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Karen Tebar - Ein wichtiges Ziel ist erreicht
WAIBLINGEN. Karen Tebar ist glücklich. Die 36-jährige Dressurreiterin aus Waiblingen hat etwas erreicht, wofür sie und ihre Reiterkameraden - ob Konkurrenten oder nicht - jahrelang arbeiten und auch kämpfen müssen: das Goldene Reiterab-zeichen. Zehn Siege in der schweren Klasse und/oder Platzierungen in Grand-Prix-Prüfungen sind unabdingbare Voraussetzung, um das "Goldene" zu bekommen. Karen Tebar verdankt ihre Erfolge nicht nur eigenem Engagement. Vielmehr kommt es auch auf den Partner Pferd an und auf die Lebensumstände: 1990 errang sie in Schwäbisch Hall mit Davidoff ihren ersten S-Sieg. Zwölf Jahre lang war Davidoff Karen Tebars Erfolgspferd, das vierjährig in ihren Besitz kam. In Marbach 1995 siegte sie mit Patapouf, ein Jahr später auch in Bretten in der Kür. Karen Tebar ritt fortan in der Landesspitze mit und arbeitete eisern an sich und ihren Pferden. Im vergangenen Jahr platzte dann der Knoten endgültig und es ging Schlag auf Schlag: In Taubenberg bei Lindau, in Neu-Ulm und Waiblingen ritt sie mit Falada M an die Spitze bei Intermediaire I und II-Wettbewerben. Mit Castello I'Ami ist die Waiblingerin auch sehr gut beritten: In Göppingen, Ludwigsburg und Waiblingen startete sie im Grand Prix und Grand Prix Special und landete jedes Mal unter den besten Sieben.

Das reiterliche Talent hat Karen Tebar geerbt. Das liegt nämlich in der Familie. Willy Schetter ist nicht nur ihr Vater sondern einer der führenden Dressurspezialisten in Baden-Württemberg. In seinem Betrieb für Haustechnik in Kernen arbeitet die Diplom-Ökonomin (Fachrichtung Marketing und Organisation) heute. Auslandserfahrung sammelte sie in einer Pariser Werbeagentur als Kontakter und in der Strategischen Beratung (1990-1993). Hier in Paris lernte sie auch ihren Mann Christophe Te-bar kennen, "mein Souvenir aus Paris", wie sie ihn liebevoll nennt. Sportliche Erfolge gab es für Karen Tebar auch in Frankreich. 1991 zum Beispiel gewann sie mit Davidoff unter anderem die Kür-Trophy CENECA am Salon du Cheval und fand sich schließlich auf der französischen Rangliste auf Platz 9.

Karen Tebar begann im Reitverein Waiblingen einst als Voltigiermädchen, bevor sie Reitstunden erhielt. Ihr Talent formte dabei die Reitlehrerin des Vereins: "Von Barbara Demmler habe ich alles gelernt!" sagt die Reiterin dankbar. Jener ersten Reitlehrerin ist es wohl auch zu verdanken, dass das einst sportlich vielseitige Mädchen (Leichtathletik, Handball, Gerätturnen) der Reiterei so viel abgewinnen konnte, um an Turnieren Spaß zu haben. Der erste Turnierstart folgte schließlich 1972. Ungemein wichtig ist natürlich die gemeinsame Arbeit mit dem Vater, der 1964 mit dem Reiten begann. Davor war Willy Schetter als Go-Cart-Fahrer mehrfach Deutscher Meister und fuhr auch Europameisterschaften. Weitere wichtige Ausbilder Karen Tebars waren Bernd Noske aus Freudenstadt, Udo Lange, Röhlingen, und Christoph Niemann, Sinsheim, allesamt Reiter, deren Namen nicht nur im Lande einen guten Klang haben.

Karen Tebar denkt, wenn sie von ihrer Reiterei spricht, in großer Dankbarkeit an ihre Eltern. Sie haben es ihr ermöglicht, schon früh eigene Pferde zu besitzen und auszubilden. Ausdrücklich nennt sie als Sponsorin ihre Mutter Gerhild. Mit Squaw, dem Pferd ihrer Mutter, gelang ihr dabei der Einstieg in die schweren Prüfungen. Mit dieser Stute wurde sie 1986 Vierte bei den Landesmeisterschaft in Tübingen, die als Prix St. Georg ausgetragen wurde. Vater Willy hat ihr, so erzählte sie dem PRESSE-DIENST, dabei geholfen, vier Pferde bis Klasse S auszubilden, eines davon bis zur Grand-Prix-Reife. Davidoff bescherte ihr 1990 den ersten S-Sieg.

In den 30 Jahren ihrer Reiterei kam Karen Tebar auf über 80 Platzierungen in Klasse S; siebenmal war sie siegreich. Die Spitzenplatzierungen auf Grand-Prix-Ebene zählen mit zum "Goldenen Reiterabzeichen", das sich Karen Tebar nun im Rahmen einer Feierstunde beim Waiblinger Turnier vom 8.-10. Juni 2001 ans Revers heften darf. Ihre reiterliche Motivation ist indes ungebrochen: "Das Schöne am Reitsport ist die Zusammenarbeit mit dem Pferd, das wie wir Menschen unterschiedliche Tagesform hat und so den Reiter täglich vor neue und interessante Aufgaben stellt. Wenn man in der Ausbildung des Pferdes zum ersten Mal eine Lektion mit Leichtigkeit und Harmonie ausführt, ist das der schönste Lohn der Arbeit." Karen Tebar, die sich selbst als lebensfroh und impulsiv beschreibt mit gelegentlichem Hang, "explosiv" zu werden, hat sich bei aller Professionalität den Feinsinn für die Pferde bewahrt, fühlt mit den Pferden und für die Pferde, "die mich gelegentlich erziehen, wenn ich zu ungeduldig bin".

Fragt man die Reiterin nach ihren Zielen, so bekommt man eine zweiteilige Antwort: Erstens möchte sie eine gute Mutter sein. Zweitens ist ihr Appetit auf Sport noch lange nicht gestillt. "Ich möchte an internationalen Turnieren teilnehmen und mal sehen, wie weit ich komme..." Einen Anfang dazu gab es im Jahr 2000, als sie eine Starterlaubnis für Donaueschingen in der Tasche hatte. Aber damals verzichtete sie noch auf einen Start. Ihr Sohn Maxim hatte sich angekündigt, der dann Ende Januar 2001 zur Welt kam. Martin Stellberger