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Christiane Stahl ist Europameisterin PD 10/1999
NAGOLD/VITTEL. Die Sichtungen im Vorfeld der Europameisterschaften der Junioren im französischen Vittel waren für Christiane Stahl aus Nagold nicht gerade geeignet, Freudenfeuer anzufachen. Sie verzichtete im Vorfeld der EM wegen eines "Management-Fehlers" auf einen Start ins Gelände in Walldorf. Um die Scharte auszuwetzen, musste die Nagolderin in Sahrendorf noch einmal zeigen, was in ihr und vor allem in ihrem irischen Pferd Bantry Bay steckt. Mit dem zweiten Platz sicherte sie sich die ersehnte Fahrkarte nach Vittel. Christiane Stahl, die zum letzten Mal als Juniorin am Start war, wechselt im kommenden Jahr in das Lager der Jungen Reiter (ab 18 Jahre), wo sie mit ihrem erst neun Jahre alten Bantry Bay sicher Fuß fassen kann.

Die Erfolgsliste von Christiane Stahl, die auf das Nagolder Wirtschaftsgymnasium geht, kann sich sehen lassen: Schon 1993/1994 wurde sie in den E-Kader des Landes für Pony-Reiter berufen und gewann Mannschafts-Gold beim Landespony-Turnier. Damals wurde sie auch Dritte der Landesmeisterschaft in der Einzelwertung. Als Christiane Stahl 1994 in Leonberg zur Süddeutschen Meisterschaft antrat, kam sie auf Platz drei. Zwei Jahre später gehörte sie dem Landes-D-Kader an und holte bei der Landesmeisterschaft der Junioren in Stutensee-Spöck die Silbermedaille. Sie hatte sich inzwischen in der Szene der Buschreiter so richtig fest-gesetzt und startete 1997 erstmals bei der Deutschen Meisterschaft der Junioren in Brünen-Marienthal. Dort wurde sie 14. Aufmerksam geworden auf die Schülerin aus Nagold, berief sie der Bundestrainer 1997 in den Bundes-C-Kader. 1997 absolvierte sie in Walldorf ihren ersten Start bei einer Europameisterschaft: Platz 23. Es folgte die Nominierung für die EM im vergangenen Jahr im polnischen Bialy Bor bei Kösslin. Dort errang sie Platz sechs. 1998 wurde sie auch Landesmeisterin der Junioren in Marbach und lag damit auf dem ersten Platz der IGV-Junioren-Förderung. Selbstverständlich blieb die junge Reiterin im Bundes-D-Kader und erhielt sogar das begehrte Graf-Rothkirch-Stipendium für ihre weitere reiterliche Ausbildung. 1999 musste sie sich über ihren 2. Platz in der "langen L" von Sahrendorf für die EM in Vittel qualifizieren.

"Unangemessen schwer" befand Bundestrainer Rüdiger Schwarz, Sassenberg, den EM-Kurs in Vittel für die Junioren. Nur 15 der 61 Reiter blieben im Gelände fehlerfrei. Zu ihnen gehörte auch Christiane Stahl, die damit ihre Führung aus der Dressur untermauerte. Auf ihr lag schließlich die gesamte Verantwortung für den Mannschaftssieg, als sie als Führende und damit als letzte Starterin für das abschließende Springen einritt. Michael Jung hatte seinen dritten Platz durch zwei Abwürfe bereits verloren, Bernd Ludwig Bugislaus war schon ausgeschieden und die polnische Mannschaft lag in Lauerstellung, denn der Abstand zwischen den Teams war denkbar gering. Aber auch die Einzel-Goldmedaille war der jungen Deutschen nicht sicher. Die Irin Philippa Peters war fehlerfrei geblieben. Ein Abwurf entschied also über Sekt oder Selters: Nerven aus Stahl - das Wortspiel drängt sich geradezu auf - bewies die junge Reiterin aus Nagold. Sie blieb tat-sachlich ohne Fehler! Der Lohn für eine Reihe von Jahren fleißiger Arbeit mit den Pferden war nun auch der Höhepunkt ihrer Junioren-Karriere - und das in doppelter Hinsicht: Christiane Stahl wurde Europameisterin 1999. Zusammen mit Michael Jung, Horb, Katrin Steinheuer, Arnstein und Bernd Ludwig Bugislaus, Großenbrode, gab es für die junge Deutsche auch Gold in der Mannschaftswertung. Einen solchen Doppelerfolg für Deutschland gab es letztmals 1978.
Martin Stellberger