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FN-Tagung Friedrichshafen 2006 PD 06/2006
FN-Tagung Friedrichshafen
-Offener Brief an die Vereinsmitglieder-

Friedrichshafen.
Die Deutsche Reiterliche Vereinigung hielt vom 2. - 4. Mai 2006 in Fried-richshafen ihre Jahresversammlung ab. Gastgeber waren der Pferdesportverband Baden-Württem-berg und der Pferdezuchtverband Baden-Württemberg. Stets geht es bei diesen Tagungen auch um wichtige Entscheidungen für den deutschen Pferdesport. Der PRESSEDIENST gibt im Folgenden einen Überblick über die Entscheidungen.

Erhöhung des Mitgliedsbeitrages – Offener Brief des FN-Präsidenten
Ein zentrales Thema war die geplante Anhebung des seit 1970 konstanten Mitgliedsbeitrages für das Jahr 2007. Bis auf Berlin-Brandenburg stimmten alle Landesverbände für eine Anhebung des Beitrages von einem Euro pro Jahr und Vereinsmitglied. FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau, Breitenburg, schrieb dazu in einem offenen Brief an alle Vereinsmitglieder unter anderem:

„Seit dem Jahre 1970 wurde der Beitrag der Reitvereinsmitglieder mit einer Mark, respektive 50 Cent im Jahr konstant gehalten. Trotz Kaufkraftschwund – die 1970 beschlossene eine Mark ist heute nur noch zwischen 15 und 20 Cent wert – konnte eine Beitragsanpassung über fast 35 Jahre hinweg verhindert werden. Betreute die FN 1970 rund 212.000 Mitglieder, stellt sie heute für rund 761.000 Mitglieder vielfältige Angebote und Dienstleistungen zum Teil kostenlos zur Verfügung...

Pferdesport, Pferdezucht oder das Reiten in der freien Natur werden mittlerweile durch Hunderte von Gesetzesnormen auf Landes-, Bundes- oder EU-Ebene tangiert. Sie alle gilt es zu beobachten und im Sinne unseres Sportes zu steuern. Die immens gestiegene Bedeutung des Tierschutzes in Sport, Zucht und Haltung kommt unseren Pferden sicherlich sehr zugute. Sie bedeutet zugleich jedoch auch eine Fülle an Mehrarbeit... Allein die Dopingbekämpfung – vor 35 Jahren ein fast unbekanntes Thema – ist heute ein arbeits- und finanzintensiver Aufgabenbereich. Die Förderung des Breitensports oder die Beachtung von Umweltaspekten in der Pferdehaltung – 1970 ebenfalls noch Randthemen – sind zu wichtigen und arbeitsintensiven Aufgabengebieten des Verbandes geworden. Gleiches gilt für die Forschung rund um das Pferd. Im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit bietet die FN ihren Mitgliedern heute ein hoch informatives und aktuelles Internet-Angebot, das allein im vergangenen Jahr über etwa 1.800 Seiten verfügte und von rund 7,6 Millionen Lesern genutzt wurde. Dabei wurden mehr als 82.000.000 Seiten abgerufen. Die zahlenmäßige Situation in Sport und Zucht hat sich in den vergangenen Jahren jedoch grundlegend verändert. Allein bei der Turnierpferdeeintragung sind Einnahmen in Höhe von 600.000 Euro weggebrochen. Insgesamt handelt es sich in den Jahren 2002 bis 2004 um eine Summe von 2.200.000 Euro. Da eine solche Entwicklung vorhergesehen wurde, hat die FN umfangreiche und teils drastische Sparmaßnahmen in Höhe von rund zwei Millionen Euro vorgenommen. Trotz der rigorosen Einsparungen wird die Finanzierungslücke größer und die in finanziell guten Jahren angelegten Ersparnisse sind bald aufgebraucht... Als Ergebnis .... wurde von den Landesverbänden eindeutig gefordert, dass die derzeitigen Aufgaben auch in der Zukunft von der FN wahrgenommen werden müssen. Wir werden jedoch auch weiterhin untersuchen, an welcher Stelle und wie diese Aufgaben mit größtmöglicher Effizienz durchgeführt werden können und weitere Einsparungen möglich sind. Die Einnahmesituation auf Kosten des Turniersports zu verbessern ist nicht möglich. Um die Turnierveranstalter, sprich die Vereine, finanziell zu unterstützen und damit auch zu motivieren, weiterhin Turniere anzubieten, hat es in den vergangenen Jahren für die Turniersportler deutliche finanzielle Mehrbelastungen gegeben. Eine weitere Belastung dieser Gruppe würde den Turniersport in seiner Existenz gerade für die Normalverdiener, und das ist die Vielzahl unserer Turnierreiter, ernsthaft gefährden. Die Mitgliedsbeiträge der Vereinsmitglieder machen heute lediglich 2,5 Prozent der Gesamteinnahmen des Verbandes aus. Nur eine kleine Mehrbelastung dieser vielen kann den notwendigen Befreiungsschlag bringen. Eine Mehrbelastung von einem Euro pro Jahr bedeutet für das einzelne Mitglied de facto ein halbes Bier, viereinhalb Zigaretten oder eine Tafel Schocklade weniger im Jahr. In der Summe jedoch bedeutet dies, dass der Verband auch weiterhin seinen Aufgaben nachkommen kann. Und dazu gehört unter anderem, dass rund 40 Prozent der Verbandsausgaben in Förderprojekte fließen, die dem gesamten Pferdesport zugute kommen....“

Rückläufige Mitgliedszahlen – Baden-Württemberg verschont
Reinhard Wendt, stellvertretender Vorsitzender des Geschäftsführenden Vorstands und Geschäftsführer des FN-Bereichs Sport, fand mahnende Worte zur Mitgliederentwicklung. Mit 761.467 Mitgliedern war erstmals seit 20 Jahren ein Rückgang um 0,48 Prozent zu verzeichnen. Lediglich die Landesverbände Baden-Württemberg, Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Sachsen hatten im vergangenen Jahr noch Zuwachs aufzuweisen. Wendt erklärte, dass diese Entwicklung nicht auf eine sinkende Attraktivität des Pferdesports generell hindeute. Im nichtorganisierten Bereich sei weiterhin ein Boom zu beobachten. Auch in den europäischen Nachbarländern produziere der Pferdesport zur Zeit Zuwachszahlen. Sehr aufschlussreich ist die Alters- und Geschlechterverteilung in der Mitgliederstatistik. So war in allen Altersklassen der männliche Anteil der Mitglieder rückläufig, der deutlichste Rückgang betraf die männlichen Mitglieder über 26 Jahre (minus 4.422). Erfreulich hingegen war die Entwicklung bei der Jugend. So konnte in den Altersklassen bis 18 Jahren ein Zuwachs von 2.132 Mitgliedern verzeichnet werden.

Im Gegensatz zu den leicht rückläufigen Mitgliedszahlen stieg die Anzahl der Reitvereine um 64 auf nunmehr 7.528 an. Damit sinkt die durchschnittliche Mitgliederzahl pro Verein auf 101. In den neuen Bundesländern sind es sogar nur durchschnittlich 31 Mitglieder pro Verein. Einen massiven Zuwachs von 10,9 Prozent erlebten hingegen die angeschlossenen Pferdebetriebe, deren Zahl bei 3.246 liegt. Ebenfalls mit einem dicken Plus konnten die Persönlichen Mitglieder (PM) der FN aufwarten. Mit dem stärksten Zuwachs in der Geschichte der PM von 4.570 neuen Mitgliedern im Jahr 2005 liegt die Gesamtzahl der PM nun bei 47.213.

FN-Haushalt: 42,5 Prozent für Sportförderung
Trotz rigoroser Sparmaßnahmen war auch das Jahr 2005 ein wirtschaftlich schwieriges Jahr für die FN. So endete der Jahresabschluss 2005 mit einem Minus von 455.000 Euro. Das entspricht drei Prozent des Gesamthaushaltes. Insgesamt standen Erträge von 15,027 Millionen Euro Aufwendungen von 15,482 Millionen Euro gegenüber. Mit 6,393 Millionen Euro gingen 42,5 Prozent der Aufwendungen in Sportfördermaßnahmen. Mit 37,8 Prozent der Aufwendungen lagen die Personalkosten fast ein Prozent unter der ursprünglichen Planung für das Jahr 2005.

Bundesbreitensportstrategie vorgestellt
Thomas Ungruhe, Leiter der FN-Abteilung Breitensport, stellte die gemeinsam mit den Landesverbänden erarbeitete Bundesbreitensportstrategie für die nächsten Jahre vor. Hauptzielrichtung ist es, durch Stärkung der Vereine und Betriebe wieder einen Mitglieder-zuwachs zu erreichen. Sieben Themenblöcke sollen dabei beachtet werden: Schulpferde, Reiten im Gelände, Erwachsene und Reiten als Gesundheitssport, Abzeichen, Wettbewerbe und breitensportliche Veranstaltungen, Ausbilder und Führungsfragen für Vereine und Betriebe.

„Besser Reiten“ ein großer Erfolg
Eine positive Bilanz zog Christoph Hess, Leiter der FN-Abteilung Ausbildung, hinsichtlich der im vergangenen Jahr gestarteten Ausbildungsoffensive. 2005 konnten 40 Seminare mit rund 12.000 Teilnehmern unter dem Motto „Besser Reiten“ durchgeführt werden. Elf weitere Veranstaltungen mit 1.440 Teilnehmern boten die Persönlichen Mitglieder (PM) an. Drei Kongresse wurden von 800 Teilnehmern besucht, die sich mit den Themen „Reiten als Gesundheitssport“, „Das Pferd formt den Menschen“ und dem Voltigiersport befassten. Hess kündigte die Fortsetzung der Seminarreihe „Besser Reiten“ an.

Aktuelle Bestandsentwicklung in der Pferdezucht
„Die Bestandsentwicklung des Deutschen Reitpferdes ist konstant beziehungsweise leicht rückläufig“, erläuterte in Friedrichshafen Dr. Klaus Miesner, Geschäftsführer des Bereiches Zucht der Deutschen Reiterlichen Vereinigung. Im Vergleich zum Vorjahr hat die Anzahl an Bedeckungen um 1,7 Prozent auf 50.385 zugenommen. Zeitgleich nahm aber der Hengstbestand um 0,2 Prozent (3.782 Hengste) ab. Einen Rückgang gab es auch bei den Zuchtstuten um 0,6 Prozent auf eine Gesamtzahl von 70.766 Stuten. „Der Rückgang von mehr als 1.000 registrierten Zuchtstuten bei den Ponys und Kleinpferden schmerzt, da wir davon ausgehen müssen, dass mehr und mehr an den Zuchtverbänden vorbei gezüchtet wird“, bewertete Dr. Miesner die aktuelle Situation in der deutschen Pony- und Kleinpferdezucht. Er betonte in diesem Zusammenhang, dass das Ziel sein muss, diese Züchter und ihre Zuchtstuten zurück zu gewinnen. Vertiefende Zahlen gibt es im Jahresbericht 2005 der FN.