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Anne Eppinger-Lütkemeier: Am Gala-Abend gibt’s Gold PD 11/2017
Anne Eppinger-Lütkemeier: Am Gala-Abend gibt’s Gold

Münsingen.
Als Anne Eppinger 1989 in Warrentonn Virginia/USA, geboren wurde, ahnte noch niemand in ihrer Familie, dass sie eines Tages in Marbach auf der Schwäbischen Alb mit dem Goldenen Reitabzeichen geehrt werden würde. Aber das Leben hält immer Überraschungen bereit. Die Basis für dieses Leben liegt jedenfalls auf der Schwäbischen Alb in Münsingen, wo ihre Eltern Heiner und Ute Eppinger das Gestüt Lerchenhof unterhalten. Anne Eppinger-Lütkemeier ist mit Alexander Lütkemeier verheiratet, der in der Projektbetreuung in der Reinraumbranche tätig ist. Sie hat indes ihr gesamtes Leben, zumindest die sportliche Seite, den Pferden gewidmet. Nach ihrer Schulzeit mit Abitur in Münsingen studierte sie von 2006 bis 2010 in Nürtingen-Geislingen Pferdewirtschaft. Aus einem Praktikum bei Reitmeister Hubertus Schmidt in Borchen-Etteln bei Paderborn entwickelte sich bei dem international anerkannten Reiter und Ausbilder eine Lehre zur Pferdewirtin mit Schwerpunkt Klassische Reitausbildung. Im Januar 2016 schloss sie eine weitere Stufe ihrer Ausbildung mit dem Titel Pferdewirtschafts-meisterin ab. Diesen Beruf übt sie in Münsingen auf dem Lerchenhof aus und sagt zu ihrem beruflichen Ziel: „Unser Gestüt Lerchenhof soll erfolgreich fortbestehen!“ Damit würdigt sie auch die Arbeit ihrer Eltern. Heiner Eppinger war neben seinem Beruf als Agrar-Diplom-Ingenieur auch aktiver Reiter. Er war reiterlich so gut unterwegs, dass er sein Goldenes Reitabzeichen aus Erfolgen in der Dressur und im Springen kombinieren konnte. Das ist eine eher selten genutzte Möglichkeit. Ute Eppinger, gelernte Bankkauffrau, hingegen ist eher die gute Seele für das Gestüt.

Auch Annes Großvater Friedrich Eppinger hatte erfolgreich mit Pferden zu tun. Allerdings war er vornehmlich dem Fahren zugetan und war als Zweispännerfahrer 1987 und 1988 Deutscher Meister, 1989 Vizemeister und er gehörte 1987 dem WM-Team in Riesenbeck an. 1988 gewann er den Alpen-Donau-Pokal, was einem EM-Sieg gleichkam. 1990 wurde ihm das Goldene Fahrabzeichen verliehen. Und noch eine Reiterin begleitet Anne Eppinger in ihrem Sport: Bärbel Eppinger, die Schwester des Vaters, hat großen Anteil an der reiterlichen Entwicklung ihrer Nichte, die ja in Springen und Dressur gleichermaßen startete. Neben ihrem „Lehrmeister“ Hubertus Schmidt, Vater Heiner und Tante Bärbel ist da noch Ulla Salzgeber zu erwähnen, bei der Anne Eppinger regelmäßig in Bad Wörishofen trainiert.

Fragt man Anne Eppinger nach ihren Eigenschaften, so sagt sie freimütig: „Ich bin bei allem Ehrgeiz durchaus selbstkritisch. Diszipliniert muss man ebenfalls sein, sonst kommt man nicht weit im Sport und gute Laune gehört ebenfalls dazu. Manchmal bin ich auch etwas zu eifrig, wo Geduld besser wäre. Außerdem bin ich neugierig und offen für jede Form der Weiterbildung. Und wenn es mal ein Problem gibt oder jemand eines hat, habe ich ein offenes Ohr dafür.“ Um von der täglichen Arbeit mit den Pferden zu entspannen, schwimmt Anne Eppinger gerne. Über ihre Erfolge sagt sie: „Ich habe den ersten Sieg in Klasse S mit unserem Hengst Rulaman 2007 in Marbach sehr genossen. Er gehört meiner Tante Bärbel Eppinger. Das war ein tolles Erlebnis. Dass das der Einstieg zum Goldenen Reitabzeichen wurde, konnte ich damals noch nicht ahnen.“ Tatsächlich, Rulaman spielte dann für das Goldene Reitabzeichen keine weitere Rolle mehr, denn mit dem 15 Jahre alten Woltje de Vries von Wolkentanz I/Wittelsbach, den alle Welt nur Fuchsi nennt, begann ein toller Erfolgsweg. Das Pferd wird ihr von ihrer Freundin Steffi Hohloch aus Gomadingen zur Verfügung gestellt. In nur drei Jahren errang das Paar neun Siege in Klasse S* und zwar 2015 zweimal in Hauerz, 2016 in Zeutern-Martinushof, Ehingen und Münsingen-Lerchenhof. Drei Siege kamen 2017 in Ehingen, Aulendorf und Münsingen hinzu. Zusammen mit dem Sieg mit Rulamann sind das neun S*-Siege.

Um aber das Goldene Reitabzeichen zu bekommen, ist noch ein Erfolg in Klasse S** und höher verlangt. Diese „Lücke“ schloss Anne Eppinger-Lütkemeier mit Woltje de Vries beim Pfingst-turnier 2017 in Aulendorf, wo sie eine Intermediaire I Kür in Klasse S** gewann. Solche Erfolge machen auch glücklich, sagt die Reiterin und erinnert sich dabei an einen besonderen Glücks-moment 2014. „Damals hatte ich die Saison nicht mit dem Ziel „Schleyer-Halle“ geplant, hatte mich aber bei den verschiedenen Turnieren zum iWEST Dressur-Cup überraschend gut platziert. Da war natürlich meine Freude darüber groß, dass ich bei diesem tollen Turnier starten durfte.“ Der Erfolg spornte an. Die gesamte Familie bereitete den Start in der Schleyer-Halle mit vor: Die Choreografie für die Kür tüftelte sie mit ihrem Vater aus, die Musik steuerte Alexander Lütkemeier bei auf der Basis von Songs von Robbie Williams. Allerdings lag Anne Eppingers „Favorit“ am Ende vorne: Hendrik Lochthowe aus München mit Meggle's FS Lennox Louis. Sie selbst kam auf Platz neun. Und wie sieht es 2017 mit einem Start im iWEST Cup-Finale aus? Sehr gut, denn Anne Eppinger-Lütkemeier sammelte bei der letzten Qualifikation in Göppingen im Oktober als Dritte die letzten entscheidenden Punkte für einen Start in Stuttgart.

Sportlicher Ehrgeiz und auch den Konkurrenten „gönnen können“ zeichnet einen fairen Sportler aus. Und es stellten sich ja für Anne Eppinger-Lütkemeier so viele schöne Erfolge ein, die nun beim Gala-Abend des Pferdezuchtverbandes Baden-Württemberg am 4. November 2017 in Marbach in die Verleihung des Goldenen Reitabzeichens münden. Und diese Ehrung ist wahrlich keine Kleinigkeit. Sie kommt einer Art Ritterschlag für Pferdesportler gleich. Das Goldene Reitabzeichen kann man nämlich nur durch eine Serie bestimmter Erfolge in schweren Klassen erlangen und es wird deshalb ausdrücklich verliehen. Die weitere Besonderheit: Während Meistertitel und Medaillen, Siege und Platzierungen fast beliebig wiederholt werden können, ist das Goldene Reitabzeichen eine Ehrung, die Pferdesportler wie Anne Eppinger-Lütkemeier nur einmal im Leben erfahren. Insofern ist das Goldene Reitabzeichen „einmalig“, ganz im Sinne des Wortes. Deshalb gehört es auch zur schönen Tradition, dass sich die Geehrten ein Turnier oder einen besonderen Anlass im Pferdesport aussuchen dürfen, bei dem ihre Ehrung erfolgen soll. Der Gala-Abend im Rahmen des Marbacher Wochenendes, veranstaltet vom Pferdezuchtverband Baden-Württemberg, ist dabei der richtige Ort, das „Goldene“ zusammen mit der Familie, Freun-den und Förderern zu feiern. Und Anne Eppinger-Lütkemeier schließt auf zu den anderen „Goldträgern“ ihrer Familie, zu Vater Heiner und Großvater Friedrich und ihrer Tante Bärbel Eppinger. Auch das ist eher selten im Kreis der Geehrten. Herzlichen Glückwunsch.
Martin Stellberger