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Jochen Teufel trägt künftig das Goldene Reitabzeichen PD 7/2010
Jochen Teufel trägt künftig das Goldene Reitabzeichen

Neuried-Altenheim.
Noch nicht ganz 24 Jahre alt und doch hat sich Jochen Teufel als Springreiter schon einen Namen gemacht. Seine Erfolge mit seinen Pferden jedenfalls unterstreichen dies. 20 Siege und vordere Platzierungen in schweren Springen bis Klasse S*** hat der junge Mann aus Neuried-Altenheim angesammelt. Das reicht für eine Auszeichnung, die ein Pferdesportler nur einmal im Leben bekommen kann: das Goldene Reitabzeichen. Dieses Abzeichen wird verliehen und kann nur durch Erfolge in der schweren Klasse des Reitsports gerechtfertigt werden. Bis dahin aber ist es ein langer, von Fleiß und Geduld geprägter Weg. Auf diesem Weg allerdings begleiten den Reiter, in diesem Fall Jochen Teufel, seine Pferde. Die wiederum müssen so gut ausgebildet sein und soviel Springvermögen haben, dass sie die Anforderungen in Klasse S erfüllen können. Im Laufe eines Reiterlebens gelingt der Erfolg häufig nur mit mehreren Pferden über etliche Jahre verteilt.

Bei Jochen Teufel liegt der erste Sieg in Klasse S mit seinem damaligen Pferd Willi schon sieben Jahre zurück. In Lahr-Langenwinkel gelang ihm 2003 dieser erste wichtige Sieg. Mit Corso, dem 1996 geborenen Holsteiner Wallach von Concerto II/Mutter von Campione, erwischte Jochen Teufel dann im gleichen Jahr einen sauberen Start im italienischen Limido Comasco, wo der junge Reiter zum ersten Mal an einem Nationenpreis teilnehmen durfte und mit dem Team den Sieg errang. Doch dann dauerte es zwei Jahre, bis der nächste S-Sieg sicher war: „Damit muss man leben, denn die Konkurrenz schläft nicht und kann auch reiten!“, meint Jochen Teufel anerkennend. Neid ist ihm in dieser Hinsicht fremd, denn sportliche Erfolge anderer beeindrucken auch ihn. Gleichwohl arbeitet er weiter an sich und seinen Pferden. 2005 war er mit Colorado in Mosbach und Corso in Ichenheim siegreich. Beide Turnierorte haben einen guten Klang. Wer hier starten kann, muss einiges zu bieten haben. Mit Corso gelang Teufel allerdings erst wieder 2007 in Lilienthal ein S-Sieg.

Um das Konto voll zu machen, sammelte Teufel fleißig auch gute Platzierungen, das heißt, es kamen so viele zweite und dritte Plätze bis Klasse S*** zusammen, dass es für das „Goldene“ reichte. Neben dem Leistungsträger Corso stehen dem Reiter aus Altenheim noch Cäsar (Brandenburger Wallach von Convoi, Mutter v. Kolibri; geboren 1998), Crispa (Holsteiner Stute von Concerto II/Mutter v. Ronald, geboren 1997) und Atlanta (Holsteiner Stute von Alcatraz, Mutter v. Concerto II, geboren 2002) zur Verfügung. Und so ist Jochen Teufel auf allen Turnierplätzen des Landes beinahe „zu Hause“, denn viele Wochenenden verbringt er unterwegs von Donaueschingen bis Kandern, von Stuttgart bis Schutterwald.

Nach einem guten Abitur am Grimmelhausen-Gymnasium in Offenburg widmete sich Jochen Teufel zunächst seinem Hobby: Er wurde Pferdewirt. Seine Lehre absolvierte er beim früheren Bundestrainer Herbert Meyer und Christoph Kühl in Lilienthal und schloss 2008 mit der Stensbeck-Plakette ab, die er für „herausragende Leistungen“ bei der Prüfung erhielt. Inzwischen hat sich Jochen Teufel einem neuen Bildungsgang verschrieben, denn er studiert seit 2008 Betriebswirtschaft an der Fachhochschule Offenburg. Den Pferdevirus allerdings hat Jochen Teufel von seinen Eltern, Walter und Mechthilde Teufel abbekommen, die eine Landwirtschaft mit Pferden betreiben. Seine Brüder Gerd und Thomas sowie Jochen Teufels Vater sind bzw. waren ebenfalls als Springreiter bis Klasse S erfolgreich. Kein Wunder also, wenn es Jochen Teufel auch zu den Pferden zog: „Ich saß auf dem Pferd, bevor ich richtig laufen konnte“, erinnert sich der erfolgreiche junge Mann verschmitzt. Sein Talent wurde denn auch entsprechend gefördert, nicht nur vom ehemaligen Bundestrainer, auch vom Vater und von Landestrainer Karl-Heinz Streng aus Mosbach und Werner Rode aus Lahr. Aus seiner näheren Heimat ritt Jochen Teufel unter Anleitung von Ewald Meier aus Meißenheim und Harald Herrmann aus Altenheim. Für den Reitclub Altenheim startet Jochen Teufel seit 1995.

Fragt man den jungen Mann nach seinen Stärken und Schwächen als Reiter, so gibt er unumwunden zu, dass er manchmal ungeduldig werden könne. Das sei aber im Reitsport nicht so günstig. „Deshalb muss ich daran immer wieder arbeiten, um nicht zu überziehen“, sagt Jochen Teufel selbstkritisch. Allerdings habe er auch viel Gefühl für seine Pferde, könne sich unter Erwartungsdruck auch gut konzentrieren und dann letztlich doch die Ruhe bewahren. Dabei helfen ihm nicht nur seine Eltern und Ausbilder. Seine Motivation zieht er nicht nur aus den früheren Berufungen in den Bundeskader der Jungen Reiter zwischen 2005 und 2007, sondern auch aus der Unterstützung durch seine Eltern, Großeltern und die Sponsoren Jean-Paul und Francine Schneider sowie Gerhard Fuchs. Gerne erinnert er sich an seine Starts bei den Bundeschampionaten 2001 und 2002 mit Corso. Als „Junior“ und „Junger Reiter“ war er in Schutterwald bei den Landesmeisterschaften regelmäßig in der Spitzengruppe zu finden, auch wenn ihm der Titel versagt blieb. Dafür „tröstete“ er sich mit guten Plätzen bei den Deutschen Jugendmeisterschaften, beim Preis der Besten sowie beim Salutfestival in Aachen. Die Teilnahme dort ist immer etwas Besonderes und nicht jedem vergönnt. Der vierte Platz beim Hallenchampionat 2009 in der Stuttgarter Schleyer-Halle ist für Jochen Teufel bisher einer der wichtigsten Erfolge bei den Senioren. Denn wenn man gegen die starke Konkurrenz so gut besteht, darf man mit sich und seinem Pferd zufrieden sein. Recht hat der junge Mann, der schon eine ganze Reihe internationaler Turnierplätze erleben durfte: Mailand 2003 mit dem Sieg im Nationenpreis, Arrezzo 2005 mit Platz 3 im Nationenpreis; in Frankreich startete Jochen Teufel zweimal für Deutschland in Compiègne und kam auf die Plätze vier und fünf. In Holland errang das deutsche Jugendteam mit Jochen Teufel in Wierden den Sieg im Nationenpreis. Ganz besondere Erlebnisse gab es 2007 für Jochen Teufel in Donaueschingen und Oldenburg: Er landete im Großen Preis mit Corso auf den Plätzen neun und sieben. Davor kann man nur Respekt haben und sagen: Herzlichen Glückwunsch zum „Goldenen“, das ist verdient. Weiter so!“ Martin Stellberger