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Julia Ellsässer – ein Traum wird wahr PD 7/2008
Julia Ellsässer – ein Traum wird wahr

Rottenburg.
Wenn sich eine Reiterin mit solcher Zielstrebigkeit daran macht, das Goldene Reiterabzeichen zu bekommen, dann muss das irgendwann auch zum Erfolg führen. Der Traum für Julia Ellsässer wird beim Turnier in Tübingen (4.-6. Juli 2008) endlich wahr. Die 25-jährige Dressurreiterin wird mit dem Goldenen Reiterabzeichen geehrt. Dafür hat sie nach vielen Jahren fleißiger Aufbau- und Trainigsarbeit die Voraussetzungen erfüllt: Mindestens zehn Siege in Klasse S sind für die einmalige Auszeichnung gefordert. In der Tat, dieses „Goldene“ gibt es im deutschen Pferdesport nur einmal im Leben eines Reiters, Fahrers oder Voltigierers. Es ist die höchste Auszeichnung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung außerhalb offizieller Championate. Deshalb gibt es dieses Abzeichen auch nicht inflationär. Die Anforderungen wurden vor einiger Zeit sogar noch erhöht, um einer „Inflation“ vorzubeugen. Wer es erwerben will, hat meist viele Jahre Turniersport hinter sich und weiß, dass es ein mühsamer, anstrengender Weg ist, den auch Julia Ellsässer gegangen ist. Gleichwohl hat sie sich ein weiteres Ziel gesteckt: „Ich möchte als nächstes im Finale zum Piaff-Förderpreis starten, mich im internationalen Dressursport etablieren und wenn es dann noch eines Tages mit einer Teilnahme an Olympischen Spielen klappen würde, wäre das mein schönster Erfolg.“ Dabei sagt die gelernte Industriekauffrau: „Bei allen hohen Zielen – jeder Start bei einem anspruchsvollen Turnier ist ein Ereignis für sich.“ So spricht jemand, der auf dem Boden geblieben ist.

Julia Ellsässer, die durch die familieneigene Möbelfabrik in Rottenburg einen gewissen beruflichen Freiraum hat, kann sich derzeit halbtags auf das Reiten und Ausbilden von Pferden konzentrieren. Ihre Zukunft sieht sie allerdings darin, ihr Hobby komplett zum Beruf zu machen. „Dressurreiten in Vollzeit“, sagt sie. Dabei war ihre frühe Reiterei nicht auf eine Spezialisierung ausgerichtet. Als Dreijährige saß sie zum ersten Male auf dem Rücken eines Ponys, Ferienreitkurse folgten bald, bis eines Tages Romanow in ihr Leben galoppierte. „Das Pony liebte ich auf den ersten Blick!“ erzählt die junge Frau. Während Mutter Jutta ebenfalls gleich Feuer fing, musste der Vater, Otto Ellsässer, Kaufmann und Geschäftsführer der Möbelfabrik “elro“ in Rottenburg, gründlicher „bearbeitet“ werden. Es kam, wie es kommen musste, alles regelte sich und Julia begann mit ordentlichen Reitstunden. Bald darauf gab es Starts bei Reiterwettbewerben im näheren Umkreis. „Barbara Gärtner aus Tübingen hatte ihr die ersten Grundlagen vermittelt. Mit wachsendem Können ritt Julia Ellsässer auch Springen und Vielseitigkeit. Siege und Platzierungen waren der Lohn des Teams Julia/Romanow. An jene Ponyjahre erinnert sich Julia Ellsässer besonders gerne, auch an die Auftritte mit der 12er-Quadrille im Rahmenprogramm des internationalen Stuttgarter Turniers in der Schleyerhalle.

Eines Tages stand Grandioso im Bühler-Tal-Hof. Erhard Lohmüller hatte den Grannus-Sohn mitgebracht. Das brachte eine deutliche Veränderung in Julias Reiterleben: Dressur und Springen, Training, Training, Training. Der Erfolg mit Grandioso blieb nicht aus, die ersten Siege in Springen und Dressur stellten sich ein. Julia Ellsässer hatte das Glück, noch Ponyreiterin bleiben zu dürfen und parallel den „Großen“ zu reiten. Das machte ihr den Übergang leichter. Bald wurden die Ellsässers auf Frank Huber aus Hechingen aufmerksam. Der förderte Julias Dressurtalent. Schlieplich kam ein weiteres Pferd dazu. Loriot hieß der Dritte im Bunde. Der war ein schwieriger Zeitgenosse! „Es hat sehr viel Mühe, Ausdauer und Arbeit gekostet, Loriot so weit zu bringen, dass es Erfolge gab“, erinnert sich die Reiterin. Aber die Zeit mit Loriot brachte auch sie weiter. Sie wurde eine selbständigere Reiterin. Loriot trug sie schließlich eines Tages auch bei ihrem ersten Start bei den Landesmeisterschaften in Schutterwald.

Mit dem Umzug Frank Hubers ins Reitsportzentrum Hohenzollern gab es einen weiteren Schub im Training Julia Ellsässers. Ein neues Pferd kam hier zu der Reiterin: Athos-M, ein ehemaliges Springpferd, zeigte gute Dressurleistungen. Mit ihm trat sie erstmals erfolgreich in Dressuren Klasse L an und schaffte schließlich den Schritt in Klasse M. Der Landestrainer wurde auf sie aufmerksam und berief Julia Ellsässer in den Landeskader der Junioren und Jungen Reiter. Ein wichtiger Schritt für die junge Frau und eine Anerkennung für fleißiges Training. Bald folgten Starts bei den Deutschen Meisterschaften und internationalen Turnieren, zum Beispiel in Babenhausen und Nußloch. Allerdings kamen Loriot und Grandioso in die Jahre und wurden ins Rentnerdasein verabschiedet. Als Nachfolger und Zukunftspferd kauften die Ellsässers Rossini Grande als Vierjährigen. Der Wallach hatte schon als Fünfjähriger eine wichtige Reise nach Warendorf gemacht, zur WM-Sichtung der Jungen Pferde. Bundestrainer Schmezer und Klaus Balkenhol nominierten das Pferd für die WM in Verden. Das war 2001. Der Erfolg? Rossini Grande errang die Bronzemedaille und wurde das erfolgreichste Hannoveraner Pferd dieser WM. Zwischenzeitlich kletterte Julia Ellsässer mit Athos die Erfolgsleiter weiter aufwärts. Beide konnten in Klasse S starten.

Mit Rossini Grande gab es bald einen Tiefpunkt. Das Pferd hatte sich verletzt und musste lange pausieren. Aber Julia Ellsässer gab nicht auf. „Rossini sollte mit mir in den großen Sport kommen!“, zeigte sich die junge Frau entschlossen. Mit Martin Schaudt in Onstmettingen öffnete sich der weitere Weg an die Spitze. Der war hart, aber erfolgreich. Rossini erholte sich zusehends und wurde wieder ein hervorragendes Pferd. Neben ihm reifte Leonardo heran, mit dem die Rottenburgerin zahlreiche Siege in Klasse M und S errang. Als Rossini Grande dann wieder so stabil war, dass er konzentriert auf Leistung trainiert werden konnte, bescherte er seiner Reiterin 2006 in Neuwied den ersten Sieg in Klasse S. 2007 gab es gar eine richtige Sieges-Serie: Affalterbach, Kirchzarten, Marbach, Hauerz hießen die Stationen. 2008 ging die Sammlung munter weiter: Beim Turnier in Neuenburg-Grißheim entpuppte sich das Paar als unschlagbar: Zweimal trugen Rossini Grande und zweimal Leonardo ihre Reiterin bei diesem Turnier zum Sieg! In der noch jungen Saison 2008 gab es für Julia Ellsässer sieben Siege mit Rossini Grande und zwei mit Leonardo. Kein Wunder, dass die junge Frau als Shooting-Star gefeiert wird. Längst hat sie für das begehrte Goldene Reiterabzeichen das Soll erfüllt. In Tübingen wird es an ihrem Revers glänzen. Das „Goldene“ wird Julia Ellsässer zeigen, dass sie auf dem richtigen Weg ist. Martin Stellberger