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Sportentwicklungsbericht 2009/2010 PD 8/2010
Sportentwicklungsbericht 2009/2010 zur Situation der Sportvereine


Köln.
Das Bundesinstitut für Sportwissenschaften, der Deutsche Olympische Sportbund, die Deutsche Sporthochschule in Köln sowie das Institut für Sportökonomie und Sportmanagement stellten jüngst die Ergebnisse einer Untersuchung über die „Sportvereine in Baden-Württemberg“ vor. An der Untersuchung arbeiteten Prof. Dr. Christoph Breuer und Dr. Pamela Wicker aus Köln. Ein Auszug soll hier einen Überblick verschaffen.

Sportvereine sind am Gemeinwohl orientiert
Ganz allgemein gilt: Sportvereine stellen ein besonders gemeinwohlorientiertes Sportangebot bereit, was in ihren Vereinszielen zum Ausdruck kommt. Als Vereinsziele seien besonders Werte wie Fair Play und Toleranz zu vermitteln, eine preiswerte Möglichkeit des Sporttreibens zu bieten und sich für eine gleichberechtigte Teilhabe von Mädchen/Frauen und Jungen/Männern zu engagieren. Überdies steht die Jugendarbeit im Fokus der Sportvereine. Zudem soll Menschen mit Migrationshintergrund Sport ermöglicht werden. Zwischen 2005 und 2009 zeigt sich das gemeinwohlorientierte Selbstverständnis der Sportvereine als relativ stabil.

Zusammenarbeit mit Schulen und Kindergärten
In den letzten beiden Jahren haben deutlich mehr Sportvereine Angebote für Schulen oder Kindergärten bzw. Kindertagesstätten erstellt: Über 36 % aller Sportvereine in Baden-Württemberg kooperieren mit Schulen. 27 % aller Sportvereine kooperieren mit einer Grundschule, annähernd 20 % mit einer Hauptschule und rund 11 % mit einer Realschule oder einem Gymnasium.

Kursangebote für Nichtmitglieder
Immer mehr Vereine bieten auch Kursangebote für Nichtmitglieder an. Zudem sind Sportvereine Garanten für finanziell erschwingliche Sportangebote für die breite Bevölkerung. Die Hälfte aller Sportvereine verlangt einen jährlichen Mitgliedsbeitrag für Kinder von maximal 25 €, für Jugendliche von maximal 30 €, für Erwachsene von maximal 50 €, für Familien von maximal 93,25 €.

Gesetze, Verordnungen und Vorschriften erschweren Vereinsarbeit
In den letzten beiden Jahren haben existenzielle Probleme aufgrund der Anzahl von Gesetzen, Verordnungen und Vorschriften deutlich zugenommen sowie bei der Bindung und Gewinnung von ehrenamtlichen Funktionsträgern. Überdies sind Probleme bezüglich der Bindung und Gewinnung von Mitgliedern, der Kosten des Wettkampfbetriebs und der demografischen Entwicklung in der Region gestiegen. Hingegen hat sich das Problem der Bindung und Gewinnung von Übungsleitern und Trainern etwas abgeschwächt.

Kosten steigen
In finanzieller Hinsicht sind die Ausgaben für Trainer, Übungsleiter und Sportlehrer, für außersportliche Veranstaltungen (z.B. Feste) und für Gema-Gebühren signifikant gestiegen. Die Sportvereine leisten einen bemerkenswerten Beitrag zum Gemeinwohl in Baden-Württemberg. Mit über 11.400 Vereinen bieten sie eine enorme Trägerfunktion für die Bereiche des Leistungs-, Breiten-, Freizeit- und Gesundheitssports.

Im Durchschnitt geben die Sportvereine in Baden-Württemberg am meisten für (1) Trainer, Übungsleiter und Sportlehrer aus, gefolgt von (2) Ausgaben für die Unterhaltung und den Betrieb eigener Anlagen, (3) Ausgaben für Zahlungen an Sportler sowie (4) Ausgaben für Kapitaldienst (Zinsen, Tilgungen). Im Vergleich zu vor zwei Jahren sind die Ausgaben für Trainer, Übungsleiter und Sportlehrer, für außersportliche Veranstaltungen und für Gema-Gebühren signifikant gestiegen.


270.000 ehrenamtliche Positionen
Ehrenamtlich engagieren sich Mitglieder der Sportvereine in Baden-Württemberg in fast 270.000 Positionen, davon ca. 118.000 auf der Vorstandsebene und 152.000 auf der Ausführungsebene. Die Ausführungsebene fasst in einem Sportverein Funktionen unterhalb des Vorstands zusammen, die auf Dauer angelegt sind. Hierzu zählen z. B. Trainer, Übungsleiter, Schieds- und Kampfrichter. Annähernd 185.000 Positionen werden von Männern besetzt, über 84.000 von Frauen. Im Zeitraum zwischen 2007 und 2009 hat die Anzahl an ehrenamtlichen Positionen auf der Vorstandsebene signifikant abgenommen, während sie auf der Ausführungsebene signifikant zugenommen hat. Auch werden signifikant mehr ehrenamtliche Positionen von Frauen besetzt.

20,5 Stunden im Monat = 82,5 Mio Euro Wertschöpfung pro Jahr in Baden-Württemberg
Im Durchschnitt ist jeder Ehrenamtliche 20,5 Stunden pro Monat für seinen Verein tätig. Landesweit ergibt sich daraus eine Arbeitsleistung von rund 5,5 Mio. Stunden, die jeden Monat für gemeinwohlorientierte Zwecke erbracht wird. Daraus resultiert landesweit eine monatliche Wertschöpfung von rund 82,5 Mio Euro. bzw. eine jährliche Wertschöpfung von rund 990 Mio Euro durch ehrenamtliches Engagement in den Sportvereinen. Es ist zu beachten, dass hier noch nicht diejenigen Leistungen der freiwilligen Helfer einberechnet sind, die sich bei gesonderten Arbeitseinsätzen unentgeltlich beteiligen. 965.000 Mitglieder engagieren sich als freiwillige Helfer bei gesonderten Arbeitseinsätzen im Verein. Werden diese freiwilligen Helfer zu den Personen mit Ehrenamt addiert, so ergibt sich eine Gesamtzahl von rund 1,2 Mio. Ehrenamtlichen in Sportvereinen.


Kontakt:
Deutscher Olympischer Sportbund, Christian Siegel,
Tel: 0696700-360, siegel@dosb.de
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