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Adrian Schmid, der Schweizer, bekommt das deutsche „Goldene“ PD 10/2007
Adrian Schmid, der Schweizer, bekommt das deutsche „Goldene“

Boll/Sauldorf.
Als Adrian Schmid vor drei Jahren in der Oberschwabenhalle beim CSI-Turnier zum Mächtigkeitsspringen einritt, lag Spannung in der Luft. Der Schimmel Corlando hatte schon das Turnier über gezeigt, dass er spielend mit hohen Sprüngen umgehen kann. Pferd und Reiter enttäuschten die Zuschauer nicht und lieferten einen tollen Sieg. Corlando gehört zur ersten Garnitur Pferde des jungen Schweizers, der seit etlichen Jahren in Boll bei Sauldorf lebt, reitet und arbeitet. Er ist von Beruf Bereiter und wird von seinen Eltern Karl und Maja Schmid nach Kräften gefördert. Die Luft im Turniersport der gehobenen Klasse ist dünn, aber Adrian Schmid hat die nötige Ausdauer und auch sehr gute Pferde, die ihm den Aufstieg erleichtern. Sein Ziel: „Ich möchte an die Spitze im Springsport kommen!“

Mit 14 Jahren erst begann Adrian Schmid mit der Reiterei. Der Vater, im Pferdesport von berufswegen als Boxenbauer aktiv, hat den Sohn zum Reiten gebracht und war in all den Jahren auch dessen wichtigster Ausbilder. Schmid beschreibt sich als nervenstarken Reiter, der seine Pferde vorausschauend einsetzt und wenn nötig auch schont, um im nächsten Schritt einen „Sprung“ weiter zu kommen. „Allerdings“, so sagt er, „bin ich bisweilen etwas zu ehrgeizig! Dann muss ich mich ganz bewusst bremsen, um nicht zu viel zu wollen.“ Solchermaßen kontrollierter Ehrgeiz bringt ihn ganz schön in der Reiterwelt herum. Als Junger Reiter wurde er 2004 Dritter der Landesmeisterschaft für seinen Verein, das Reitsportzentrum Boll. Daneben startet er häufig international nicht nur in Deutschland. Er reist nach Italien, Belgien, Slowenien und natürlich in die Schweiz. Als Junger Reiter gehörte er dem A-Kader der Schweiz an und startete bereits als Junior in Nationenpreisen für sein Heimatland. Er weiß sich in guter Gesellschaft, wenn er unterwegs ist, denn seine Partnerin, Marion Hägler, ist ebenfalls vom Pferdevirus „befallen“ und hat das Hobby zum Beruf gemacht. Auch sie ist Bereiterin in der Schweiz.

Ganz professionell betreibt Adrian Schmid seine Reiterei und bewährt sich so als erfolgreicher und selbständiger junger Unternehmer, wie er sich selbst bezeichnet. Sein Ziel ist dabei ganz klar: „Ich möchte weiterhin erfolgreich sein und auf noch höherem Niveau reiten können.“ Dass die Voraussetzungen dafür da sind, zeigt sich in seiner bevorstehenden Ehrung beim Turnier in Bisingen-Hohenzollern am 6. Oktober: Adrian Schmid bekommt des Goldene Reiterabzeichen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung verliehen. Die Betonung liegt dabei auf „verliehen“, denn dieses Abzeichen dürfen nur Reiter tragen, die ganz bestimmte Erfolge in der schweren Klasse der Springreiterei vorweisen können: Zehn Siege in Klasse S sind zum Beispiel eine ganz hohe Hürde, zumal vorgeschrieben ist, dass darunter mindestens ein Sieg in einem Springen Klasse S** (zwei Sterne) errungen sein muss. Das alles hat Adrian Schmid inzwischen geschafft. Erstmals gelang ihm ein solcher Sieg 2004 mit Oginion im nordbadischen Mosbach. Ein Jahr später folgten in Ravensburg und Rust die nächsten zwei Erfolge, diesmal mit Corlando. Der mächtige Schimmel erinnert die Fans ein wenig an den Schweizer Willi Melliger und dessen Erfolgspferd Calvaro, auch ein Schimmel mit riesigem Springvermögen. Ähnlich wie dieser scheint Corlando unter Adrian Schmid im Flug über einem Hindernis zu verharren. 2006 ritt Schmid allerdings Oginion und Grandetto in Balingen und Tübingen zum Sieg. In der laufenden Saison 2007 sicherte sich der junge Schweizer gleich drei S-Siege in Tübingen, Donaueschingen-Immenhöfe und Schwaigern mit Oginion und Corlando. Dazu kommen noch zehn zweite Plätze und fünf dritte Plätze in schweren Springen der letzten Jahre. Alles zusammengezählt erfüllen die Erfolge die Voraussetzungen für das Goldene Reiterabzeichen. Das wird dann in Bisingen-Hohenzollen gebührend gefeiert und mit einem kräftigen Schluck Sekt begossen. Selters gibt es dann wieder im Turnieralltag, schon wegen des kühlen Kopfes, den auch der erfolgreiche Adrian Schmid braucht, um in diesem aufregenden „Reiterzirkus“ zu bestehen.
Martin Stellberger