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Pferdeschänder sind weiter aktiv im ganzen Land PD 07/09
Pferdeschänder sind weiter aktiv im ganzen Land

Mannheim/Ulm/Tettnang. Im April wurde im Mannheimer Reiterverein das Pferd einer Einstellerin schwer misshandelt. Die 16-jährige Stute kommt laut Reiterjournal 5/09 ohne bleibende äußere Schäden davon. Mitte Juni fügte in Söflingen bei Ulm ein Pferdeschänder einem 16-jährigen Wallach so schwere Verletzungen zu, dass der Tierarzt laut Südwestpresse vom 15.6.09 „keine Heilungschance“ mehr sah. Bereits im Januar und September 2008 waren in der Gegend drei Stuten schwer verletzt worden. Die Polizei habe auch im aktuellen Söflinger Fall „umfangreiche Ermittlungen eingeleitet“, heißt es in der Zeitung. Im Raum Tettnang kam es erst vor wenigen Tagen wieder zu einem Übergriff auf ein Pferd. Der Stall war schon früher einmal Ziel eines Pferdeschänders.

Oft fehlen ausreichende Spuren
Es ist immer das alte Lied: Findet die Polizei Spuren, werden diese festgestellt und dann verläuft sich alles doch wieder im Sande. Das liegt nicht an der Polizei und ihren Ermittlungen. Die Erfolgslosigkeit liegt in der Regel daran, dass es einfach nicht gelingen will, mit Hilfe der sehr oft spärlichen Spuren zu einem greifbaren Ergebnis zu kommen,sprich einen Täter beweiskräftig festzunehmen. Die Täter lösen sich buchstäblich im Nebel auf und es bedarf schon eines wirklich großzügigen Kommissars Zufall, einen Täter zu stellen. Leider ist das so und die betroffenen Pferdebesitzer sind wütend und müssen neben dem materiellen Schaden den schwerwiegenderen seelischen Schaden ertragen. Von dem betroffenen Tier ganz zu schweigen, denn Pferde leiden ja stumm. Sie haben bekanntlich keinen Schmerzenslaut und sie haben in der Regel noch einen weiteren „Mangel“: Pferde sind meist neugierig und vor allem zutraulich, den Menschen gewöhnt und von daher völlig arglos. Dies nutzen die oft sexuell gestörten Täter aus, um ihre eigenen niederen Triebe zu befriedigen.

Wachsamkeit und Umsicht
Was tun? Es bleibt wie immer zunächst die Ermahnung an die Pferdebesitzer: Überwachen Sie Ihre Weiden, Koppeln und Ställe besser. Ställe können mit elektronischen Geräten überwacht und auch gut verschlossen werden. Alarmanlagen haben allerdings den Nachteil, dass ihre Bedienung und Beobachtung im Laufe der Zeit „lästig“ wird und die Aktivierung oft einschläft. Weiden und Koppeln liegen häufig außerhalb des Blickfeldes. Hier finden Täter gerade im Sommer ihre Chancen, wenn viele Pferde wegen der Kühle über Nacht draußen bleiben. Tatsache ist auch: Viele Täter spionieren ihren Tatort sorgfältig aus, um dann im „passenden Moment“ anzugreifen. Daraus ergibt sich die Forderung: Eigentümer und Nachbarn sollen ihr Augenmerk auf fremde Personen richten, sie ansprechen und nicht arglos durch Stall und Anlage wandeln lassen oder gar selbst den vermeintlichen künftigen Einsteller oder Käufer führen. Potentielle Verbrecher lassen meist ab, wenn sie durch Ansprache unfreiwillig ihre „Visitenkarte“ abgeben müssen. Und noch eines: Nicht nur Pferde sind hoch gefährdet. Fast jede andere Tierart kann für entsprechend veranlagte Täter ein Ziel sein.

Gefahr für Stallbesitzer und Mitarbeiter
Sicher sein sollte man sich nie allzu sehr. Im Mannheimer Fall zum Beispiel hatte der verschlossene Stall den Täter nicht abgehalten. Selbst die in nächster Nähe liegenden Wohnungen von Mitarbeitern des Vereins ließen den Täter offenbar kalt. Das lässt darauf schließen, dass der oder die Täter auch keine allzu große Angst vor den Anwohnern haben. Daraus erwächst wiederum eine erhebliche Gefahr für Leib und Leben des Besitzers oder seiner Mitarbeiter, die einen solchen Täter stellen.

Trotz Zorn und Wut beherrscht bleiben
Der Pferdesportverband Baden-Württemberg hat in diesem Zusammenhang stets besonnenes Handeln der Besitzer oder Mitarbeiter gefordert. Gleiches gilt für den „Rachegedanken“, den betroffene Pferdebesitzer nach einem Angriff auf ihre Pferde zu hegen vermögen: Keine Überreaktion, keine Übergriffe auf einen Verdächtigen! Die Folgen wären für den dann selbst zum „Täter“ gewordenen Pferdebesitzer verheerend. Festhalten eines Verdächtigen ist strafrechtlich durchaus erlaubt, wenn der Täter auf frischer Tat ertappt wird (Strafprozess-ordnung § 127,1). Grundsätzlich gilt: Sofort die Polizei anrufen! Sofort einen Tierarzt herbeirufen! Spuren möglichst nicht beschädigen! Fotos machen!
stb