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Andy Witzemann - der Jugend freie Bahn PD 10/2001
WINTERLINGEN. "Springpferde - An- und Verkauf, Ausbildung, Turniervorstellung" steht auf dem Firmenschild von Andy Witzemann aus Winterlingen. Gleich setzt der gerade 22 Jahre junge Mann hinzu: "Eigentlich wollte ich Innenarchitekt werden um später das Einrichtungshaus meines Vaters und meines Onkels zu übernehmen." Nach der Realschule und kaufmännischer Fachhochschule hatte wohl auch alles für diesen Weg gesprochen. Aber die Pferde waren halt stärker! So wurde aus dem angehenden Kaufmann ein erfolgreicher Springreiter, der sich als Ausbilder selbständig machte und mit Hilfe seiner Familie auch eine Reitanlage aufbaute. Besonders Andy Witzemanns Onkel Dieter kann nachfühlen, was in seinem Neffen vorgeht, war er doch schließlich selbst als Amateur erfolgreicher Springreiter bis Klasse S. Andy Witzemann beschreibt sich selbst als ehrgeizig und zielstrebig, was man wohl auch sein muss, um als so junger Mann ein so großes Ziel erreichen zu können: den eigenen Stall führen und Erfolg haben. Der reiterliche Erfolg hat sich inzwischen schon angekündigt: Beim Turnier in Bisingen-Hohenzollern (5.-7. Oktober 2001) erfährt der junge Mann eine nicht alltägliche Ehrung. Nach zehn Siegen in Klasse S bekommt er das Goldene Reiterabzeichen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung verliehen! Seit er 1999 im österreichischen Kössen seinen ersten S-Sieg feiern konnte, ging es munter weiter mit dem Siegen: Mosbach, Schuttes-Wald, Biberach, Balingen, Sachendorf/Österreich und Nördlingen heißen etliche Stationen seiner Erfolge mit den Pferden, die auf so klangvolle Namen hören wie Quel Bazar, Snap Jack, Calvero, Carina oder Rigoleto. Zu den zehn Siegen kommen nochmals drei-zehn zweite und dritte Plätze. Seit er die Reiterei professionell betreibt hat Andy Witzemann viele Erfahrungen gesammelt, auch negative. Denn im Leistungssport gibt es auch schwarze Schafe, die zu erkennen nicht immer leicht ist für einen "Jungen Hasen". Solche Missklänge haben wohl auch dazu beigetragen, schon jetzt den Weg in die Selbständigkeit zu suchen, unabhängig zu werden von anderen. Lieber mit Vater und Onkel zusammen arbeiten, heißt Andy Witzemanns Devise heute. "Da weiß ich, wen ich habe!" hört man da zwischen den Zeilen heraus.

Begonnen hat Andy Witzemanns Reiterei in den Kindertagen. Mit acht Jahren saß er erstmals "richtig" auf dem Pferd. "Onkel Dieter hatte dann auch entdeckt, dass ich Talent für den Springsport habe und hat mich bis heute gefördert!" erzählt Andy von den familiären Bindungen. Landestrainer Karl-Heinz Streng zählt er ebenso zu seinen wichtigsten Ausbildern wie den heutigen Bundestrainer Kurt Gravemeier. Ein halbes Jahr hat der junge Mann auch in der Schweiz bei Willi Melliger geritten. Durch seine Ausbilder habe er sein Gefühl für die verschiedensten Pferde und sein Auge für Distanzen geschult und auch gelernt, den Rhythmus der Pferde unter dem Sattel zu erspüren. Allerdings habe er auch Kritisches von seinen Trainern gehört: "Andy, du bist zu ungeduldig, wenn es darum geht, die nächste Erfolgsstufe zu erreichen." Der Ehrgeiz wird natürlich angestachelt, wenn man wie Andy Witzemann schon mehrfach im Ausland starten durfte: 1999 in Reims in Frankreich bestritt er kurz nach seiner Berufung in den Bundes-C-Kader einen Nationenpreis; er ritt schon in Wien und Villach in Österreich, ja sogar nach Spanien führte den jungen Mann zweimal die sogenannte "Sunshine Tour". So manche schöne Medaille zeugt von tollen Erfolgen als Junior und Junger Reiter. Bei der Deutschen Meisterschaft der Jungen Reiter gab's 1999 in Würselen Bronze. "Ich habe auch nie vergessen, was für ein schönes Gefühl es war, als für mich allein nach meinem Sieg beim CSI in Kössen/Tirol zum ersten Male die Nationalhymne gespielt wurde", erzählt Andy Witzemann mit glänzenden Augen. Er war damals erst 19 Jahre alt und hatte gegen die Topstars Rene Tebbel und Willi Melliger im Stechen gewonnen. Inzwischen gehört Witzemann dem Bundes-D-Kader an und legt seine sportlichen Ziele nicht nur kurzfristig fest. "Ich schaue in die Zukunft und will junge Spitzenpferde finden, sie ausbilden um dann mit ihnen im großen Sport später vielleicht richtig mitmischen zu können." Das sähe natürlich auch Andy Witzemanns Heimatverein gerne. Der Reitverein Albstadt ist seine sportliche Heimat und die Mitglieder wissen ihr "Aushängeschild" auch richtig zu nutzen. Vorsitzender Dr. Wolfgang Sigler sagte es einmal so: "Andy Witzemann vertritt unsere Vereinsfarben zwischen Kopenhagen und Katalonien." Wen wundert's, wenn solche Worte den Ehrgeiz des jungen Reiters streicheln?
Martin Stellberger