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Marcel Marschall: Auf den Spuren des Vaters zum Goldenen Reiterabzeichen PD 8/2010
Marcel Marschall: Auf den Spuren des Vaters zum Goldenen Reiterabzeichen

Altheim.
Wer wie Marcel Marschall in eine Reiterfamilie geboren wird, müsste eigentlich von Anfang an mit dem Pferdevirus angesteckt sein. Dazu kommt, dass seine Eltern, Manfred und Annette Marschall, sowie sein Donaueschinger Onkel Hans-Peter und die Cousinen Linda und Lesley erfolgreiche Reiter sind, teilweise sogar auf internationalem Parkett. Doch bei Marcel Marschall dauerte es seine Zeit, bis er seine Berufung erkannte. „Ich hatte lange kein rechtes Interesse am Reiten, vor allem am regelmäßigen Trainieren und Turnierreiten“, erzählt der 19-jährige Reiter aus Altheim dem PRESSEDIENST. „Bis Marc Bauhofer aus Bad Saulgau als Bereiter in unseren Stall kam. Damals war ich 16 Jahre alt. Mit ihm freundete ich mich besonders an und Marc verstand es, mein Interesse am Reiten zu wecken!“ So bedurfte es also eines Anstoßes von außen, um Marcel Marschall die Reiterei schmackhaft zu machen und ernsthafter betreiben zu lassen. Günther Metzler aus Weingarten hat auch Anteil an der reiterlichen Entwicklung des jungen Marschall. Der erfahrene Reiter und Parcoursbauer wies ihm so manchen Weg beim Training durch anspruchsvolle Parcours. Selbstverständlich: Vater Manfred, mehrfacher Landesmeister, Hallenchampion von Baden-Württemberg und interna-tional erfahren, kümmert sich ebenfalls intensiv um die reiterlichen Fortschritte seines „Nachfolgers“.

Was aus all dem Engagement geworden ist? Marcel Marschall ist mit 19 Jahren einer der jüngsten Reiter im Lande, dem es gelang, das Goldene Reiterabzeichen zu bekommen. Das „Goldene“ hat eine ganz besondere Bewandtnis und ist deshalb auch eine hervorgehobene Ehre für jeden Reiter: Erstens muss eine ganze Reihe von Siegen und hohen Platzierungen in Springen der Klasse S* und S** errungen werden, auch internationale Erfolge zählen. Zweitens: Das Goldene Reitabzeichen kann nur einmal im Leben eines Pferdesportlers verliehen werden. Das ist die höchste sportliche Auszeichnung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung außerhalb von Meisterschaften und Championaten. Gleiches gilt für alle Pferdesportdisziplinen.

Was hat Marcel Marschall, für den Reitverein Silit Altheim startend, denn schon alles geschafft im Reitsport? Zunächst einmal hatte er sich wohl durch Marc Bauhofers Einfluss dazu entschieden, nach dem Realschulabschluss in Riedlingen in seines Vaters Reit- und Handelsstall die Bereiterlehre zu absolvieren. Das hat ihn so nachhaltig geprägt, dass er heute sagt: „Ich möchte einmal im Spitzensport ankommen und Springprofi werden!“ Nun also ging die reiterliche Entwicklung einen festen Weg: Nach den ersten Jahren des Hineinwachsens in den Turniersport gelang Marcel Marschall 2008 in Bietigheim-Bissingen mit ABC Cäsar der erste Sieg in einem Springen der Klasse S**. In Donaueschingen trug ihn Oscar zum zweiten Sieg in Klasse S*. Mit dem 12-jährigen Vacharco, der von dem Hengst Darco abstammt, sowie mit dem 14 Jahre alten Ligth Crazy von Liberty machte sich Marcel 2008 und 2009 auf die Jagd nach Erfolgen. Das gelang ihm zum Beispiel eindrucksvoll in Kandern und auch 2010 in Wiener Neustadt in Österreich, wo er sein zweites Springen Klasse S** gewann. Viele weitere hohe Platzierungen sammelte der junge Reiter inzwischen auf vielen Turnierplätzen in Deutschland, Österreich, in der Schweiz und in Frankreich. Darunter findet man auch schon die ersten vier Einsätze in Nationenpreisen im französischen Reims, in Hagen am Teutoburger Wald, in Holland bei der Europameisterschaft 2009 und in San Lazzaro.

Das Erfolgskonto des Altheimers ist indes nicht geschlossen. Marcel Marschall hat noch viel vor, vor allem, seit er stolz von seinem neuen Pferd berichten kann: „Ich habe ein neues Pferd mit Namen Nino des Buissonnets. Mit ihm hoffe ich, ein richtiges Dream Team zu werden. „Nino“ ist erst neun Jahre alt und stammt von dem französischen Hengst Kannan ab. Ich bin gespannt, wie es künftig läuft!“ sagt Marschall zuversichtlich. Daneben steht ihm noch der 10-jährige Tres Chiq von Indorado zur Verfügung. Fragt man den jungen Mann nach seinen bisher wichtigsten Erfolgen, so berichtet er von Aachen. Dort, in der Albert-Vahle-Halle gewann er schon ein S-Springen. Aber der Ehrgeizige hat noch einen tollen Stich gemacht, auch wenn er eher bescheiden davon spricht: „Ich freue mich über jeden Einsatz im Nationenpreis. Und im Juli dieses Jahres habe ich sogar einen ganz tollen Sieg errungen, mit dem ich nie gerechnet hätte: Ich gewann ein Springen der Klasse S*** und zwar vor so tollen Reitern wie Hugo Simon und Steve Guerdat. So etwas spornt mich natürlich sehr an!“ Marcel Marschall lässt sich jedoch nicht aus der Fassung bringen von seinen Erfolgen; er weiß, dass es im Sport auch einmal ganz schnell anders laufen kann: Niederlagen müssen verdaut werden oder ein Pferd kann verletzt sein. „Dann gibt es auch halt mal Durststrecken!“ meint Marcel Marschall realistisch.

Für die Zukunft hat sich Marcel Marschall dennoch einiges vorgenommen: Er möchte auf der Deutschen Meisterschaft gut abschneiden und 2011 erneut zur Europameisterschaft antreten dürfen. „Ich hoffe, dass ich es in den Spitzensport schaffe!“ sagt der junge Mann aus Altheim, der erst kürzlich in Schutterwald beim Großen Preis die Silbermedaille der Landesmeisterschaft der Jungen Reiter errungen hatte. Doch als nächstes steht ihm eine schöne Feier bevor: Beim großen Turnier in Donaueschingen-Immenhöfe (28.7.-1.8.2010, siehe auch PRESSEDIENST 7/2010) wird ihm das Goldene Reitabzeichen verliehen. Das wird ein schönes Fest als vorläufiger Höhepunkt einer jungen und eindrucksvollen Karriere als Reiter. Herzlichen Glückwunsch und weiter so!
Martin Stellberger