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Goldenes Reiterabzeichen für Stefanie Metzler PD 10/2007
Goldenes Reiterabzeichen für Stefanie Metzler

Weingarten, Kreis Ravensburg.
Wer in Weingarten, der Heimatstadt von Stefanie Metzler, von ihr und ihrer Reiterei hört oder liest und sich ein wenig in der reiterlichen Tradition dieser freundlichen Stadt auskennt, dem ist der Name Metzler sehr wohl vertraut. Gerade die älteren Bürger sind sicher nicht verwundert, wenn sie erfahren, dass Stefanie Metzler das Goldene Reiterabzeichen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung mit Sitz in Warendorf verliehen wird. Vielmehr werden sie sagen: „Wen wundert’s? Das Reiten liegt ihr im Blut!“ In der Tat, nicht nur Vater Günther Metzler und Mutter Heidi sind aus früheren Jahren als erfolgreiche Turnierreiter bekannt. Ihr Großvater, Franz Metzler, gehört noch heute zu den bekanntesten Reiterpersönlichkeiten der Stadt. Er war zu seinen Lebzeiten 25 Jahre lang Rittmeister und Chef der „Stadtgarde zu Pferd Weingarten“. Das mit den Reitergenen im Blut stimmt also.

Stefanie Metzler wurde 1981 geboren. Sie erlebte den reitbegeisterten Großvater nicht bewusst, denn der starb knapp einen Monat nach ihrer Geburt. Aber die Pferde verbinden die ganze Familie über alle Lebensabschnitte hinaus. Und so war es bei den pferdebegeisterten Metzlers keine Frage, dass auch Stefanie aufs Pferd kam. Wie sie sich gegenüber dem PRESSEDIENST erinnert, begann ihre reiterliche Laufbahn mit vier Jahren. Längst ist sie den Spuren des Vaters gefolgt, der selbst viele Siege als Springreiter errungen hat und heute noch als Parcourschef tätig ist. Mutter Heidi bevorzugte indes die Dressur. Stefanie Metzler also reitet erfolgreich in Klasse S, der schweren Klasse des Reitsports, selbstverständlich auch bei internationalen Wettbewerben. Sie gehörte zeitweise dem Landeskader Baden-Württemberg an, später auch dem Landeskader Nordrhein-Westfalen, weil sie 2002 „dort oben im Norden“, in Werne, im Stall von Lutz Gripshöver arbeitete. Ein besonderes Turnier bleibt ihr aus jener Zeit in guter Erinnerung: Stefanie Metzler gewann im Januar 2003 mit Polyfee in Münster den Rolinck Cup und schnappte dabei keinem Geringeren als Ludger Beerbaum den Sieg weg. Zudem vertrat die „Süddeutsche“ als Mitglied des NRW-Landeskaders die „Norddeutschen“ bei den Jugendmeisterschaften 2003 im bayerischen Kreuth. 2004 verlegte die junge Weingartenerin ihren Wohnsitz allerdings wieder nach Oberschwaben, weil sie in Friedrichshafen ihr Studium zur Physiotherapeutin angetreten hatte. Von hier aus fuhr sie 2006 mit ihren Pferden wieder einmal nach Münster. Sie wollte bei der Deutschen Meisterschaft der Damen teilnehmen, wo sie ihre Pferde Charmonie und Capello ritt. Sie landete in der Endabrechnung auf Rang 19.
Ihr Erfolgskonto, das für die Verleihung des Goldenen Reiterabzeichens geführt wird, ist indes gespickt mit Siegen und Platzierungen. Mindestens zehn Siege oder entsprechend viele Platzierungen unter den ersten drei in schweren Springen sind nötig. Gefordert ist zudem ein Sieg in einem „Springen Klasse S**“. Die zwei Sterne bedeuten, dass solche Wettbewerbe aus dem üblichen Rahmen herausragen. Seit 2001 füllte sich dieses Konto: Mit Abc Charly vom Ravensburger ABC-Gestüt im Obermeckenhof errang Stefanie Metzler ihren ersten „S-Sieg“. Dafür musste sie ins bayerische Bad Abbach reisen. Wenig später klappte es erneut mit einem Erfolg in Bietigheim-Bissingen. Dazu gab es drei zweite Plätze mit Abc Charly und Hillkeney. Eines ihrer wichtigsten Pferde ist zur Zeit die Stute Charmonie M. Mit ihr war sie in den letzten Jahren sehr oft erfolgreich. Hinter den geforderten Erfolgen für das „Goldene“ verbergen sich jedoch unzählige Platzierungen, die Wegmarken darstellen. Schließlich bedarf es vieler Turnierstarts und großer Erfahrung, um überhaupt so weit zu kommen, vom Goldenen Reiterabzeichen träumen zu dürfen. Dafür muss jeder Reiter hart arbeiten – und vielen gelingt es nicht, diese hohe Auszeichnung zu bekommen. Oft ist Vater Günther mit auf dem Turnierplatz, unterstützt und verfolgt höchst angespannt die Ritte seiner Tochter, die er gerne mit seinem großen Erfahrungsschatz begleitet. Doch nicht nur bei ihm findet die junge Frau Förderung. Lehrmeister sind auch solche Könner wie Thomas Fuchs aus der Schweiz, der Bruder des Weltranglisten-Zweiten Markus Fuchs. Klaus Reinacher aus Rosendahl-Osterwick in Nordrhein-Westfalen gab ihr ebenfalls seine Erfahrung weiter.

Stefanie Metzler beschreibt sich als Perfektionistin. Sie sei bisweilen ungeduldig mit sich, sagt sie. Sie weiß sich von ihrem Ehrgeiz angefeuert, ist dabei aber zielstrebig und ausdauernd. Die Ausdauer ist auch deshalb nötig, weil einem Reiter die Erfolge nicht einfach in den Schoß, respektive in den Sattel fallen. Als echter Pferdefreund muss sie sich um das Wohlbefinden, die stetige, sorgfältige Ausbildung und die Pflege ihrer Pferde kümmern – sonst wird es nichts mit hohen Zielen. Daneben steht dann auch noch der Beruf. Die Ausbildung zur Physiotherapeutin hat Stefanie Metzler, die ihr Abitur an der Humpisschule in Ravensburg erwarb, im August 2007 mit dem Staatsexamen erfolgreich abgeschlossen. In den Jahren nach dem Abitur arbeitete sie als Bereiterin zunächst für zweieinhalb Jahre auf dem ABC-Gestüt in Ravensburg, dann - und so erklärt sich ihr Ausflug nach Norddeutschland - arbeitete sie zweieinhalb Jahre bei Lutz Gripshöver. Ihr Ziel war, auf dem sogenannten „zweiten Bildungsweg“ nach umfangreichem Selbststudium die Prüfung zur Pferdewirtin/ Schwerpunkt Reiten, die sie dann auch bestand. Durch ihre beiden Berufe kann sich die junge Weingartenerin inzwischen auch der für Pferde sehr günstigen Osteopathie und Akupunktur widmen.

Die Reiterei führt Stefanie Metzler seit Jahren zu Turnieren von internationalem Zuschnitt. Sie startete bei großen Turnieren wie zum Beispiel im Hegaustädtchen Aach, im norddeutschen Oldenburg oder im österreichischen Klagenfurt. Dass sie beim „CSI“ Ravensburg ihre Pferde sattelt – „I“ steht dabei für „international“ – ist für die Reiterin aus der „Ravensburger Nordstadt“, wie Weingarten gerne scherzhaft genannt wird, selbstverständlich. Lokalkolorit muss sein, sagt sie und hat sich vorgenommen, im kommenden Frühjahr wieder in der Oberschwabenhalle zu reiten. Bis dahin ist noch Zeit und bis dahin trägt sie das Goldene Reiterabzeichen am Revers ihrer Reitjacke. Verliehen wird ihr das begehrte „Goldene“ beim bedeutenden regionalen Turnier in Bisingen-Hohenzollern am 6. Oktober 2007. Dann gibt es mit den Eltern, Freunden und Reiterkollegen ein zünftiges Fest. Ihre Pferde bekommen eine extra große Portion Karotten. Dankeschön sagen gehört nämlich dazu, auch wenn die Pferde das nicht so genau registrieren. Die Karotten sind interessanter in dem Moment. Aber sie wissen genau, von wem sie kommen – und das ist noch viel wichtiger. Martin Stellberger