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Susanne Riexinger - Gold nach zehn Siegen PD 12/2001
REUTLINGEN. Es lief gut in dieser Saison. Susanne Riexinger krönte ihre Serie von zehn Siegen in schweren Dressurwettbewerben mit dem überragenden Erfolg in der Schleyer-Halle zu Stuttgart: Sie hatte die Qualifikation und den Dressur-Cup der Scholz AG 2001 mit ihrem Erfolgspferd Dustin gewonnen. Die Siegerehrung hatte denn auch einen Seltenheitswert in mehrfacher Hinsicht: Erstens ist es nicht jedem vergönnt, das Goldene Reiterabzeichen zu bekommen, das die Deutsche Reiterliche Vereinigung für zehn Siege in Klasse S verleiht. Zweitens fiel diese Ehrung mit der Siegerehrung zum Dressur-Cup zusammen. Der Dressur-Cup ist das Gegenstück zum Hallenchampionat. Und drittens? Drittens ist es einmalig, dass derjenige, der die Ehrung vornehmen darf, Gotthilf Riexinger nämlich, in Personalunion Turnierchef des Stuttgart German Masters ist - und der eigene Ehemann.

Susanne Riexinger: "Ich freue mich riesig, darauf habe ich eigentlich das ganze Jahr hingearbeitet"sagte sie in Stuttgart. Ihr 13-jähriger Wallach Dustin präsentierte sich ja auch in bestechender Form und verschaffte ihr die Favoritenrolle für Stuttgart, auch wenn dort die Finalteilnehmer allesamt bei "Null" begannen. Die Erfolge der Qualifikationstour waren Vergangenheit. Moderator und Pferdefreund Hans Heinrich Isenbart verstand es, dem Publikum in der Halle den Erfolg der Reiterin zu präsentieren: Seit mehr als 20 Jahren ist Susanne Riexinger als Dressurreiterin aktiv, ritt früher die Pferde Monti und Flex. Mit Lionel hatte sie ihr erstes eigenes Pferd. Gerne erinnert sie sich an ihren Sieg mit Monti bei der Landesmeisterschaft in Langenau, wo sie unter ihrem Mädchennamen Susanne Weiß 1974 Junioren-Meisterin "mit Pferdewechsel im Finale" wurde. Mit Lionel sammelte Susanne Riexinger unzählige Erfolge, ritt ihn auch schon 1988 in der Schleyerhalle, aber es gab nie einen S-Sieg und das "Goldene Blechle" blieb ein Traum. Dennoch liebt die Reiterin dieses Pferd, das inzwischen sein Gnadenbrot auf der Schwäbischen Alb genießt und 29 Jahre alt ist.

Ihr Mann Gotthilf kaufte 1992 schließlich Dustin (O-Ton: "Meine Frau hat kritisch geschaut, als ich eines Tages diese Giraffe mit nach Hause brachte."). Heute ist der große Wallach Susanne Riexingers Star, dem sie das Goldene Reiterabzeichen ausschließlich verdankt und den sie gerne einmal in der Großen Tour reiten möchte: "Aber nur, wenn es auch richtig klappt; wir machen da keine halben Sachen" sagt die Reiterin. Dustin sei nämlich ein sehr eigenwilliger und charakterstarker Westfale von Dialekt. Allerdings sei er im Dressurviereck zuverlässig.

Wer ist Susanne Riexinger außerhalb es Pferdesports und des Dressurvierecks? Die gebürtige Reutlingerin absolvierte nach dem Gymnasium eine Lehre als Schriftsetzerin im Fotosatz und als Druckformherstellerin. Heute ist sie nicht mehr berufs-tätig, hat aber immer etwas zu tun, nicht nur als Reiterin, natürlich auch als Ehefrau eines erfolgreichen Geschäftsmannes und international renommierten Turnierchefs und Turnierrichters. Manchmal bleibt auch Zeit fürs Skifahren und Lesen. Sich selbst beschreibt sie als sportliche Frau mit genügend Ehrgeiz ausgestattet, aber mit der nötigen Distanz. Sie will die Dinge nicht "verbissen sehen". Das passe auch zu ihren anderen Eigenschaften, sagt sie: Sie lacht gerne, feiert gern und hat Humor.

Den Pferdesport lernte Susanne Riexinger als kleines Mädchen aus der Perspektive eines Voltigierkindes kennen. Später ritt sie Schulpferde im Reutlinger Verein bis sie ein eigenes Pferd bekam. Zunächst zog sie das Springen der Dressur vor. Viel gelernt hat sie in der Juniorenzeit bei Herbert "Epi" Schweizer, als der Reitlehrer in Reutlingen wirkte. Das war auch die Grundlage für ihren heutigen Erfolg, der ihr um so wertvoller ist, weil "ich Dustin so gut wie allein ausgebildet habe." Hier kommen ihre Stärken im Umgang mit Pferden besonders zur Geltung. Susanne Riexinger lässt sich Zeit und hat gute Nerven, wenn's drauf ankommt. Gleichwohl verfolgt sie ihre eigene Reiterei mit kritischem Blick und erkennt viele Kleinigkeiten, die verbesserungswürdig sind. "Diese Kleinigkeiten kommen daher, weil ich meistens alleine, ohne festen Trainer reite." So wird also ihr reiterliches Ziel, Dustin in Intermediaire II und auf Grand-Prix-Niveau vorzustellen, ein weiteres Stück geduldiger Arbeit werden.
Martin Stellberger