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Ralf Rundel: Ein Oberschwabe bekommt Gold PD 03/2007
Ralf Rundel: Ein Oberschwabe bekommt Gold

Ravensburg.
Ein ruhiger Typ ist er schon immer gewesen. Anerkannt bei seinen Reiterkollegen und zielstrebig im Sport wie im Beruf als selbständiger Versicherungskaufmann in Ravensburg. Dennoch ist Ralf Rundel kein stiller Mensch. Er ist aufgeschlossen und ehrgeizig zugleich. Das spürt man besonders, wenn man mit ihm über seine Pferde spricht. „Es hat mir nicht mehr gereicht, immer nur junge Pferde heranzuziehen, um sie dann zu verkaufen. Die anderen ernten, was ich gesät habe“, sagte er gegenüber dem PRESSEDIENST. Den Reiter-Erfolg wollte sich Ralf Rundel auch einmal selbst bestätigen. Das ist ihm eindrucksvoll gelungen: Veritas heißt der respektable Hengst, den Ralf Rundel seit 2004 in schweren Springen reitet und der ihm jetzt zum Goldenen Reiterabzeichen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung verhalf. Rundel förderte den in Holland gezogenen Hengst des Hannoveraners Voltaire selbst soweit, dass er mit ihm seit 2004 S-Springen in Serie bestreiten und gewinnen kann. Der Sieg von Bad Schussenried 2004 war der Auslöser für das beachtliche Siegeskonto des Oberschwaben. Drei weitere Siege folgten in Waghäusel-Kirrlach, Illertissen und Bad Friedrichshall. Im badischen Leimen und im Allgäustädtchen Isny gelangen ihm im Jahr darauf weitere Siege. Die zurückliegende Saison 2006 brachte die restlichen Erfolge, die ein Reiter braucht, um das Goldene Reiterabzeichen zu erlangen. Das Team Veritas/Rundel siegte in Oberelchingen, Jettingen und zweimal in Heiden-heim. Seit wenigen Jahren erst gilt die Regel: Kein Goldenes Reiterabzeichen ohne Sieg in einem „Zwei-Sterne-Springen“. Den sicherte sich Ralf Rundel im Großen Preis von Heidenheim 2006.

„Ich halte die Zwei-Sterne-Regelung für sehr sinnvoll“, sagt der Amateur Rundel, der ja neben seinen Siegen auch neun weitere Spitzenplätze in Klasse S vorweisen kann; dazu kommen ungezählte Siege und Platzierungen aus 20 Jahren Reiterei. Durch die Erhöhung der Kriterien werde das Goldene Reiterabzeichen aufgewertet, meint Rundel, inflationäre Tendenzen würden gestoppt. Zählt man alle Siege Rundels in Klasse S zusammen, so darf der erste von elfen nicht fehlen: Den verdankt der reitende Oberschwabe seinem ebenfalls von Voltaire abstammenden Hengst Van Lui B 1998 beim Turnier in Rosenfeld-Isingen.

Mit zwölf Jahren begann Ralf Rundel das Reiten, angespornt vor allem von seinen Eltern Kurt und Edeltraud Rundel. Neben Realschule und folgendem Wirtschaftsabitur in seiner Heimatstadt Friedrichshafen sowie der Ausbildung zum Versicherungskaufmann – Rundel ist mit 36 Jahren Generalvertreter der Allianz Versicherungs AG - kannte Ralf Rundel fast nur noch das Reiten. Mit seinen vielen Erfolgen in Klasse M war Vater Rundel, der noch heute oft in den Sattel steigt, wohl das Vorbild seines Sohnes. Ralf Rundel ritt bereits mit 14 Jahren auf L-Niveau und gewann mit 18 sein erstes Springen der Klasse M. Zwei Jahre später platzierte er sich erstmals in Klasse S. Als Reiter hat Ralf Rundel also eine eher klassische Entwicklung durchlaufen. Doch als Pferdehalter fühlt sich der Ravensburger besonders bestätigt: „Als Amateur habe ich alle meine Erfolge mit eigenen, selbst ausgebildeten Pferden errungen. In den letzten zehn Jahren habe ich acht Pferde bis Klasse S gefördert“, erzählt Rundel und hier schwingt berechtigter Stolz mit. Dass er immer wieder gute Pferde verkaufen musste, um sein Hobby zu finanzieren, trägt er mit Fassung und begründetem kaufmännischem Verstand. Doch mit seinem Hengst Veritas („Der ist wirklich gut zu haben, obwohl er Hengst ist.“) wollte Ralf Rundel endlich selbst ein großes Ziel erreichen: Das Goldene Reiterabzeichen. Der elfjährige Veritas ist denn auch sein ganzer Stolz. „Ich war schon immer ein Fan von Nachkommen des Hengstes Voltaire, ein Hannoveraner von Furioso/Gotthard. Auch mein erstes S-Pferd stammt von Voltaire“, erzählt Ralf Rundel und gibt damit auch Einblick in sein Interesse an der Pferdezucht. „Veritas habe ich dreijährig gekauft, baute ihn behutsam auf. Er war dann mit sieben reif für die ersten Starts in Klasse M“, erzählt Ralf Rundel.

Wie dicht aber Erfolg und Verlust gerade um Leben mit Pferden beieinander liegen, erlebte Ralf Rundel sehr schmerzlich selbst: Veritas erlitt als Siebenjähriger eine schwere Kolik mit folgender Operation und sein Leben stand drei Wochen lang auf er Kippe, erinner sich Ralf Rundel. Wie sehr er an diesem Pferd hängt, zeigt das Versprechen, „das ich Veritas damals gab: Ich verkaufe dich niemals, wenn du diese Krankheit überlebst!“ Veritas brauchte ein Jahr, um wieder für den Sport fit zu werden, dann aber startete er mit seinem Reiter voll durch. Zehn S-Siege und 17.000 Euro Gewinnsumme halfen mit, die ungewisse Zeit seiner Erkrankung vergessen zu machen.

Ralf Rundel startete seine Reiterkarriere beim Reitverein Ailingen. Er war während seines Wehrdienstes Mitglied der Bundeswehr-Reiterabteilung Weingarten e.V. und ritt später für die RSG Markdorf-Heppach. Heute gehört Ralf Rundel dem Reitclub Rupberg bei Friedrichshafen an, wo auch seine Pferde stehen. Über sich selbst sagt der 36-Jährige: „Ich kann gut auf meine Pferde eingehen und mich mit den doch sehr selbstbewussten Hengsten arrangieren. Wichtig ist mir, dass ich die Einsätze meiner Pferde gut plane. Dass ich mir selbst manchmal etwas zu wenig zutraue, daran arbeite ich!“

Die Verleihung des Goldenen Reiterabzeichens wird für Ralf Rundel zu einem besonderen Erlebnis: Die Zeremonie findet beim Internationalen Reitturnier CSI OberschwabenCup (21.-25. März 2007) in der Oberschwabenhalle von Ravensburg statt. Dieser Auszeichnung wird Ralf Rundel einen besonderen Platz im Trophäeneck seiner Wohnung einräumen. Sie wird ihn weiter beflügeln in seinem Ziel: „Ich möchte weiterhin junge Pferde in den gehobenen Sport bringen. Das ist unglaublich spannend und schön zugleich.“ Martin Stellberger