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Statistik: Entwicklung im Pferdesportland Baden-Württemberg PD 04/2009
Statistik: Entwicklung im Pferdesportland Baden-Württemberg

Kornwestheim.
Statistiken sind immer eine Grundlage zur Bestandsaufnahme – auch im Pferdesport des Landes Baden-Württemberg, soweit der Sport unter dem Dach des Pferdesportverbandes Baden-Württemberg und damit unter dem Dach der Deutschen Reiterlichen Vereinigung stattfindet. Christian Abel, Geschäftsführer des Pferdesportverbandes Baden-Württemberg mit Sitz in Kornwestheim, legte jüngst die Geschäftsberichte des Verbandes und der Landeskommission für Pferdeleistungsprüfungen 2008 vor.

Pferdesport im Pferdesportverband Baden-Württemberg
Der Verband gliedert sich in drei Regionalverbände: Nordbaden mit 182 Vereinen und 23.021 Mitgliedern, Südbaden mit 201 Vereinen/22.694 und Württemberg mit 501 Vereinen/58.106. Insgesamt also 884 Vereine mit 104.821 Mitgliedern. Im Land stehen die Pferdefreunde also an neunter Stelle der Sportverbände. Auf FN-Ebene bezogen rangiert Baden-Württemberg nach Westfalen und vor Bayern an zweiter Stelle. FN-weit haben die Mitgliedszahlen nur um 0,09 Prozent abgenommen.

Die Mitgliedergesamtzahl im Pferdesport Baden-Württemberg hat 2008 um 0,8 Prozent abgenommen. 22.654 Jugendliche bis 14 Jahre stehen 12.423 Heranwachsenden bis 18 Jahren gegenüber. 13.760 Mitglieder gehören der Altersgruppe 19-26 Jahre an. Insgesamt sind 48.837 Mitglieder unter 26 Jahre, 55.984 über 26 Jahre. Teilt man die Zahlen nach Männern und Frauen auf, so ergibt sich eine deutliche „Frauenpower“ mit 73.767 Frauen in den Vereinen (2007 = 73.374). 31.054 Männer sind in den Vereinen aktiv (2007 = 31.437). Deutlicher wird die zahlenmäßige Dominanz der weiblichen Mitglieder bei folgenden Zahlen: Bei den Jugendlichen bis 18 Jahren stehen 30.413 Mädchen 4.664 Jungen gegenüber (2007: 30.728 zu 4.718). Die durchschnittliche Mitgliederzahl der Reitvereine sank von 2003 mit 134 Mitgliedern auf 119 im Jahre 2008.

Seit etlichen Jahren gibt es die Möglichkeit für private Reit- und Pensionsställe, als Sondermitglieder dem Pferdesportverband beizutreten und dessen Beratungsleistungen und Dienstleistungen zu nutzen. Der Zuwachs von 2007 auf 2008 beträgt 6,43 Prozent. Demnach sind zur Zeit 513 Sondermitglieder im Verband. Die Vereine allerdings scheinen auf diese Entwicklung zu reagieren. Christian Abel schreibt dazu: „Viele Vereine investieren deshalb in ihre älteren Stallgebäude um so besser mit den Pferdebetrieben konkurrieren zu können. Ein systematisches und vor allem vielfältiges Ausbildungsangebot für Reiter und Pferde ist eine Möglichkeit, die Vorzüge des traditionellen Vereins noch mehr in den Vordergrund zu rücken.“

Der Bericht Christian Abels geht auch auf die Erfolge der Reiter des Landes ein. Dabei ist die Zahl der Reiter, die national und international sowie auf Landesebene aktiv sind, so umfassend, dass ihre Erfolge hier nicht aufgeführt werden können. Interessierte Kolleginnen und Kollegen können sich bei der Redaktion des PRESSEDIENSTES jedoch die nötigen Informationen oder gar die gesamte Übersicht holen.

Der Turniersport
Die Zahlen zu den Turnier- und Breitensportveranstaltungen liegen ebenfalls vor. Insgesamt gab es im Land 652 Veranstaltungen. Zieht man die reinen Breitensportveranstaltungen von 184 ab, bleiben 468 Turniere. Insgesamt ist gegenüber 2007 ein Rückgang von 2,97 Prozent zu verzeichnen. Allerdings stieg die Zahl der Wettbewerbe innerhalb der Veranstaltungen von 10.711 (2007) auf 11.190 im Jahr 2008. Das ist ein Plus von 4,5 Prozent. Der Schwerpunkt der Wettbewerbe liegt deutschlandweit auf den Klassen A und L. Dort gibt es naturgemäß auch das größte Teilnehmerpotential. Die Zahl der Starts im Lande belief sich alles in allem auf 217.351, was einer Zunahme von 2,5 Prozent entspricht. Da es die „alte Kategorie C“ aber nicht mehr gibt und zunehmend durch die WBO – Wettbewerbsordnung für den Breitensport – ersetzt wird, muss man abwarten, ob in der derzeitigen wirtschaftlichen Situation die Zahl der Starter weiter anhält.

Absagen von Turnieren werden wahrscheinlicher, Geldgeber werden zögerlicher
Dass sich die wirtschaftliche Lage auf den Sport mit seinem Bedarf an Sponsoren auswirkt, liegt auf der Hand. Im Pferdesport gab es gegenüber 2007 bei den Geldpreisen und Züchterprämien einen Rückgang von 12,4 Prozent, von 4,6 Millionen Euro auf knapp über 4,0 Millionen Euro. Für eine Unebenheit im langjährigeren Vergleich sorgt dabei die Europameisterschaft von Mannheim im Jahr 2007, die naturgemäß die gesamte Statistik nach oben beeinflusste, deshalb erscheint der Rückgang mit 12 Prozent auch sehr hoch. Der Rückgang 2006 betrug lediglich 4,8 Prozent. Viel größere Sorgen als die Zahlenvergleiche mit der Vergangenheit bereiten die Erwartungen für 2009. Ein Rückgang wird durch die wirtschaftliche Lage bereits spürbar. Erste Turniere werden abgesagt, zum Beispiel das Turnier in Aach bei Singen, das eigentlich zu den festen Größen auf dem Hirtenhof zählt. Fehlende Sponsorengelder machten die Absage wohl unumgänglich. Im Ländervergleich der Preisgeldsummen liegt Baden-Württemberg mit seinen 4,03 Millionen Euro hinter Westfalen (5,14 Mio €) auf Rang zwei vor den Verbänden Rheinland (3,37 Mio €) und Hannover (2,89 Mio €).

Pferdekontrollen sind wirksam
Das Pferdekontrollprogramm des Pferdesportverbandes ist wirkungsvoll. Im Lande wurden 130 Veranstaltungen kontrolliert, dabei 109 Medikationskontrollen vorgenommen, die interna-tionalen Turniere von Aach, Donaueschingen, Pforzheim und Stuttgart sind hierbei nicht eingerechnet, weil sie von internationaler Stelle kontrolliert werden. Dort wurden 2008 50 Proben entnommen. Im Verantwortungsbereich Baden-Württembergs waren fünf Reiter aufgefallen. Diese Vergehen wurden der FN gemeldet und entsprechend geahndet.

Ausbildung ist weiterhin erfolgreich
Das weite Feld der Ausbildung der Reiter wird ständig beackert. An der Basis wurden zum Beispiel 2008 rund 3.280 Urkunden für die erfolgreiche Prüfung zum „Basispass Pferdekunde“ vergeben. Der Basispass ist für alle Pferdesportler verbindlich, sofern sie sich weiter für den Turniersport aber auch Breitensport qualifizieren wollen. Die Möglichkeit, eines der weiterführenden, turnierbezogenen Leistungsabzeichen zu erwerben, wurde insgesamt 6.711 mal genutzt. Allerdings ist auch hier ein Rückgang von 11 Prozent zu verzeichnen, der wohl einerseits dem demografischen Wandel geschuldet ist, andererseits aber auch dem sparsameren Verhalten der Pferdefreunde. Am deutlichsten ist der Rückgang beim „Reiten“ festzustellen, wie Christian Abel schreibt. Das bezieht sich zum Beispiel auf die Abzeichen der Klasse IV. Das sei von Bedeutung, weil damit der Einstieg in den Turniersport verbunden ist.
Dennoch gab es auch glänzende Augenblicke im Sportjahr, denn acht Sportlerinnen und Sportlern wurde das Goldene Reiterabzeichen/Fahrabzeichen verliehen. Der PRESSEDIENST stellte diese Pferdesportler regelmäßig vor. Alle Portraits sind unter www.stellberger.de/archiv archiviert.

Ein Blick auf die Pferde
Die Statistik der Deutschen Reiterlichen Vereinigung in Warendorf gibt eine Fülle von Informationen her. An dieser Stelle beschränken wir uns auf eine Zahl, nämlich das Alter der 135.912 Turnierpferde (ein Plus von 11,6 Prozent gegenüber 2007), deutschlandweit gesehen: Die drei- bis vierjährigen Pferde, die bei entsprechend ausgeschriebenen Wettbewerben antreten dürfen, liegen bei 11 Prozent; 53 Prozent sind 5 bis 11 Jahre alt, 28 Prozent sind 11-15 Jahre alt und die Pferde, die 16 Jahre und älter sind, liegen bei 8 Prozent. Zu bedenken ist bei diesem Zahlenspiel, dass Pferde und Ponys ebenfalls bei der FN eingetragen werden müssen, sollen sie in Klasse E nach LPO (Leistungsprüfungsordnung) starten.