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Deutsches Sportpferd – neue Pferderasse PD 10/2006
Deutsches Sportpferd – neue Pferderasse aus dem Osten Deutschlands

Warendorf (fn-press).
Mancher Beobachter der Reitpferde- und Reitponyprüfungen der Bundeschampionate war überrascht: Der strahlende dreijährige Bundeschampion Quaterback aus dem Brandenburgischen Haupt- und Landgestüt Neustadt/Dosse präsentierte sich nicht - wie erwartet – als brandenburgisches Zuchtprodukt, sondern firmiert unter der Bezeichnung „Deutsches Sportpferd", da alle ab 2003 geborenen Pferde der Zuchtverbände Sachsen-Thüringen, Berlin-Brandenburg und Sachsen-Anhalt unter diesem Rassebegriff eingetragen wer-den. „Die drei ostdeutschen Zuchtverbände haben den Entschluss, ein gemeinsames Zuchtbuch zu führen, bereits vor einigen Jahren gefasst. Das ist sicher einigen entgangen und es zeigt einmal mehr, dass erfolgreiche Zuchtprodukte doch die beste Öffentlichkeitsarbeit sind“, sagte Dr. Klaus Miesner, Warendorf, Leiter des Bereiches Zucht der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN).

Hintergrund für das „Deutsche Sportpferd“ ist folgender: Jede Züchtervereinigung muss im Sinn der Vorgaben der Europäischen Union (EU) und des deutschen Tierzuchtrechts ein Zuchtbuch über den Ursprung ihrer erfassten Population führen. Das ist sehr aufwändig - insbesondere für kleinere Zuchtverbände. Aufgrund der vergleichsweise geringen Populationsgrößen haben sich die drei ostdeutschen Zuchtverbände entschlossen, ein gemeinsames, starkes Ursprungszuchtbuch zu führen. Daher fiel zum Jahresende 2002 die Entscheidung, alle Fohlen der bisherigen Warmblut-zuchten Berlin-Brandenburgs, Sachsen-Anhalts sowie Sachsens und Thüringens ab 2003 als "Deutsches Sportpferd" einzutragen. Diese neue Rasse wurde inzwischen von der EU anerkannt.

Horst von Langermann, Neustadt/Dosse, Geschäftsführer des Pferdezuchtverbandes Berlin-Brandenburg, erläutert: „Wir haben lange über den Titel nachgedacht. Wir wollten uns einerseits nicht auf bestimmte Regionen begrenzen. Andererseits wollten wir zum Ausdruck bringen, dass wir nicht nur Reitpferde, sondern auch Fahrpferde züchten.“ Den ostdeutschen Verbänden ist durchaus bewusst, dass das „Deutsche Sportpferd“ in der Namensgebung dem Oberbegriff des „Deutschen Reitpferdes“ sehr ähnlich ist. Vielen Besuchern des Bundeschampionats war diese Entwicklung der ostdeutschen Verbände weithin unbekannt. Nun soll über Marketing und Öffentlichkeitsarbeit die Wissenslücke geschlossen werden. Im nächsten Jahr wird sich dann wohl niemand mehr wundern, wenn ein Bundeschampion aus dem Haupt- und Landgestüt Neustadt/Dosse als „Deutsches Sportpferd“ angekündigt wird.

Neustadts Landstallmeister Dr. Jürgen Müller betrachtet die neue Rasse als durchweg positiv, auch wenn seine auf den Bundeschampionaten hocherfolgreichen Hengste und Stuten nicht mehr allein für die brandenburgischen Zuchtprodukte werben. „Die ostdeutschen Zuchten haben nur dann eine Perspektive, wenn sie in größeren Strukturen arbeiten können. Und wir als Haupt- und Landgestüt müssen bei unserer langfristigen Existenzsicherung eine Vorreiterrolle einnehmen.“ SH/Bo