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Verena Karle bekam in Stuttgart das Goldene Reiterabzeichen PD 12/2006
Verena Karle bekam in Stuttgart das Goldene Reiterabzeichen

Dettingen.
„Ein gutes Abschneiden in der Schleyer-Halle und bei den Landes-meisterschaften, das wünsche ich mir!“ So einfach klingen die sportlichen Ziele der 23 Jahre jungen Springreiterin Verena Karle aus Dettingen. Das Abschneiden in der Schleyer-Halle steht indes unter einem guten Stern. Denn dort wurde ihr Mitte November das Goldene Reiterabzeichen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung verliehen. Der Weg bis dahin war nicht so einfach. Nicht nur, weil zehn Siege in Klasse S nicht ganz so einfach zu erringen sind, nein, auch deshalb, weil die Anforderungen für diese einmalige Auszeichnung im Reiterleben angehoben wurden. Bekanntlich müssen die Sportler seit Januar 2006 mindestens einen Sieg in Klasse S mit zwei Sternen vorweisen. Das gelang der jungen Frau während der Saison 2006 in Rot am See-Musdorf. Unter dem Sattel hatte sie damals ihre bewährte Stute Lamborghini, die ihr seit 2005 fünf Siege in Klasse S* bescherte. Mit ihren anderen Pferden Pyola und Abraxas sowie Contessa sammelte sie weiter sehr gute Platzierungen. Mit Lamborghini hatte sie aber einen besonders guten Lauf. Lamborghini errang mit ihrer Reiterin noch viele weitere Spitzenplätze bei Turnieren der Klasse S bei Starts im ganzen Land. Auch Calimero gehört zur starken Truppe Karle: Mit ihm landete Verena Karle bei drei Springen Klasse S** stets auf Rang drei, zum Beispiel in Oberelchingen, Heidenheim und Nürnberg. Ein Blick in die Erfolgsliste zeigt, dass die junge Reiterin weit herumkommt, die Turnierplätze des Landes gut kennt. Aber sie trat auch schon im benachbarten Ausland an, zum Beispiel in Wiener Neustadt in Österreich.

Ihre Erfolge fallen Verena Karle nicht in den Schoß. Sie muss dafür hart und konzentriert arbeiten, damit die Pferde das bringen können, was die Reiterin sich vorstellt. Sie sagt von sich selbst, dass sie beharrlich sei und fleißig im Training. Zudem hat sie sehr kompetente Hilfe auf ihrem Weg in den Spitzensport: Die Mutter, Margret Karle, betreibt in Dettingen eine Versicherungsagentur mit Schwerpunkt Pferdehaltung, Vater Günther ist im Lande als Pferdefachmann bekannt. Er besitzt einen Turnier- und Verkaufsstall und ist zudem öffentlich bestellter Sachverständiger in Sachen Pferde. Die Voraussetzungen sind also optimal für Verena Karle. Sie gibt aber zu, sich als Kind zunächst recht zögerlich mit dem Reiten angefreundet zu haben. Dann aber hatte sich ihr Selbstbewusstsein so gesteigert, dass sie als Elfjährige erstmals Turniere bestritt. Ihren ersten Start in einem Springen Klasse S wagte sie mit 17 Jahren. „Damals wurde ich gleich platziert“, erinnert sich die junge Frau heute und freut sich nach wie vor darüber, zumal sie damals gleich in den Juniorenkader des Landes aufgenommen wurde. Mit 20 Jahren gewann Verena Karle ihr erstes S-Springen in Bietigheim-Bisingen. Unter dem Sattel hatte sie Calimero. Calimero und Lamborghini sind ihre Lieblinge. Mit Calimero hat die Reiterin auch schon die Fühler in die ganz schweren Wettbewerbe ausgestreckt, denn in ihrem Erfolgskalender
stehen Platzierungen bis Klasse S mit drei Sternen. „Wenn ich meine Erfolge zusammenzähle, die ich im Laufe der Jahre mit allen meinen Pferden erreicht habe, komme ich auf etwa 700, rund hundert in Klasse S und 600 in Kategorie B und A“, zählt Verena Karle auf. Einer der prägendsten Erfolge sei im Übrigen der S-Sieg in Nördlingen in diesem Jahr gewesen. „Dort habe ich ein Springen Klasse S gewonnen, bei dem ich auch gegen Konkurrenten wie Hugo Simon bestehen musste. Das machte richtig Freude!“, erzählt die junge Reiterin, die für ihren Heimatverein, die Reitsportgemeinschaft Dettinger Alb, startet.

Wer soviel reitet und für den Sport gibt, hat wenig Zeit für anderes. Allerdings musste Verena Karle Zeit für die Schule aufbringen. In Heidenheim schloss sie im Jahr 2000 die Realschule mit der Mittleren Reife ab und wurde zunächst Industriekauffrau. Dann kam die Wende: 2005 machte die Reiterin ihr Hobby zum Beruf. Einige Monate arbeitete sie die Pferde im Stall Kunze in Langenau, wo sie von Uwe Carstensen (s. PRESSEDIEDNST 5/2000) reiterlich betreut wurde. „Er trainiert mich noch heute und ist mein wichtigster Trainer geblieben“, sagt Verena Karle. Einen Winter brachte sie aber auch im Dressurstall von Hans Peter Bauer in Steinenbronn zu und war für einige Zeit in Holland, um bei Peter Geerink im Springen hinzuzulernen. Zu Hause arbeitet sie inzwischen eng mit dem Vater in dessen Betrieb zusammen. Landestrainer und Reitmeister Karl-Heinz Streng aus Mosbach gehört ebenso zu den Lehrmeistern wie Kurt Maier aus Gültstein. Die Basis ist also gelegt für ihren künftigen Beruf: „Ich werde zunächst einmal die Bereiterprüfung ablegen“, erklärt Verena Karle dem PRESSEDIENST, „dann sehen wir weiter!“ Das Goldene Reiterabzeichen, das ihr beim Stuttgart German Masters in der Schleyerhalle verliehen wurde, markiert also einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg der jungen Berufsreiterin. Die guten Wünsche der gesamten Reiterfamilie des Landes begleiten sie dabei.
Martin Stellberger