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Pia-Luise Aufrecht - Eine junge Frau will an die Spitze PD 12/1999
AFFALTERBACH. Seit Wochen schon schwärmt die Fachpresse von der neuen, privaten Reitanlage, die Werner Aufrecht in Affalterbach errichten ließ. Ausgefeilt, geradezu ausgetüftelt seien alle Einzelheiten, um den Betrieb so geschickt wie möglich zu organisieren, sagen Fachleute. Dass in dieser Reitanlage auch eine junge Frau ihren täglichen Trainingspflichten nachkommt, geht beim "Glanz der neuen Hütte" beinahe unter. Pia-Luise Aufrecht, die Tochter des früheren Besitzers der Motoren- und Tuningfirma AMG, Werner Aufrecht, ist gerade mal 22 Jahre alt und hat sich entschieden, professionell zu reiten. Doch bis die junge Frau diese Entscheidung für sich treffen musste, hatte sie bereits viele Jahre im "Jugendlager" Siege und Platzierungen errungen und sich einen Ruf als hervorragende Nachwuchsreiterin erworben. Diesen Ruf konnte sie bereits bei ihren ersten Schritten und Ritten in der deutlich "dünneren Luft" des großen Sports unter Beweis stellen.

Früh fing sie mit dem Reiten an. Als Siebenjährige bekam sie ihr erstes Pony Prince of Wellington, das war 1984. Schon 1988 und 1989 siegte sie mit der Mannschaft beim Süddeutschen Hallenchampionat, wurde dabei auch Süddeutsche Meisterin. Als Ponyreiterin sattelte sie, häufig von Erfolg gekrönt, ihr Pony O.Z. by AMG, mit dem sie zum Beispiel auf den 6. Platz bei der Deutschen Meisterschaft in Bremen kam. Ab 1990 gehörte sie dem Bundes-Kader Pony/Springen an., wiederholte ihren Einzelsieg bei der "Süddeutschen" und wurde Mannschaftseuropameisterin. Bei ihrem ersten Einsatz als Nationenpreisreiterin/Pony landete sie in Hannover auf Platz drei. 1991 beendete sie ihre Starts bei Nationenpreisen in Helcine und Yverdan mit den Plätzen zwei und drei. 1992 gewann sie Silber bei der Landesmeister-Schaft der Ponyreiter, kam in den Bundeskader und wurde zum dritten Male für eine EM, diesmal in Stockholm, nominiert: Vierter Platz mit der Mannschaft.

1993 holte Pia-Luise Aufrecht in Warendorf beim Preis der Besten Platz vier mit Paper Doll, gehörte dem Bundes-C-Kader Junioren an und startete bei der EM-Mannschaftsmeisterschaft in Wörthersee. In der Einzelwertung belegte sie hier mit Paper Doll Rang 11. Dreizehnte wurde sie bei der Deutschen Meisterschaft in Berlin. Als Mitglied im Bundes-C-Kader gab es für die junge Affalterbacherin einen Mannschaftssieg beim Jugend-Reit-Festival in Neuwied-Oberbiberg zusammen mit Kathrin Müller, Villingendorf, Markus Lahm, Mosbach, und Philipp Winter, Freiberg, allesamt unter der Obhut von Landestrainer Karl-Heinz Streng aus Mosbach. Im gleichen Jahr half sie mit, in Athen Mannschafts-Silber bei der Junioren-EM zu gewinnen. Für sie gab´s diesmal Platz acht. Eine ihrer größten Reisen im Turnier-Sport erlebte sie 1995. Im mexikanischen Monterrey trat sie an und kam auf den 6. Platz der Gesamtwertung. Damals ritt sie Sonax Paper Doll und AMG Elegance (vergl. PRESSEDIENST 6/95). Bei der Junioren-EM in Berlin-Dalgow ritt sie mit der Mannschaft auf Platz vier.

1996 hatte Pia-Luise Aufrecht eine wichtige Etappe ihrer jugendlichen Reiter-Karriere erreicht: Mit 19 Jahren wurde ihr das Goldene Reiterabzeichen verliehen. Überhaupt war dieses Jahr ein erfolgsverwöhntes. Die Reiterin wurde erneut für die EM der Jungen Reiter nominiert; sie gewann die Silbermedaille bei der Landes-Meisterschaft in Schutterwald und bei der Deutschen Jugendmeisterschaft in Hünxe. Ein Jahr später bekam sie die Starterlaubnis für eine Rahmenprüfung bei der Mannheimer Europameisterschaft, und von Schutterwald kehrte sie als Landes-Meisterin der Jungen Reiter heim nach Affalterbach. Von besonderem Wert war für sie damals wohl der zweite Platz beim Ladies German Master während des Stuttgarter Hallenturniers. 1998 war sie zwar für die EM der Jungen Reiter in Lissabon nominiert, konnte aber nicht punkten. Dafür verteidigte sie ihren Titel als Landes-Meisterin und gewann den Preis der Besten der Jungen Reiter in Warendorf. Nach ihrem Sieg im Imetra-Derby-Cup in Hermannsburg (Dressur/Springen) erhielt sie eine Berufung in die deutsche Mannschaft und durfte erstmals mit Großpferden beim Nationenpreis in Zagreb starten, wo die Mannschaft Platz zwei errang. Dann war die junge Reiterin wieder einmal in Stuttgart am Start. Hier verwandelte sie ihren zweiten Platz vom Ladies German Master des Vorjahres in einen glanzvollen Sieg, den sie allerdings in diesem Jahr nicht verteidigen konnte. Sie hatte großes Pech, war vielleicht zu aufgeregt und fiel vom Pferd. "Da muss sie durch, auch wenn´s ein wenig wehtut im Inneren", meinte ihr Trainer Achaz von Buchwaldt gegenüber dem PRESSEDIENST. Es sind ja auch schon bedeutendere Kollegen der Reiterin vom Pferd gefallen. Doch als Mitglied im B2-Kader hat die Landes-Meisterin von 1999 den Fuß in der Tür für höhere Aufgaben.

Seit die junge Frau ihren Weg an die Spitze beschritten hat, hat sie sich auch von den besten Trainern unterrichten lassen. Zunächst war da der große brasilianische Altmeister Nelson Pessoa. Nach ihm kam Fritz Ligges als Trainer. Der verstarb 1996 leider sehr früh, so dass die junge Reiterin plötzlich ohne Trainer war. Die Karriere stand auch wegen anderer Probleme auf der Kippe. Reiten, Schule, Studium... Letztlich siegte die Begeisterung für die Pferde. Pia-Luise brach ihr Studium ab und baute zusammen mit ihrem neuen Trainer Achaz von Buchwaldt ihre Karriere neu auf. Manchmal reist sie nach Hamburg, öfter kommt von Buchwaldt ins Württembergische. Schließlich kam die berufliche Entscheidung ihres Vaters dazu, die zum Verkauf seines Betriebes führte. Der Kreis schließt sich, denn es entstand die Reitanlage der Aufrechts, die alles bietet und bieten sollte, was professionelles Reiten ermöglicht.

Einer großen deutschen Illustrierten sagte die junge Reiterin einmal, gefragt, welchen Stellenwert Pferde bei ihr haben: "Mein ganzes Leben dreht sich um Pferde, und ein Leben ohne diese wunderbaren Geschöpfe kann ich mir gar nicht mehr vorstellen." Die 22-Jährige hat ihren Kindertraum von 1984 nicht vergessen: Damals sog sie die Bilder der Olympiade von Los Angeles in sich auf. "Da will ich auch mal hin. Das will ich auch machen!" Dass solche Träume ihre Zeit brauchen, das hat die Reiterin längst akzeptiert, dass solche Träume auch Wirklichkeit werden können, daran arbeitet sie.
Martin Stellberger