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Christian Behrend mit Gold geehrt PD 07/2001
Stuttgart. Eigentlich hat Christian Behrend seine aktive Voltigierlaufbahn längst beendet und wird für seine herausragenden Leistungen nachträglich mit dem Goldenen Voltigierabzeichen geehrt. Den Rahmen dafür gibt die Landesmeisterschaft in Schutterwald vom 12.-15. Juli 2001. Christian Behrend begann als Zwölfjähriger beim Leonberger Reiterverein mit dem Voltigieren. Zugute kamen ihm dabei wohl seine Fähigkeiten als Kunstturner, die ihm Erfolge bis auf Bezirksebene bescherten. 1991 hatte er diesen Sport schließlich zu Gunsten des Voltigierens ganz aufgegeben.

Im Leonberger Verein voltigierte Christian Behrend in verschiedenen Leistungsgruppen und machte bald als Einzelvoltigierer auf sich aufmerksam. Mit 16 Jahren wechselte er zum Reitverein Wildberg. Mit diesem Team nahm er an der Deutschen Meisterschaft 1991 in Schenefeld teil. Genau einen Tag vor dieser DM zog sich der Voltigierer einen Kreuzbandriss zu. Christian Behrend verzichtete auf den Einzelwettkampf zu Gunsten der Mannschaft, die schließlich mit ihrem Pferd Flic-Flac und Ute Reiser an der Longe Platz acht erreichte. Wahrlich ein Riesenpech für den Sportler, denn der junge Mann musste danach die gesamte Saison 1992 aussetzen und konnte erst im Januar 1993 wieder an seiner Rückkehr in die Spitze der Voltigierer arbeiten. Der Erfolg für die Mühe war die Nominierung zur Bundessichtung nach Zweibrücken. Dort errang er mit dem vierten Platz die Fahrkarte zur Europameisterschaft, wurde aber "nur" als Ersatzmann nominiert. Der junge Mann erkannte aber seine Chance und zeigte im Rahmenwettbewerb sein ganzes Können: Er gewann. Großen Anteil an Behrends Erfolg hatte auch Ute Reiser, die Trainerin und Longenführerin aus Wildberg, mit der er in Trainingszeiten täglich arbeitete. Allerdings, ohne die Eltern wäre dies nicht möglich gewesen.

Behrends Erfolge brachten ihm die Berufung in den Bundes-C-Kader ein und setzten sich außerhalb des Landes fort. Anfang 1991 nahm er erstmals an der Deutschen Meisterschaft der Voltigierer in Schenefeld teil. Im gleichen Jahr wurde er Landesmeister; ein Jahr später holte er in Leonberg Silber. Bei seiner zweiten Teilnahme bei der DM in Soltau 1994 verpasste er mit Platz vier nur knapp eine Medaille, hielt sich aber mit seinem Sieg bei der Weltmeisterschaft in Den Haag nominiert. Das Ergebnis: fünfter Platz. 1995 gelangen ihm wieder beeindruckende Siege bei den internationalen Voltigierturnieren in Berlin und Mulhouse in Frankreich. Dazu gewann er auch noch die Bundessichtung in Darmstadt und wurde auf die Longlist für die EM 1995 gesetzt. Schließlich sicherte er sich in Schutterwald 1995 die Silbermedaille der Landesmeisterschaft, errang Silber bei der Deutschen Jugendmeisterschaft in Balve und Silber bei der Süddeutschen Meisterschaft in Mainz. Dem Jahr setze er mit Platz vier bei der EM in Saumur die Krone auf. Nach einem weiteren eher durchwachsenen Jahr sammelte der heute in Stuttgart lebende Christian Behrend 1997 wieder Erfolg um Erfolg. Sechsmal siegte er bei Volti-Turnieren mit Wertnoten über 8,5 und errang wieder Silber bei der Deutschen Jugendmeisterschaft in Soltau. Beim Internationalen Turnier in Malmö wurde er Vierter. Sein letztes Jahr als Voltigierer sollte noch einmal beweisen, dass er sehr gut "drauf" war. 1998 nämlich siegte er serienweise zum Beispiel in Mailand, dann bei der "Süddeutschen" in Dornstadt, in Neu-Anspach und in Hungen in Hessen. Bei seiner letzten Deutschen Jugendmeisterschaft wurde er in der Gesamtwertung Fünfter.

Und so kehrt Christian Behrend noch einmal zurück in die Voltigierszene. Nicht mehr als Aktiver, aber als unvergessener Sportler - nach Schutterwald. Hier nimmt er im Rahmen der Landesmeisterschaft 2001 das Goldene Voltigierabzeichen entgegen. Zehn mal die Wertnote über 8,5 ist die Voraussetzung dafür. Christian Behrends Erfolge auf diesem Niveau reichen jedoch aus für drei "Goldene". Ihm wird eines genügen zur Erinnerung an eine glanzvolle Zeit. In einem Brief an den Landesverband schrieb Behrend im Februar 2001: "Da Baden-Württemberg quasi der Anfang meiner Erfolge im Voltigiersport war und ich so viel Unterstützung im Landesverband erfahren habe, würde ich mich über eine Verleihung des Goldenen Voltigierabzeichens in Schutterwald sehr freuen." Vielleicht kann er davon etwas an künftige junge Voltigierer zurückgeben. In seinem Brief sagte er dazu: "Ich selbst stehe unmittelbar vor dem Einstieg ins Berufsleben und bin im Moment nicht als Trainer tätig. Sobald sich aber die ersten Wogen geglättet haben, werde ich wieder aktiv in der Jugendarbeit tätig werden." Das ist ein gutes Wort.
Martin Stellberger