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Breitensport: Die neue WBO – was ist das? PD 2/2008
Die neue WBO – was ist das?

Warendorf.
Mit dem neuen Jahr 2008 trat auch eine überarbeitete Fassung der LPO = Leistungsprüfungsordnung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) in Kraft. Das ist für sich genommen kein besonders erwähnenswerter Fakt. Die LPO unterliegt einem ständigen Wandel, einer Anpassung an die Bedürfnisse des Sports. Aber: Die LPO wurde abgespeckt. Die FN ging im Wandel der Vorschriften für die Reiterei neue Wege. Aus der LPO wurden sämtliche Punkte entfernt, die mit dem Freizeit- und Breitensport zu tun haben. Es wurde eine eigene Wettbewerbsordnung für den Breitensport geschaffen, die WBO. Damit geht die deutsche Reiterei konsequent vor und räumt dem Freizeit- und Breitensport den hohen Stellenwert ein, den sich diese Sparte seit Jahren mehr und mehr nimmt. Die FN hat erkannt, dass die Reiterei noch mehr als bisher Freizeitsport ist. Hier muss angesetzt werden, um zum Beispiel die Ausbildung von Reitern und Pferden auch hier zu unterstützen und zu festigen. Vor drei Jahren begann die Arbeitsgemeinschaft Breitensport, Vereine und Betriebe der FN ihre Arbeit, ein eigenständiges Regelwerk für den Breitensport zu entwickeln.

Die Verantwortlichen betonen, die neue WBO sei kein Abklatsch der LPO und auch nicht „Turniersport light“. Die LPO bleibt Regelwerk des Leistungssports, die WBO steht für den Freizeitsport. Thomas Ungruhe, bei der FN verantwortlich für den Breitensport, sagt: „Mit der WBO wollen wir vor allem den Sport im Sinne der Ausbildung von Reiter und Pferd und die Motivation der Pferdesportler fördern.“ Wenige Regeln kennzeichnen die WBO, doch die Beachtung des Tierschutzes, der Reitlehre sowie der Sicherheit wird groß geschrieben.

Freizeitsport kann auch Wettbewerb einschließen, ist die Devise. So gibt die WBO rund 90 ausgearbeitete Vorschläge mit auf den Weg. Jeder Verein, jeder Veranstalter in den Reitbetrieben findet in der WBO Ideen und Hilfen für seine Angebote, vom Reitertag bis zum Geschicklichkeitsparcours, vom Caprilli-Test bis zur GHP, der Gelassenheitsprüfung, von der in dieser Ausgabe des PRESSEDIENSTES ausführlich die Rede ist.

Die Wettbewerbe nach WBO unterliegen keiner Leistungsregistrierung, vielmehr sollen sie Motivation sein für den Breitensport, der für alle Pferderassen gleichermaßen reizvoll ist. Die WBO gibt neben Ideen auch Hilfestellung für die Ausschreibung und stellt Regeln für die Durchführung und Beaufsichtigung durch Fachpersonal auf. Gleiches gilt für die Bewertung der gezeigten Leistungen der Reiter. Verschärft wurden Sicherheitsaspekte: Zwar ist die Reitkleidung frei wählbar, doch geeignetes Schuhwerk (feste Schuhe mit Knöchelschutz und Absatz) sind ebenso vorgeschrieben wie die Schutzweste beim Springen über feste Hindernisse und beim Fahren im Gelände. Helme sind obligatorisch für alle Altersgruppen, wenn gesprungen oder gefahren wird.

Auch für das Verhalten fordert die WBO bestimmte Regeln ein. Zunächst gelten wie bisher die Ethischen Grundsätze, die den Pferdebesitzer und Reiter zu korrektem Verhalten gegenüber seinem Pferd verpflichten. Neu sind die Grundregeln des Verhaltens im Pferdesport. Dieser Verhaltenskodex beschreibt das Verhalten der Menschen untereinander beim Wettbewerb, auf der Reitanlage, im Pensionsstall usw. Ergänzt werden diese Spielregeln durch die schon länger propagierten 12 Gebote für das Reiten im Gelände. Erzieherische Elemente stehen hier also im Mittelpunkt.

Insgesamt ist die WBO sehr übersichtlich aufgemacht und gut verständlich formuliert. Sie gibt vielfältige Freiräume und setzt Vorgaben, wo es nötig ist, um einen geordneten Ablauf zu sichern. Ausführlich werden Aufgaben für die Reiter beschrieben aber auch die Bewertung. Sie soll ja überall gültig und gerecht sein, vor allem transparent. Die WBO ist rundum gelungen und ein Fortschritt in der Ausbildung für den Breitensport in der Deutschen Reiterlichen Vereinigung.