalige Auszeichnung genießen. Das Goldene Reitabzeichen ist im Sinne des Wortes einmalig, weil es im Leben eines Pferdesportlers nur ein einziges Mal verliehen wird. Es ist die höchste Auszeichnung, die die Deutsche Reiterliche Vereinigung für aktive Pferdesportler zu vergeben hat außerhalb von Championaten wie Europa- und Weltmeisterschaften oder Olympiaden. Das Goldene Reitabzeichen kommt also einer Art Ritterschlag gleich und ist zugleich große Anerkennung für jahrelange Arbeit mit den Pferden.

Wie eng dabei das Verhältnis zwischen Peter Hertkorn und seinen Pferden ist, zeigt eine Aussage über dessen aktuelles Spitzenpferd: "Die Stute Canturia von Canturo/Askasri, gezogen und im Besitz von Hans-Peter Rau aus Bad Liebenzell, ist seit ihrem sechsten Lebensjahr bei mir. Und obwohl es lukrative Angebote für das Pferd gab, vertraut mir sein Besitzer und schlug die Angebote aus. Canturia ist ein außergewöhnliches Pferd. Sie hat eine exzellente Einstellung zum Sport, gepaart mit höchster Vorsicht am Sprung." Wenn dann der Reiter in der Lage ist, diese Anlagen von Anfang an auf- und auszubauen und auch das mit größtmöglichem Einfühlungsvermögen, dann kommen Erfolge heraus, die letztlich den Traum vom Goldenen Reitabzeichen verwirklichen. Aber der Weg dahin ist lang, sehr lang in den meisten Fällen, denn um das "Goldene" zu bekommen, "da muss man in der Regel mindestens neun Siege in Klasse S* und einen Sieg in Klasse S** erringen. Wie eng es in der hohen Klasse aber zugeht, das kann man nur abschätzen, wenn man die Konkurrenz gut kennt. Und die schläft bekanntlich auch nicht. Das macht das Siegen schwer. Geduld ist dann auch eine Tugend, die man im Sport lernt", erklärt Peter Hertkorn gegenüber dem PRESSEDIENST. Geduld habe ihn auch sein erstes Turnierpferd Lary gelehrt, sagt Hertkorn! Das Pferd, gezogen von Hertkorns Vater, "hat mich von der Klasse E bis zur schweren Klasse begleitet. Es war nicht immer ganz leicht mit ihm. Wir schieden auch des Öfteren mal aus! Ich konnte aber auch viele Erfolge mit ihm feiern."

Aber nicht nur Geduld zeichnet den Reiter aus, auch das Vertrauen in seine Pferde, die er neben Canturia zur Verfügung hat: Da ist zum Beispiel L`Ignaz von Landor/Feiner Stern. Ihn bekam Hertkorn als vierjähriges Pferd von guten Freunden geschenkt. "L`Ignaz bescherte mir dann auch den allerersten Sieg in Klasse S* - in einem Zweikampfspringen im badischen Weingarten im Mai 2012", erinnert sich Hertkorn. Ein weiteres Pferd, Cool Vibes von Carlando/Rabino, brachte ihm den zweiten S-Sieg in Jettingen, als es darum ging, sich für den BW-Bank Cup zu qualifizieren, dessen Finale stets im Rahmen des Stuttgarter German Masters stattfindet. Dieses Pferd wurde ihm von Dieter Witzemann aus Winterlingen zur Verfügung gestellt. Auch Quando von Quinar/Cash gehört zu den Spitzenpferden Hertkorns, denn in den Jahren 2012 bis 2013 errang er mit ihm fünf vordere Plätze in Springen der Klasse S** zum Beispiel in Weingarten, Winnenden, Schwieberdingen, Ichenheim oder Ilsfeld. Das freut natürlich auch Jürgen Buchal aus Empfingen, den Besitzer des Pferdes. "Jürgen Buchal hat mich zudem darin bestärkt, dass ich auch schwere Springen reiten kann und mir seine Turnierpferde zur Verfügung gestellt."
Die Turnierstätten, die Peter Hertkorn anfahren muss, zeigen im Übrigen, dass ein ehrgeiziger Sportler bereit sein muss, viele Jahre im Lande herumzureisen, um an den wichtigen Turnieren teilnehmen zu können. Der ganze Aufwand gelingt auch nur dann, wenn man der Hilfe der Familie und Freunde sicher sein kann.

In Jettingen begann dann auch die eigentlich "Jagd" auf das Goldene Reitabzeichen. Von 2016 bis heute ist Canturia Hertkorns Erfolgsgarantin mit sechs Siegen in Klasse S* und einem Sieg in Klasse S**. Für diesen Sieg musste Hertkorn 2017 nach Villingendorf reisen. Zählt man nun die Siege nach, so kommt man auf neun. Weil Hertkorn aber etliche hohe Platzierungen in Klasse S** vorweisen kann, darf er sie in die Waagschale werfen. Das Reglement anerkennt nämlich solche Platzierungen und rechnet sie entsprechend an. Nun scheint es aber, dass Hertkorn „nur“ Erfolge einfährt. Deren Zahl täuscht darüber hinweg, dass es eben nicht nur „Zählbares“ gibt im Turniersport. Der zeitliche Aufwand für Training und Turnierreisen ist auch gespickt mit Starts, an deren Ende eben keine Platzierung herauskommt und dennoch darf man sich davon nicht entmutigen lassen. Schließlich reitet man ja immer gegen Konkurrenten – und die wollen auch gewinnen.

Peter Hertkorn erzählt: "Ich war zehn Jahre alt, als ich mit dem Reiten anfing. Meine Eltern Marianne und Norbert Hertkorn haben mich darin bestärkt. Sie opferten viele Stunden, um mich ins Training oder aufs Turnier zu begleiten! Sie unterstützten mich finanziell und mit selbstgezogenen Pferden. Sie haben mir im Grunde das Turnierreiten ermöglicht! Auch Rainer Löffler hat mich lange unterstützt, sei es mit Transport zum Turnier oder mit seinen Pferden. Nur so stehe ich da, wo ich im Sport meinen Platz habe." Man spürt, hier erzählt ein Sportler, der weiß, dass Erfolg auch Freunde und Förderer braucht. Dafür darf man dankbar sein.

Und neben seiner frühen Reiterei war Peter Hertkorn ja auch noch Schüler und nach der Mittleren Reife machte er eine Ausbildung zum Maschinenbautechniker. Heute ist er stellvertretender Fertigungsleiter bei der Firma Wendel-Tools in Horb-Mühlen. Die Wurzeln im Elternhaus blieben dabei erhalten. Zusammen mit seinem Bruder Michael, "dem ich mehr als dankbar bin, dass er mir immer den Rücken frei hält und die ganze Arbeit übernimmt, die anfällt. Er opfert viel von seiner Freizeit für meinen Sport." Mit ihm zusammen betreibt Peter Hertkorn den Hof der Eltern weiter und wird dabei auch von seiner Partnerin Svenja Engeßer unterstützt. Sie ist Lehrerin und muss "oft auf mich verzichten, sei es am Wochenende, wenn Turnier ist oder am Abend, wenn ich noch spät trainieren muss."

Als Ausbilder und wichtigsten Trainer neben der Reiterei im Reitverein Horb-Nordstetten stand ihm hauptsächlich Jürgen Buchal zur Seite, betont Hertkorn. Dabei habe er seine Fähigkeiten entwickelt, schwierige Pferde und junge Pferde fördern zu können. Auch das gehört zum "Ehrgeizprofil" des Reiters, der sich selbst als "zielstrebig und ausdauernd" beschreibt. Als "Leuchttürme meiner Erfolgserlebnisse kann ich meine Teilnahme am BW-Hallenchampionat in Stuttgart bezeichnen und meinen Sieg im Großen Preis von Villingendorf. Das sind schon ganz besondere Erlebnisse gewesen", sagt der Reiter ein wenig nachdenklich. Er weiß nämlich, dass seine Erfolge nicht allein ihm gehören. Seine Förderer, Eltern und Freunde, haben ihren Anteil daran und – die Pferde.

Nach seinen künftigen Zielen und Vorbildern gefragt, fällt Peter Hertkorn die Antwort leicht: "Ich möchte wieder beim Hallenchampionat reiten dürfen. Als Vorbild habe ich dabei stets Markus Ehning, den Nationenpreis- und Championatsreiter aus Borken, vor Augen. Sein Reitstil ist herausragend gut und macht weltweit Eindruck." Und am Ende des Gesprächs mit dem PRESSEDIENST betont Peter Hertkorn noch einmal, wie wichtig ihm die Unterstützung von Familie, Partnerin und Freunden ist. Mit ihnen wird er schließlich beim Turnier in Horb-Nordstetten das Goldene Reitabzeichen feiern. Herzlichen Glückwunsch!
Martin Stellberger