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Jenny Lang bekommt das Goldene Reiterabzeichen PD 4/2011
Jenny Lang bekommt das Goldene Reiterabzeichen

Karlsruhe/Zeutern.
Erst vor kurzem wurde sie 24 Jahre jung und hat sich doch schon in der Szene der Dressurreiter des Landes einen Namen gemacht. Ihr Pferd Loverboy, ein 11 Jahre alter Wallach von Lorentin I/Alcatraz spielt dabei die „tragende“ Rolle. Mit ihm überraschte die junge Reiterin die Fachwelt in der Schleyerhalle 2010 mit dem Sieg im Finale des Piaff-Förderpreises. Die Rede ist von Jenny Lang aus Karlsruhe. Sie studiert derzeit Wirtschaftsingenieurwesen am Karlsruher Institut für Technologie. Dass sie sich der Reiterei verschreiben würde, weil sie im Jahr 2000 einmal mit einer Freundin deren Pferd besuchte, hat sich die heute erfolgreiche Reiterin damals nicht träumen lassen. Der Pferdevirus obsiegte so ultimativ, dass Jenny Langs Eltern 2001 ihr mit Ronaldo ihr erstes Pferd kauften. Ronaldo trug sie zum Reitabzeichen und über die ersten Hindernisparcours. Pony Charly sorgte die nächsten zwei Jahre für Erfolge in Klasse A und L – in der Dressur. Die Reiterei der Jahre 2004 und 2005 wurden von Katrin Burger und Joachim Neubert vom Gestüt Schlossäcker in Straubenhardt geprägt. Der Erfolg in Klasse L stellte sich dann auch bald mit Riverman ein. Als Jenny Langs Familie Ende 2005 bei Günther Karle in Dettingen Loverboy kaufte, ging die Karriere richtig los. Den ersten Erfolgen in Dressuren der Klasse A folgte bereits 2007 der erste Sieg in Klasse M. 2008 war der Knoten soweit geplatzt, dass Jenny Lang in Billigheim 2008 ihren ersten Sieg in Klasse S erringen konnte. In Schutterwald und Babenhausen heimste sie die beiden nächsten Siege ein und hoffte dann schon ein ganz klein wenig auf das Goldene Reiterabzeichen – wenn es denn so gut weiterlief! Und das tat es: 2009 holte sie in Mannheim, Mannheim-Neckarau, Heddesheim und Erbes-Büdenheim die nächsten Siege in Wettbewerben wie St. Georg Special, Intermediaire I und einer Dressur Klasse S*.

Jenny Lang traute sich immer weiter voran und Loverboy schien zu wissen, woran seine Reiterin Freude hat: am Siegen. 2010 startete das Paar in Lingen bei einer Dressur Klasse S*** und holte den Sieg. In Schutterwald kamen die beiden im Grand Prix auf den dritten Platz und ließen dann in Stuttgart beim internationalen Turnier in der Schleyer-Halle den ganz großen Knaller heraus: Jenny Lang und Loverboy gewannen das Finale im Piaff-Förderpreis! „Jenny Lang sorgt für eine Sensation“ und „Jenny Langs Aufstieg“ titelte das Reiterjournal aus Stuttgart während des Turniers und danach. Heute, im Jahr 2011 qualifizierte sie sich wieder für den Piaff-Förderpreis, gehört der Perspektivgruppe Dressur des DOKR an und startet für Baden-Württemberg im Senioren-Kader. Die Reihe der Erfolge muss allerdings ergänzt werden: Jenny Lang durfte 2008 bei der Deutschen Jugendmeisterschaft in Hannover reiten und vertrat dabei die Farben des Landes im Kader der Jungen Reiter. 2009 schnupperte sie schon einmal die große Turnierluft in Stuttgart, als sie nämlich die Qualifikation für den iWEST-Dressur-Cup schaffte.

Es scheint, dass die Jenny Lang zugeschriebenen Eigenschaften tatsächlich tragen. Sie wird als diszipliniert und nervenstark, geduldig und gewissenhaft charakterisiert. Unterstützt wurde sie in all den Jahren natürlich von ihren Eltern Susanne und Michael Lang. „Ich bin meinen Eltern äußerst dankbar!“ betont die junge Frau, die die finanziellen Anstrengungen und die aufmunternde Unterstützung der Eltern sehr zu schätzen weiß. Allerdings, ganz ohne fremde Hilfe ging in der Reiterkarriere natürlich auch nichts. Die Grundlagen kommen aus der Schule von Katrin Burger und Joachim Neubert, die inzwischen ins Oldenburgische zogen. Auf dem Weg in die Klasse S begleitete sie Dennis Meschke aus Weyarn, „der von Beginn an von Loverboy beeindruckt war und uns beide innerhalb des Winters 2006/2007 auf M-Niveau brachte. Er ist bis heute erste Anlaufstelle für meine Fragen“, erzählt Jenny Lang dem PRESSEDIENST. Weil die „Lektionen“ in der Dressur gut sitzen müssen, um überhaupt vorne mitreiten zu können, hat sich die Karlsruherin der Schule bei Pieter van der Raadt in Dielheim unterzogen. Jenny Lang lobt ihren Reitlehrer sehr: „Er hat uns im Reiten von Lektionen ausgebildet, unterstützte uns schon zu Zeiten, als ich noch zu den Jungen Reitern gehörte. Er förderte meinen Start im iWEST-Dressur-Cup und führte uns zur Grand-Prix-Reife.“ Daneben hat die junge Frau mit ihrem Pferd auch bei Bundestrainer Jürgen Koschel in Hagen a.T.W. als Angehörige der „U 25“ Feinschliff bekommen. „Er hat uns geholfen, kontinuierlich die Leistung auf Grand Prix zu steigern.“ Bemerkenswert dabei ist, dass Jenny Lang immer von „uns“ spricht: Sie weiß genau, dass sie ihrem Loverboy mindestens ebensoviel zu verdanken hat wie den Menschen in ihrem reiterlichen Umfeld.

Reiterei, dazu auf hohem Niveau, ist sehr anstrengend. Aber Jenny Lang ist eine sehr sportliche Frau und profitiert nun von ihrer Fitness. Sport zählte nämlich schon immer zu ihren Vorlieben: Von 1993 bis 1999 startete sie als Kunstturnerin und hatte Erfolge auf Landesebene; sie spielte Tennis bis zur Bezirksklasse und gehörte zeitweise einem Handballteam an, das ebenfalls auf Bezirksebene antrat. Gerne fährt sie auch Ski. Dass sie heute die meiste Zeit dem Pferd widmet, haben die Erfolge mit Loverboy mit sich gebracht. Auch die Eltern spielen weiterhin eine wichtige Rolle: „Sie unterstützen mich, wo sie können, begleiten mich zu den Turnieren und hatten doch früher überhaupt nichts mit Pferden im Sinn!“ schwärmt Jenny Lang. Zu ihren wichtigsten Personen gehört auch ihre Schwester Christin, die mit ihr als Pflegerin und Beraterin die Zeit auf Turnieren teilt. Ihr hat sie eigentlich den Erfolg mit Loverboy zu verdanken, erzählt Jenny Lang. Denn das Pferd war ursprünglich für sie gedacht. „Wir haben aber einen Pferdetausch gemacht und seither reitet meine Schwester Riverman, mit dem auch sie sich in die schwere Klasse vorarbeitet.“ Zum „unschlagbaren Team“ von Jenny Lang gehört auch ihr Freund Michael Nobbe, der ebenfalls Turnierluft als Helfer atmet. Dankbar verweist die erfolgreiche Reiterin auch auf Freundin Isabelle Hermann aus Pforzheim, die sie zu Turnieren begleitet und zum Beispiel beim Stuttgarter Turnier 2010 unterstützte.

Erzählt Jenny Lang von ihrem Loverboy, so hört sich das so an: „Er ist mit seinem Stockmaß von 1,62 m ein richtiger Charmeur, der zu überzeugen weiß. Er ist ein Tänzer, der sich präsentieren will und durch seine elastischen, ausdrucksvollen Bewegungen besticht. Er lernt alle Lektionen bis zur Piaffe spielerisch. Loverboy verdanke ich alles. Ohne ihn könnte ich von meinen Erfolgen ja nur träumen!“ Aus solchen Worten spricht viel Anerkennung für das Pferd. Wüsste Loverboy wirklich, was er für tolle Leistungen bringen kann, würde er wahrscheinlich bei der Verleihung des Goldenen Reiterabzeichens kräftig mitfeiern. Das bleibt nun Jenny Lang, ihrer Familie und ihren Freunden vorbehalten, wenn am 24. April 2011 das Turniergeschehen in Zeutern-Martinushof für kurze Zeit unterbrochen wird: Dann nämlich bekommt Jenny Lang die Ehrung, die ihr nur einmal im Leben vergönnt ist: das Goldene Reiterabzeichen.
Martin Stellberger