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Demographischer Wandel – Herausforderungen für den Sport PD 10/2008
Demographischer Wandel – Herausforderungen für den Sport

Der deutsche Sport steht vor einer seiner größten Herausforderungen: der demographische Wandel der deutschen Gesellschaft wirft seine Schatten mit Macht voraus. Der DOSB hat das Thema aufgegriffen und in einer breiter angelegten Aufarbeitung beschrieben. Der PRESSEDIENST greift das Thema auszugsweise auf, will einige Aspekte zitieren, weil auch der Pferdesport nicht von den kommenden Entwicklungen verschont bleiben wird. Zwar hat der deutsche Pferdesport schon reagiert und Ideen vorgestellt und eingeleitet, wie die Pferdesportvereine reagieren können. Dennoch brennt das Thema auf den Nägeln. Nachfolgend werden einige Passagen aus de DOSB-Internetplattform aufgegriffen und – gerafft – dargestellt:
Die der Quelle (http://www.dosb.de/de/sportentwicklung/demographische-entwicklung/) entnommenen Verlinkungen der Stichworte sind hier beibehalten worden, um dem Leser einen rascheren Zugriff auf das Original zu ermöglichen.

Demographischer Wandel: Nachwuchsmangel, Alterung und Chancen
Der demographische Wandel hat den Sport erreicht und wird ihn in vielfältiger Weise in Bewegung halten. In vielen Bereichen werden Nachwuchsmangel und gesellschaftliche Alterung unübersehbare Spuren hinterlassen - zweifelsfrei auch in unseren Vereinen und Verbänden. Dennoch bieten die sich ändernden Rahmenbedingungen gerade dem organisierten Sport keineswegs nur Risiken und Nachteile, sondern vor allem auch Chancen und Entwicklungspotenziale – und zwar auf breiter Ebene.

Vereine und Verbände sind daher aufgerufen, sich mit den Herausforderungen der Zukunft intensiver denn je auseinander zu setzen und mutig neue Wege zu gehen. Je früher das Wissen über Auswirkungen und Facetten des demographischen Wandels fester Bestandteil des aktiven Planens wird, desto leichter fällt die Beeinflussung des Geschehens. Agieren, nicht reagieren ist gefragt.

Zahlen –Grundlagen der Internetplattform
Unter Demographie allgemein erhalten Sie grundlegende Zahlen und Informationen rund um den demographischen Wandel. Sich abzeichnende Tendenzen, regionale Unterschiede und wegweisende Schnittstellen zum Sport sollen dabei genauer erörtert werden. Was konkrete Anpassungen der Vereine und Verbände an den demographischen Wandel betrifft, wird das Augenmerk des DOSB in Zukunft verstärkt auf folgenden Sportfeldern liegen:

Mitgliederentwicklung und Altersstruktur
Nach Stand der Dinge wird sich der organisierte Sport bundesweit auf zwei demographisch bedingte Haupttendenzen einstellen müssen:

1.) Absolut betrachtet kann die Gesamtzahl der Mitglieder im organisierten Vereinssport analog zur Situation der Gesamtbevölkerung (zumindest moderat) sinken.

2.) Parallel dazu wird sich die Altersstruktur des organisierten Sports gravierend verändern. Die gesellschaftliche Alterung hat damit auch im Sport erheblichen und zugleich nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung in der Zukunft.

Kinder- und Jugendsport
Schon heute prägen spielende Kinder immer seltener das Bild der Straßen – aus vielerlei Gründen. Die Lehrpläne werden straffer, Zeit- und Notendruck steigen. Den (multi-)medialen Verlockungen sind kaum noch Grenzen gesetzt. Hinzu kommt, dass auch das Kindsein als solches offenbar immer mehr an Bedeutung verliert bzw. elterlichem Pragmatismus zu weichen scheint. Kurz gesagt: Das gesellschaftliche Verhältnis zum Thema Kind ist in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten ungleich schwieriger, komplizierter geworden.

Familie und Sport
(1) Die Gesamtzahl der Familien hat sich seit 1996 deutlich reduziert, laut Bundesamt für Statistik kontinuierlich von insgesamt 9,4 auf rund 8,8 Millionen. Besonders betroffen ist Ostdeutschland, wo die Zahl im angegebenen Zeitraum von über 2,2 auf rund 1,6 Millionen sank (-28%). Im Westen blieb sie dagegen nahezu konstant bei rund 7,2 Millionen.

(2) Parallel dazu haben die oben erwähnten Alternativ-Konstellationen des familiären Zu-sammenlebens sprunghaft an Relevanz hinzugewonnen. Seit 1996 stieg ihr Anteil um 30% auf etwa 2,3 Millionen, wohingegen die traditionelle Familie 16% einbüßte und „nur noch“ bei 6,5 Millionen liegt. Führend ist auch hier Ostdeutschland, wo Alleinerziehende und Patchwork-Konstellationen flächendeckend ca. 40% aller familiären Bindungen ausmachen. Teils deutlich geringer sind die Zahlen im Westen, wo vor allem in den südlichsten Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg verstärkt an traditionellen Bindungsmustern festgehalten wird.

Sport der Älteren
Im Vergleich der bevölkerungswissenschaftlich relevanten Altersgruppierungen handelt es sich bei den über 60-Jährigen – speziell im Sport – um das einzige Segment mit erheblichen Wachstumspotenzialen. Unsere Vereine und Verbände konnten hier schon in der jüngeren Vergangenheit erhebliche Mitgliedergewinne verbuchen. Allein zwischen 2000 und 2007 stieg ihre Zahl von 2,6 auf rund 3,5 Millionen (+900.000).

Dennoch bleiben die Älteren im organisierten deutschen Sport bis heute vergleichsweise unterrepräsentiert. Ihr Organisationsgrad, d. h., der Anteil aktiv Sport treibender Personen im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung bei den über 60-Jährigen liegt aktuell bei 25,3 % (m.) bzw. 11,9 % (w.). Zum Vergleich: Bei den 27- 40-Jährigen sowie bei den 41-60-Jährigen sind es grob 30% (m.) bzw. 20% (w.). Und bei den 7-14-Jährigen werden sogar Werte von 79% (m.) bzw. 60% (w.) erreicht. Doch auch im (hypothetischen) Fall gleichbleibend niedriger Organisationsgrade hat sich der Sport in den kommenden Jahrzehnten auf hohe Mitglie-dergewinne bei den über 60-Jährigen einzustellen.

So jedenfalls lautet eine Kernaussage der Studie „Demografischer Wandel und organisierter Sport – Projektionen der Mitgliederentwicklung des DOSB für den Zeitraum bis 2030“. Demnach ist bei den Senioren bis 2030 allein aufgrund der sich zuspitzenden gesellschaftlichen Alterung mit einem Mitgliederzuwachs auf mehr als 4,6 Mio. zu rechnen. Relativ gesehen eine Steigerung von rund 50%.

Integration durch Sport
Derzeit leben in Deutschland rund 82 Mio. Menschen, und mit insgesamt realistischen 100.000 Zuwanderern pro Jahr wird der Einwohnerrückgang bis zur Mitte des Jahrhunderts deutlich moderater ausfallen (ungefähr 71,5 Mio.). Dennoch beweisen die genannten Zahlen, wie wichtig Fragen der Zuwanderung für Deutschland inzwischen geworden sind. Kurzum: Der politisch lange Zeit vernachlässigte Bereich „Migration“ ist ein, wenn nicht der maßgebliche Bestandteil nachhaltigen Planens geworden. Weit über rein demographische Belange hinaus...
Im Umkehrschluss ist klar, dass wir uns auch im organisierten Sport mit mehr als 27 Mio. Mitgliedern und über 90.000 Vereinen trotz zahlreicher Erfolge in der jüngeren Vergangenheit noch intensiver um die Integration zugewanderter Mitbürger bemühen müssen.

Sport und Gesundheit
Lebensarbeitszeit: Auch ökonomisch betrachtet führt an einer zielgerichteten Ausweitung des Gesundheitssports kein Weg vorbei. Laut Statistischem Bundesamt wird sich die Gesamtzahl der Bundesbürger im erwerbsfähigen Alter zwischen 20 und 65 Jahren in den kommenden Jahren
signifikant reduzieren. – Von derzeit 50 Millionen auf rund 43 Mio. im Jahr 2030 (-14%) bzw. 37 Mio. im Jahr 2050 (-26%). Parallel dazu findet auch innerhalb der Erwerbsbevölkerung ein erheblicher Altersstrukturwandel statt mit folgender statistischer Konsequenz:

Der Anteil der jungen Erwerbsbevölkerung im Alter von 20 bis 29 Jahren wird sich voraussichtlich von derzeit 10 Millionen über 7,5 Mio. im Jahr 2030 (-25%) auf ungefähr 6,8 Mio. im Jahr 2050 (-32%) verringern.

Vergleichbar die Situation innerhalb der mittleren Erwerbsbevölkerung im Alter von 30 bis 49 Jahren: Sie wird von aktuell 25 Millionen über rund 20 Mio. (-20%) 2030 auf etwa 16 Mio. (-35%) im Jahr 2050 sinken.
Lediglich die ältere Erwerbsbevölkerung (50-65 Jahre) wird, von zunächst deutlichen Zuwächsen bis 2025 abgesehen, auch 2050 noch annähernd ihren Ausgangswert von knapp 15 Millionen beibehalten.

Das Ehrenamt / Bürgerschaftliches Engagement
Anerkennungskultur des Ehrenamts auf dem Prüfstand: Die Anforderungsprofile verändern sich erheblich. Die sportliche und soziale Integration der Generationen und der verschiedenen Kulturen macht die Vereinsarbeit noch verantwortungsvoller, vielseitiger und potenziell zeitaufwändiger. Es scheint damit umso wichtiger, die Anreize zu engagierter Vereinsarbeit signifikant zu erhöhen. Sei es durch die (1) optimierte Verteilung von Aufgaben und Verantwortung, (2) projektbezogene bzw. zeitlich begrenzte ehrenamtliche Arbeit, (3) die Bewilligung von Maßnahmen zur Fort- und Weiterbildung oder (4) finanzielle/geldwerte Förderungen und Vergünstigungen. Es gibt viele Möglichkeiten ...

Quelle: http://www.dosb.de/de/sportentwicklung/demographische-entwicklung/


Link: http://www.dosb.de/de/sportentwicklung/demographische-entwicklung/