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Reinhold Aggeler – ein Oberschwabe glänzt golden PD 7/08
Reinhold Aggeler – ein Oberschwabe glänzt golden


Waldburg.
Reinhold Aggeler aus dem oberschwäbischen Waldburg ist von Berufswegen Fuhrunternehmer. Täglich sieht man ihn mit seinem Lastwagen seine Kunden ansteuern. Täglich sieht man ihn vom Frühjahr bis zum Saisonende aber auch nach Feierabend mit seiner Kutsche. Aggeler ist passionierter Zweispännerfahrer, der seit vielen Jahren zur Spitze der Baden-Württemberger „Leinenkünstler“ gehört. Er trainiert fleißig und konsequent, hat in seinem Reit- und Fahrverein Waldburg, dem er 1977 beitrat, einen guten Rückhalt und auf dessen Gelände reichlich Platz, das Fahren zu betreiben. Erst kürzlich feierten ihn seine Vereinskameraden mit einem kleinen Fest: Reinhold Aggeler war nämlich gerade wieder Landesmeister geworden. Er hatte seinen Titel aus dem Vorjahr verteidigt! Jetzt, im Juli, steht die Deutsche Meisterschaft der Zweispännerfahrer in Lauchheim-Hülen (18.-20. Juli 2008) an. Hier wird dem Waldburger vor der Kulisse der Fahrer aus ganz Deutschland das Goldene Fahrabzeichen verliehen!

Die Pferde haben es Reinhold Aggeler zeitlebens angetan. „Schon mit 8 Jahren bin ich heimlich zum Reiten gegangen“, erzählt der Waldburger, dessen Bruder Joachim auch erfolgreich Springen ritt. 1984 machte der gelernte Maschinenschlosser das Reitabzeichen. Das Fahren lag ihm jedoch näher und so qualifizierte er sich 1993 für das Fahrabzeichen. Nur ein Jahr später erwarb er das Silberne Fahrabzeichen. Aggelers Eltern, die längst Rentner sind, gehören zu seinen treuesten Fans und Gönnern. Dazu zählt auch sein Schwiegervater Josef Rees, der den Pferden ebenfalls als Fahrer zugetan war. „Er animierte mich, Turniere zu fahren, und ich fand schnell Gefallen daran“, erzählt Reinhold Aggeler. Klare Sache, dass ihn seine Frau Anja und die beiden Söhne Marius und Johannes fleißig begleiten, zeitweise gar als Beifahrer. Aggeler baute seine Fähigkeiten ständig aus, bis er 2004, vom damaligen Landestrainer Erwin Somogyi ermutigt, zum ersten Mal in der schweren Klasse startete. Dafür musste Aggeler nach München-Riem reisen. Nun gab es kein Halten mehr. Aggeler wollte mehr als die eine Platzierung von München und den ersten Sieg in der Dressur. Mit seinen Pferden Garant und Linus startete er nun, wo immer es interessante Turniere gab und sammelte ab 2005 Erfolg um Erfolg in Ichenheim, Ronneburg, Marbach, Zeiskam, Bühl, Biblis... Überall werden seine Fahrkünste anerkannt und gelobt. Dass die Fahrer bei ihren Turnieren in drei Teildisziplinen gut sein müssen, ist erwähnenswert, weil alle drei Einzelergebnisse in der „Kombinierten Wertung“ erst richtig zum Tragen kommen: Dressur, Geländefahrt mit Hindernissen und das Hindernisfahren auf dem Fahrplatz, landläufig auch als Kegelfahren bezeichnet, fordern von Fahrern und Pferden ständig volle Konzentration.

Dass Aggeler seinen Weg „fahren“ konnte, verdankt er auch seinen Ausbildern und er nennt dabei an erster Stelle Hans Frank aus Tettnang, später kam Felix Auracher aus Lauchheim dazu. Aggeler holte sich Tipps und Erfahrungen bei Erwin Somogyi und dem hocherfolgreichen Horst Schepper aus Römerstein sowie bei German Negele aus Bayern. Bei allen Erfolgen bleibt Reinhold Aggeler bodenständiger Oberschwabe, der weiß, dass viele seiner Erfolge ihre Wurzeln in der Fahrergemeinschaft Baden-Württembergs haben. Auf seine Stärken und Schwächen im Sport angesprochen, gibt er freimütig zu, „dass ich heute in der Dressur stärker fahre als früher. Früher hatte ich im Gelände mehr drauf. Gelegentlich habe ich beim Hindernisfahren die eine oder andere Unsicherheit. Aber auch daran arbeite ich!“

Mit seiner Familie und den Freunden wird er deshalb das Goldene Fahrabzeichen beim Turnier in Lauchheim-Hülen (17.-20. Juli 2008) gebührend feiern. Diese Ehrung ist ein einmaliges Erlebnis, denn das „Goldene“ erwirbt ein Pferdesportler nur einmal in seinem Leben. Es ist zugleich die höchste Auszeichnung außerhalb von Championaten und Meisterschaften, die die Deutsche Reiterliche Vereinigung ihren aktiven Sportlern „verleiht“. Reinhold Aggeler hat dafür viel Einsatz gebracht. Dieser Erfolg ist aber auch ein Erfolg seiner Familie und seines Teams, ganz im Sinne seines Bekenntnisses: „Fahrsport ist Teamsport: Deshalb hoffe ich, dass mir meine Familie und mein Team noch lange zur Stange halten!“
Martin Stellberger