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Kurt Maier - zum Ende der Karriere ein großer Sieg PD 12/2001
HERRENBERG/GÜLTSTEIN. Kurt Maier ist Hallenchampion 2001. Er gewann auf Leopard in der Stuttgarter Schleyer-Halle das große Treffen der Baden-Württemberger Springreiter. Zum ersten Male - und das zu einem Zeitpunkt, wo er allmählich ans Aufhören denkt. Herzlichen Glückwunsch dem "alten Kämpen", möchte man sagen. Die Reiterkarriere des Gültsteiner Landwirts, der in Gültstein bei Herrenberg einen Reitbetrieb unterhält, dauert schon rund 30 Jahre, in denen er unzählige Erfolge sammelte. Viele Schüler brachte er nach vorne, zum Beispiel Timo Beck, der voriges Jahr überraschend Hallenchampion wurde und nun auf Platz sechs gelandet war. Auch die gebürtige Holländerin Nastasja Kleinpenning gehört zu seinem Team und hatte sich für das große Finale in Stuttgart qualifiziert, wo sie allerdings "nur" im Feld gelandet war. "Ich bin überglücklich, dass ich diesen Sieg noch schaffen konnte. Für mich ist das der größte Erfolg seit meinem dritten Rang im Großen Preis 1988 mit Leon", strahlte der 50-jährige Kurt Maier. Er war der älteste Teilnehmer im Feld der Reiter aus dem Lande und freut sich, es den Jungen noch einmal so richtig gezeigt zu haben mit dem einzigen fehlerfreien Ritt im Stechen. Im letzten Jahr war er "nur" Dritter geworden und dachte schon an den Abschied: "Ich wollte schon aufhören, aber zum Glück habe mich noch einmal besonnen", sagte er den Stuttgarter Nachrichten am Turniertag. Ob er denn weiter machen, ein Jahr dranhängen will? Die Entscheidung ist schwer, meinte er, das müsse man sich reiflich überlegen. Gleichwohl hat er in Leopard ein hervorragendes, wenn auch nicht ganz einfaches Pferd. Aber: "Wir sind ein tolles Paar", schwärmt Maier über den Wallach von Landjunge/Seladon. Mit Leopard lohne es sich zu kämpfen, sagt Maier, zumal rund 8000 Zuschauer die Ränge der Halle von Stuttgart füllten.

Ein Blick in die Erfolgsliste Kurt Maiers: Schon 1967 gewann er Bronze bei der Landesmeisterschaft, holte 1974 Silber, wurde 1977 mit dem Goldenen Reiterabzeichen geehrt, errang 1985 und 1986 die Plätze drei und zwei der Landesmeisterschaft, um dann 1987 erstmals Landesmeister zu werden. Ein Jahr später wurde er für die Deutsche Meisterschaft in Dinklage nominiert, ritt im gleichen Jahr den ersten Nationenpreis seiner Karriere in Kopenhagen und gewann in Stuttgart Platz drei im Großen Preis. In Straßburg holte er im Großen Preis den Sieg. 1989 stieg er in den Bundeskader der Springreiter auf, startete beim Nationenpreis im polnischen Zopot und lag schließlich auf Platz 97 (von 233) der Europäischen Rangliste, für die damals 100 Wertungspunkte zur Aufnahme nötig waren.

Eine seiner größten Reisen führten Kurt Maier 1990 zum Nationenpreis nach Mexiko. 1991 war er beim Nationenpreis in Zopot/Polen mit Leon Bester der deutschen Mannschaft; holte 1991 erneut Silber bei der Landesmeisterschaft in Schutterwald und startete 1992 wieder bei der "Deutschen" in Balve. Bis 1993 hatte Kurt Maier bereits über 150 Siege in schweren Springen errungen. Ab 1994 konzentrierte er sich auf Turniere im Lande, gewann die Großen Preise in Bad Urach und Ilsfeld, das Mächtigkeitsspringen 1995 im badischen Weingarten über eine Höhe von 2,05 Metern. 1996 ging ein Schock durch die Reiterszene: Kurt Maier war bei einem Turnier so schwer gestürzt, dass er mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus gebracht werden musste. Doch offensichtlich hatte der Reiter einen treuen Schutzengel. Wenige Wochen später ritt er wieder mit, als sei nichts geschehen und gewann vor Gert Wiltfang den Großen Preis von Weilheim. Im November des Jahres 1996 verzichtete er im Hallenchampionat in Stuttgart auf das Stechen, weil er sein junges Pferd schonen wollte und wurde dennoch Zweiter. Ein Jahr später, 1997, gewann er auch den Großer Preis von Bietigheim-Bissingen auf Wichita.

Sein in die Jahre gekommener Leon war indes längst in Rente. Der "Kämpfer" starb im November 1999 im Alter von 20 Jahren. Kurt Maier aber hatte in seinem Leopard einen neuen Kracher unter dem Sattel (Holsteiner kennen ja bekanntlich keine Grenzen), gehörte weiterhin dem Landeskader an und wurde zu Nationenpreisen eingeladen, zum Beispiel im letzten Jahr nach Bratislava. Alles in allem krönt nun der Titel Maiers Laufbahn, den er jahrelang vergeblich zu erringen suchte: Hallenchampion 2001.
Martin Stellberger