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Gold für Elmar Fischer PD 11/2009
Gold für Elmar Fischer

Amtzell.
Oberschwabens Reiterszene ist begeistert. Einer aus ihren Reihen hat es geschafft und bekommt das Goldene Reiterabzeichen: Elmar Fischer, Dressurreiter aus Amtzell, genießt seinen Erfolg mit allen Sinnen, mit vielen Reiterfreunden aus nah und fern und nicht zuletzt mit seinen beiden Töchtern Anne und Lia. Dass er das Goldene Reiterabzeichen nicht als „sein Goldenes“ bezeichnet sondern als „unseres“, lenkt den Blick, die Gedanken Elmar Fischers zurück in die Jahre 2006 und 2007. Damals nämlich erkrankte seine Frau Elvira so schwer, dass sie im Mai 2007 starb. Der letzte gemeinsame Gedanke ans Reiten und an die Pferde war der Wunsch Elvira Haggenmillers, dass Elmar Fischer unbedingt trotz aller Beschwernisse im Familienleben weiter mit dem Pferd Bagalut für das Goldene Reiterabzeichen arbeiten und reiten sollte. Jetzt hat es der Amtzeller Unternehmer geschafft, feierte es mit vielen Freunden und widmet seine Auszeichnung in erster Linie seiner verstorbenen Frau.

Mit ihr hat Elmar Fischer nämlich den Weg in die Reiterei ein zweites Mal beschritten. Den ersten Schritt tat Fischer als 14-jähriger Bub, der staunend und bewundernd die Hengste der damals noch existierenden Amtzeller Beschälplatte betrachtete. Er wohnte gleich nebenan und sah oft die Pferde, die vom Marbacher Haupt- und Landgestüt stammten. Nicht weit hatte es der junge Elmar Fischer zum überregional anerkannten Trakehnergestüt Argenhof, damals im Besitz von Hanna Kühn aus der bekannten Reemstma-Familie. Sein Reitlehrer war dort Josef Eff, der in Oberschwaben einen hervorragenden Ruf genoss und heute hochbetagt in Amtzell lebt. „Damals kaufte ich mir eine Zehnerkarte“, erzählt Elmar Fischer. “Das Witzige daran ist, ich besitze immer noch sechs dieser Karten.“ Einlösen kann er sie längst nicht mehr, einmal weil es den Argenhof nicht mehr als Reiterhof gibt, zum anderen, weil er auch früher schon keine Gelegenheit bekam, diese Karten „abzureiten“. Wie kam es dazu? Der Junge aus Amtzell war vom Pferdevirus derart ergriffen, dass er auf dem Hof half, wo es ging mit Pferdeputzen, Ausmisten, Traktorfahren – es muss ihm Freude bereitet haben, sich auf diese Weise das Reiten zu ermöglichen. Bald sollte er keine Schulpferde mehr reiten. Vielmehr setzte ihn der Reitlehrer auf Pferde, die nicht für den Schulbetrieb geeignet waren. Das reiterliche Talent Elmar Fischers war auf dem Argenhof gefragt und wurde genutzt. „Das Beste daran war, dass ich neben der Schule und meiner Berufsausbildung mit meinem Hobby noch etwas Geld verdienen konnte“, erinnert sicht Elmar Fischer. Mit 19 Jahren kaufte er sich das erste eigene Pferd und ritt Dressur bis Klasse M und Springen bis Klasse L.

Dann, mit 25 Jahren, trat eine Zwangspause im Turnierreiten ein: Elmar Fischer machte sich als junger Unternehmer selbständig. Sein Standbein war damals die Produktion von Maschinenbauteilen durch CNC-Zerspanung. Fischer hatte Erfolg damit und weitete sein Angebot aus auf Komplettlösungen im Maschinenbau mit Montage und Handhabungstechnik. Heute liefert sein in Amtzell stehender Betrieb Entwicklungen an, 3-D-Konstruktionen von Spritzgussformen bis zu einem Gewicht von vier Tonnen, dazu fertigt die Firma noch hochgenaue Einzel- und Serienteile bis über vier Meter Länge. 2001 kam eine weitere Firmengründung dazu: Die Fischer-Baugruppen GmbH fertigt elektronische Baugruppen auf flexiblen Platinen im Rolle zu Rolle-Prozess. Auch diese Entwicklung seiner Firma forderte Elmar Fischer in jenen Jahren enorm, denn alle Maschinen für diese Produkte musste er mit seinen Mitarbeitern selbst entwickeln und bauen. Nach sieben Jahren allerdings verkaufte er die Firma „aus zeitlichen Gründen“.

In den 90er Jahren trat Elvira Haggenmiller ins Leben von Elmar Fischer, eine junge begeisterte Reiterin mit fünf eigenen Pferden. Da hieß es für Elmar Fischer: „Komm, nimm dir wieder mehr Zeit für das Reiten!“ Weil bald Tochter Anne unterwegs war, musste Elmar Fischer in das Turniergeschehen eingreifen und das Pferd seiner Frau, Amerant, vorstellen. So nahm das Reiterschicksal seinen Lauf, erzählt Elmar Fischer nicht ohne Augenzwinkern, denn mit der Pacht einer Reitanlage „wollte ich meine Frau davon abhalten, sich eine eigene Reitanlage zu bauen. Damit bin ich glatt gescheitert!“ Schon 1999 bezog die Familie samt Pferden ein Anwesen in Amtzell am Buchwald, zu dem neben einem Wohnhaus eine große Reithalle mit Stall und Reitplatz gehören. Alles steht ganz in der Nähe der Firma. Wer sich so auf die Pferde und die Reiterei einlässt, der muss sich nicht wundern, wenn ihn das Turnierreiten wieder richtig einfängt. Der Spaß am Reiten, an der Ausbildung junger Pferde prägte hinfort das Leben der Familie und damit auch Elmar Fischers, der seinerseits bis 2002 junge Pferde präsentierte und bis Klasse S erfolgreich war.

In jenen Jahren begann auch eine schöne Zusammenarbeit mit Jörg und Bina Schröter aus Riedheim. Von ihnen erwarben die Fischers das Pferd Bagalut. Dazu muss ich folgendes erzählen, sagt Fischer dem PRESSEDIENST: „Ich war zunächst absolut gegen den Kauf dieses schmalen, lustigen, zungenwinkenden bunten Fuchses und dennoch kam er zu uns. Ich musste auch wieder verstärkt ran, weil unsere Tochter Lia im Jahr 2003 unterwegs war.“ So kam mit diesem Pferd der Durchbruch, erinnert sich Elmar Fischer. Im gleichen Jahr gewann er seine erste Platzierung im St. Georg, 2004 folgte der erste Sieg in Leutkirch, wieder in einer St.-Georg-Prüfung. Jährlich sammelte Elmar Fischer dann neben zahlreichen Platzierungen einen S-Sieg nach dem anderen. Nur 2007 fand Elmar Fischer keine Kraft zum Turnierreiten. Doch das Versprechen an seine Frau sollte und wollte er erfüllen: 2008 errang Fischer den Sieg in Aulendorf und 2009 gleich vier Siege in Hauerz, Weissenhorn, Fronhofen und Leutkirch. Ein besonderer Höhepunkt waren für den Dressurreiter aus Oberschwaben seine Starts 2004 und 2006 beim Stuttgarter Turnier in der Schleyer-Halle. Insgesamt zählen Elmar Fischer und sein Bagalut bisher 52 Siege und Platzierungen in Klasse S. Wenn Elmar Fischer diese beeindruckende Zahl nennt, staunt er selbst über sich und sein Pferd und vergisst dabei nicht, Jörg und Bina Schröter dankend zu erwähnen: „Ihre professionelle Unterstützung hat mich sehr weit gebracht!“

Nun also ist es soweit: Elmar Fischer hat sich das Goldene Reiterabzeichen redlich verdient. Mit den Freunden hat er schon Ende Oktober ganz persönlich gefeiert, als ihm die Ehrung von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung offiziell bestätigt wurde. Der Galaabend des Pferde-zuchtverbandes Baden-Württemberg am 6. November 2009 in Marbach bietet einen feierlichen Rahmen, um Elmar Fischer vor großem Publikum das „Goldene Reiterabzeichen“ ans Revers zu heften. Die Wahl, diesen Abend für die Ehrung zu nutzen, zeigt, wie sehr sich Elmar Fischer in der Züchter- und Reiterszene des Landes heimisch fühlt. Diese Auszeichnung ist ja auch etwas Besonderes, denn sie wird nur einmal im Leben eines Pferdesportlers verliehen. Sie zu erreichen ist verbunden mit Arbeit, Konsequenz und Fleiß und manchmal auch - mit einem Versprechen.
Martin Stellberger