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Remo Allgäuer – Musik und Pferde sind sein Metier PD 6/2008
Remo Allgäuer – Musik und Pferde sind sein Metier

Bad Waldsee.
Musik liegt ihm im Blut. Wenn er die Geige spielt, kann er die Funken sprühen lassen. Da lässt er, wenn er in Stimmung kommt, sein Temperament heraus. Das traut man dem jungen Mann, wenn man ihn so sieht, auf den ersten Blick gar nicht zu. Remo Allgäuer aus Bad Waldsee wirkt ruhig, fast zurückhaltend. Sein musikalisches Temperament kommt aber nicht von ungefähr. Remo Allgäuer ist Zigeuner. Zigeuner? „Ja, mit dem Begriff habe ich keine Probleme!“ sagt Remo Allgäuer, der einer Sinti Familie entstammt, die seit Jahrzehnten in Oberschwaben lebt. Die überkommene Lebensweise ist Tradition und Erinnerung zugleich und doch längst Vergangenheit. Aber die Gene spielen halt noch eine Rolle. „Die Musik hat es mir wirklich angetan!“, sagt der 20-Jährige. „Ich durfte 2000 sogar in Rom vor Papst Johannes Paul II. aufspielen“, erzählt Remo Allgäuer. Sein Talent wurde schon früh von seinem Vater Johannes Reinhard erkannt und gefördert. Der war es auch, der ihm eine klassische Ausbildung zuteil werden ließ. Der junge Geiger ist stolz auf seinen Vater Johannes Reinhard, auf seine vielen Verwandten, die ebenfalls Musiker sind. Mancher hat gar Weltruhm erlangt, wie zum Beispiel Remos Großonkel, der weltbekannte Django Reinhard. Solch ein Vorbild prägt auch den jungen Musiker aus Bad Waldsee, der immer wieder auftritt, stets zusammen mit anderen Musikern. Ein besonderes musikalisches Ereignis erlebte er zusammen mit seinem Bruder Marco am Klavier und Vater Johannes am Bass: Die drei brachten vor nicht allzu langer Zeit „Melodien zum Träumen“ auf einer eigenen CD heraus!

Warum stellt aber der Pferdesport-PRESSEDIENST mit Remo Allgäuer einen jungen Musiker vor? Der junge Mann hat noch ein zweites Talent: Er ist ein begnadeter Springreiter, einer der auch dieses Talent zu fördern und zu nutzen weiß. Seine Familie, oder besser gesagt seine Großfamilie, ist in der Pferde- und Reiterszene der Region und weit darüber hinaus bekannt. Viele junge Burschen und Mädchen haben sich aus der Familie schon im Reitsattel präsentiert. Aber Remo Allgäuer ist der erfolgreichste unter ihnen. Jedenfalls zur Zeit. Er hat hervorragende Pferde zur Verfügung und ausgezeichnete Lehrmeister. Auch hier spielt Vater Johannes eine wesentliche Rolle, weil eben die Familie schon immer mit Pferden und Reiten zu tun hatte. Doch relativ spät setzte sich Remo Allgäuer in den Sattel von Ponys, erst mit zwölf Jahren. Dann aber entwickelte sich auch hier sein Talent. Mit 16 Jahren stieg er auf Pferde um und machte bald auf sich aufmerksam. Als 17-jähriger gewann er sein erstes schweres Springen in Öpfingen mit seinem Pferd Questa Donna. Das war 2005. Zwei Jahre später erhielt Remo Allgäuer erstmals eine Berufung zum Nationenpreis. Mit den Siegen in Klasse S ging es dann Schlag auf Schlag: „Ich habe innerhalb von zwei Jahren das goldene Reiterabzeichen geschafft!“, erzählt Remo stolz, vergisst dabei aber nicht den dankbaren Hinweis auf seinen Vater, der ihn stets begleitet und fördert. Alle ihre Pferde haben die Reinhards drei- und vierjährig gekauft und selbst ausgebildet, sagt Remo Allgäuer. Lehrgänge bei verschiedenen Reitlehrern verfeinerten den Reitstil des jungen Mannes, der für den Reitverein Reute startet. Bei Thomas Kohnle in Röhlingen kamen Remo und sein Bruder Marco ganz besonders gut an: „Ich habe noch selten derart fleißige und wissbegierige Jungs wie Remo und Marco bei mir gehabt!“ lobt der Reitlehrer die jungen Männer im Fachmagazin Reiterjournal. Auch den früheren Landestrainer Karl-Heinz Streng aus Mosbach überzeugte der junge Mann mit seiner Reitweise. Stets einfühlsam und stilistisch sauber erntete er auch beim großen internationalen Turnier Stuttgart 2006, seinem ersten Start an dieser Stelle, den Applaus der Zuschauer.

Remo Allgäuer, sein Vater Josef Reinhard, ja die ganze Familie lieben Pferde und bevorzugen dabei Oldenburger. Favoriten sind die Nachkommen des Hengstes Quattro. Questa Donna, Quattro’s La Bonita oder Quattro’s Can fly heißen die Pferde, die Waldseer Reiterfamilie als junge Tiere kaufte und ausbildete. Mit ihnen komplettierte Remo Allgäuer sein Konto an Erfolgen mit Blick auf das Goldene Reiterabzeichen. Das wird ihm beim Turnier in Aach am 14. Juni 2008 am Bodensee verliehen - ein großer Augenblick für Remo, seine Familie und Freunde. Das Goldene Reiterabzeichen ist die höchste sportliche Auszeichnung, die die Deutsche Reiterliche Vereinigung für einen aktiven Turniersportler außerhalb von Championaten und Meisterschaften vergibt. Mindestens zehn Siege in Klasse S muss ein Pferdesportler aufweisen, um das „Goldene“ am Revers tragen zu dürfen. Remo Allgäuer hat diese hohe Hürde geschafft: Er hat neben den erforderlichen Siegen auch Meistertitel errungen, z.B. 2005 und 2007 siegte er bei den Württembergischen Meisterschaften und errang vergangenes Jahr in Schutterwald auch die Landesmeisterschaft. 2007 war für den Reiter insofern ein besonderes Jahr, weil er bei seinem zweiten Nationenpreis-Start mit dem deutschen Team im italienischen Pontederra den Sieg davontrug. Auch in der noch jungen Saison, im Mai 2008, war ihm das Nationenpreis-Glück hold: Remo Allgäuer und sein Team errangen beim Nationenpreis von Lamprechtshausen in Österreich den Sieg.

Weil Remo Allgäuer weiß, dass ein Reiter im Sport alleine nicht vorankommt, ist er seinen Eltern besonders dankbar. „Mein Vater fördert mich und hilft bei der Ausbildung der Pferde maßgeblich mit. Auch mein Bruder Marco ist für meinen Erfolg verantwortlich. Ohne seine Hilfe beim Turnier könnte ich viele Starts nicht bewältigen.“ Dass Remos Mutter Irene Allgäuer sein größter Fan ist, versteht sich von selbst. Remo denkt auch an die Landestrainer Karl-Heinz Streng und Olaf Petersen. Ihrer Unterstützung ist es zu verdanken, „dass auch Bundestrainer Dietmar Gugler auf mich aufmerksam geworden ist“, erklärt der künftige „Gold-Reiter“.

In Aach, wo der junge Bad Waldseer schon öfter gestartet ist, wird er also beim Turnier vom 12.-15. Juni 2008 geehrt: Vor großem Publikum wird ihm das Goldene Reiterabzeichen überreicht. Das ist ein Grund zum Feiern für Familie und Freunde. Vielleicht gibt Remo dabei ein wenig seines musikalischen Könnens zum Besten? Martin Stellberger