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Goldenes Reiterabzeichen für Armin Schäfer jr. PD 5/2000
MANNHEIM/BÜRSTADT. „Mit Ungeduld und zu viel Perfektionismus behindere ich mich manchmal selbst!“ Wer so viel Einsicht hat als 20-Jähriger, dem wird noch vieles gelingen. Die Rede ist von Armin Schäfer jr., geboren in Heidelberg, aufgewachsen und wohnhaft in Bürstadt, Springreiter für den Reitverein Mannheim. Letzteres verpflichtet, denn schließlich ist der Mannheimer Verein eine der wichtigsten Säulen für das Mai-Markt-Turnier. Dieses Ereignis gibt denn auch am Sonntag, 7. Mai 2000, 15.55 Uhr, den Rahmen ab, in dem Armin Schäfer das Goldene Reiterabzeichen verliehen wird. Im Reiterstadion, versteht sich. Darauf wird auch der Präsident der Mannheimer Reiter, Peter Hofmann, stolz sein. Das Goldene Reiterabzeichen ist eine Auszeichnung, die nicht jedem Pferdefreund zuteil werden kann. Hohe Hürden im Sinne des Wortes sind zu überwinden. Die Reiter brauchen Jahre, bis sie die Mindestvoraussetzung dafür vorweisen können. Der Weg ist lang, hart und mühsam, mit viel Arbeit verbunden: Zehn Siege in Klasse S, der schweren Klasse also, sind nötig, um das „Goldene“ zu erlangen, das verliehen wird, nicht durch Ausbildung allein erreicht werden kann.

Armin Schäfer jr. hat sich schon in Kindertagen auf den Weg zum „Goldenen“ begeben. Als fünfjähriger Bub bekam er sein erstes Pony. Vater Armin Schäfer ist der Heimtrainer, den Schliff bekam und bekommt der Junior von verschiedenen „Reitergrößen“, wie er dem PRESSEDIENST sagte. Seine Stärke ist das Gefühl für Pferde, das Auge für die Abstände zwischen den Sprüngen, die Schäfer jr. schon als kleiner Bub mit einem seiner bekanntesten Ponys eindrucksvoll überwindet: Simply the Best hieß das Pferdchen aus Kinder- und Jugendtagen. 1992 gehörte der Reiter dem Landes-E-Kader an, wurde Vierter der Deutschen Meisterschaft in Schutterwald, 1993 gewann er Silber bei der Landesmeisterschaft. Im gleichen Jahr und ein Jahr später errang er Platz zwei im Finale der Westfalia-Trophy in Bremen und siegte schließlich beim Bundeschampionat in Mannheim.

Ab 1994 gehört Armin Schäfer jr. dem Bundeskader Junioren II/Ponys an, wird wieder Zweiter bei der Landesmeisterschaft in Bad Urach und erhält die Nominierung für die Europameisterschaft in Hasselt/Belgien. Ins gleiche Jahr fällt sein Sieg mit der deutschen Mannschaft im Nationenpreis der Pony-Reiter in Donaueschingen, er gewinnt auch in Wien mit der Mannschaft, dazu den Großen Preis (s. auch PD 10/94). 1995 reitet der Bürstadter als Mitglied des Bundeskaders und gewinnt den Preis der Besten in Warendorf, erhält erneut die Starterlaubnis für die EM in Achselschwang, wo es für die deutsche Mannschaft Platz sechs gibt. Beinahe wäre aus der EM nichts geworden, denn Schäfers Pony Fiffikus wurde beim Turnier in Neuwied „positiv getestet“. Logisch, dass ein Verfahren folgte. Schließlich kam der Ponyreiter mit dem Schrecken davon, denn eine Sperre wurde nicht verhängt. Man glaubte bei den FN-Gremien in Warendorf, dass die unerlaubte Substanz über ein als unbedenklich geltendes Futtermittel in das Pony gelangte. Dennoch mussten die Eltern Schäfers wohl als eine Art Mahnung, künftig noch sorgfältiger zu sein, 1000 Mark an das Kuratorium für Therapeutisches Reiten berappen.

Der Karriereknick bleibt also glücklicher Weise aus. Die Deutsche Jugendmeisterschaft in Balve bringt dem Jungen aus Bürstadt Gold; er holt sich im gleichen Jahr in Warendorf den Sieg beim Bundeschampionat der sechsjährigen Springponys. Diesmal heißt das Pony Top Gun, mit dem er schließlich in Donaueschingen Dritter im Nationenpreis wird. 1996 folgt der Sieg beim Finale der Westfalia-Trophy in Bremen mit Top Gun. Simply the Best trägt ihn beim Mannheimer Maimarkt 1996 nach zwei Umläufen mit Stechen zum Sieg vor großem Publikum. Erneut gewinnt Armin den Preis der Besten in Warendorf und wird wieder für die EM in Dänemark nominiert, empfiehlt sich nachhaltig mit der Goldmedaille der Landesmeisterschaft in Schutterwald und setzt in Hünxe mit der Goldmedaille bei der Deutschen Jugendmeisterschaft noch eins drauf. Dann startet der Bürstadter bei der EM in Dänemark: Gold mit der Mannschaft; in der Einzelwertung Platz sechs.

Die Stationen von Armin Schäfers Jugend-Laufbahn werden Geschichte. Der Umstieg auf Großpferde geht voran: 1997 Landesmeister der Junioren, 1998 bei den Junioren Reservereiter der EM in Lissabon, 1999 Landesmeister der Jungen Reiter. Dafür bekommt der junge Mann eine Wildcard für das Stuttgarter Hallenchampionat. Daraus wird ein ungeahnter Hit: Armin Schäfer gewinnt nach hervorragenden Ritten in Stuttgart und wird damit auf Liberty Boy jüngster Hallenchampion in der Geschichte des Turniers. Großvater Adam Schäfer hatte es wohl schon früh geahnt, dass aus seinem Schützling einmal ein Großer werden kann. Der Großvater wird auf dem Fragebogen des PRESSEDIENSTES gleich mit zwei dicken Ausrufezeichen genannt.

„Zur Zeit habe ich sehr gute junge Pferde, die ich ausbilde und herausbringen möchte“, erzählt Armin Schäfer jr. über seine reiterliche Zukunft. „Ich will die Leiter nach oben krabbeln. Aber ich bin Realist. Man muss gut sein und dann klappt’s!“ Beruflich hat der junge Mannheimer Reiter auch einiges vor. Er hat die Realschule und Höhere Handelsschule in Lampertheim abgeschlossen und absolviert zur Zeit eine kaufmännische Lehre in einem Steuerbüro. Berufliches Ziel: Kaufmann, Unternehmer. Es muss sich also etwas bewegen im Leben des jungen Mannes, dessen Großonkel Hermann Herz auch etwas bewegte, allerdings motorisiert. Der war Rennfahrer.
Martin Stellberger