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Wittenborn mal drei: Auch Maren trägt nun Gold PD 07/2006
Wittenborn mal drei: Auch Maren trägt nun Gold

Ketsch.
Wer den PRESSEDIENST regelmäßig verfolgt, dem wird der Name Wittenborn aus Ketsch sehr wohl geläufig sein. Schon zweimal stand der Name nämlich in der Rubrik „Im Portrait“ zu lesen – stets aus Anlass der Verleihung des Goldenen Reiterabzeichens. Im Juli 2005 wurde Carolyn Wittenborn geehrt, schon 1998 Sigrun Wittenborn. Jetzt gehört auch Maren Wittenborn zum „goldenen Kleeblatt“. Beim Schwetzinger Turnier (21.-23. Juli) wird sie geehrt.

Bei Mutter Sigrun Wittenborn schrieb der PRESSEDIENST im Juni 1998: „Hier hat sich eine Reiterin vom Klein-Mädchen-Sport "Putzen, Zöpfe flechten, Pflegen, Trockenreiten" durchgebissen zur respektierten Sportlerin, die wirklich etwas kann. Sigrun Wittenborn bekam im Rahmen des Mannheimer Maimarkt-Turniers 1998 das Goldene Reiterabzeichen für zehn Siege in schweren Springen verliehen.“ Damit war sie Vorbild und Ansporn zugleich für ihre Töchter. Allerdings hat sich Tochter Carolyn eher der Dressur verschrieben und trägt in dieser Disziplin das „Goldene“. Die jüngste des Dreigestirns, die zwanzigjährige Maren Wittenborn, hat sich wieder der Springreiterei zugewandt. Seit 2003 gehört sie zu jenen, die Siege in Klasse S erringen. In Schwetzingen, quasi vor der Haustür, errang sie mit ihrem Paradepferd Zacchera den ersten Sieg. Ein Jahr später folgten gleich zwei Siege in Ötigheim und einer im fernen Verden. 2005 fünf ließ es die junge Reiterin so richtig krachen: Fünfmal gewann sie schwere Springen in Eppelheim, Mosbach, Ludwigshafen und Weisenheim am Sand. In der noch jungen Saison 2006 ließ sie nicht locker und heimste bereits vier Siege ein. Heidelberg, Mosbach, Forst hießen die Stationen – und Brakel-Sudheimerhof. Dieses Turnier ist deswegen so bedeutend für die junge Reiterin, weil sie hier ein Springen Klasse S** gewonnen hatte. Nach der neuen Regelung muss ein Reiter auch ein „Zwei-Sterne-S“ gewonnen haben, bevor er ans Goldene Reiterabzeichen denken kann. Mitte Juni war Maren Wittenborn jüngst erfolgreich in Berlin-Neubeeren. Jetzt stehen also vierzehn Siege in Klasse S und über zwanzig zweite Plätze auf dem Konto der Reiterin. Am Erfolg hat auch ihr Zweitpferd A’Chanti Anteil.

Das Reiten macht Maren Wittenborn so viel Freude, dass sie nach dem Abitur 2005 ihre berufliche Entscheidung in diese Richtung lenkte. Im elterlichen Reitbetrieb in Ketsch trat sie die Lehre zum Pferdewirt Schwerpunkt Reiten an. Hier führt Vater Udo Wittenborn das Regiment, der seiner Tochter natürlich so viel wie möglich beibringen will, damit sie ihre Lehre gut absolviert. Er ist nicht nur Pferdewirtschaftsmeister sondern auch Regionaltrainer Dressur in Nordbaden. Sigrun Wittenborn, von Beruf Diplom-Finanzwirtin, steht natürlich voll und ganz hinter der reiterlichen Karriere ihrer Töchter. Ihr „Fördertalent“ hatte sie ja schon bei Carolyn erfolgreich unter Beweis gestellt. So verwundert es nicht, dass sich die „Reiter-Gene“ in dieser Familie komplett durchsetzen. Dennoch: „Es steht für mich noch nicht fest, was ich beruflich nach der Lehre machen will. Auf jeden Fall aber wird es mit Reiten und Pferdesport zu tun haben“, sagte Maren Wittenborn gegenüber dem PRESSEDIENST. Sie will sich bei dieser Entscheidung Zeit lassen, es soll ja etwas „Gescheites“ herauskommen bei der Berufsorientierung.

Maren Wittenborn fing mit drei, vier Jahren an zu reiten. “Meistens musste Papa führen, wenn es um Wettbewerbe in der Führzügelklasse ging“ erinnert sich die Zwanzigjährige schmunzelnd ihrer Kindertage. Schon mit sieben Jahren startete sie in Springwettbewerben und zwei Jahre später, noch keine zehn Jahre alt, in Springen Klasse A und L! Ganz präsent ist der jungen Frau aber ihr erster Sieg in Klasse M. „Damals habe ich den Hengst Locavo geritten!“ 2001 brachte Maren Wittenborn die erste Platzierung in Klasse S und den Sieg im Baden-Württembergischen Championat im Rahmen der Landesmeisterschaften in Schutterwald nach Hause. Wenn sie ihre Erfolge auflistet, schwingt immer auch Hochachtung für ihre Pferde mit. „In Brakel zum Beispiel hatte ich mit meinem Holsteiner Lupus zwei Null-Runden. Das war toll, denn ich habe dieses Pferd auch selbst ausgebildet.“ Diese fehlerfreien Ritte trugen in Brakel dazu bei, dass das Team aus Baden-Württemberg den Mannschaftssieg in Klasse S errungen hatte.

Meisterschaften hat Maren Wittenborn schon eine ganze Menge gewonnen: Mehrfach ist sie Meisterin im Reiterring Badische Pfalz und Nordbadische Meisterin. Besonders wertvolle Einsätze erlebte sie beim Preis der Besten in Warendorf und bei Deutschen Meisterschaften. In diesem Jahr durfte sie sogar mit zwei Pferden zum Preis der Besten nach Warendorf reisen. Rechnet man alles zusammen, was Maren Wittenborn schon gewonnen hat, so kommt man locker auf über 130 Platzierungen in Klasse S. Die vier Pferde, die sie dafür einsetzte, hat sie alle selbst im heimischen Betrieb ausgebildet oder so gefördert, das sie erstmals in Klasse S eingesetzt werden konnten. Neben „Mama und Papa“ hat auch Landestrainer Karl-Heinz Streng aus Mosbach einen großen Anteil am Erfolg der Reiterin, sagt sie dankbar. Alle drei haben wohl viel am Talent der jungen Frau gefeilt, denn sie sei manchmal ungeduldig, überehrgeizig und nicht immer konsequent. Maren ist offenbar durchaus selbstkritisch in der eigenen „Personenbeschreibung“. „Stur bin ich und ich kann impulsiv sein, aber ich bin auch hilfsbereit und ehrlich“, sagt sie von sich selbst. Auch habe sie Vorbilder: Marcus Ehning zum Beispiel, den Schweizer Beat Mändli und den Schweden Ralf-Göran Bengtson. Von den Baden-Württemberger Reitern schätzt sie am meisten Jürgen Kurz aus Leingarten als Vorbild.

Reiterliche Ziele für die Zukunft? Ja, die gibt es! „Ich möchte, dass meine Pferde gesund bleiben, dass ich sie weiter gut fördern kann, dass ich Deutsche Meisterschaften reiten darf – und dass ich Springen mit drei Sternen bestreiten darf.“ Doch ein wenig Sorgen hat sie auch schon: Sie hofft auf einen „netten Sponsor, der es mir ermöglicht, mein Pferd Lupus zu behalten, denn der soll mein Spitzenpferd für die Zukunft werden.“ Die allernächste Zukunft aber beginnt mit einer fröhlichen Feier beim Turnier in Schwetzingen (21.-23. Juli 2006). Dort nämlich wird Maren Wittenborn freudestrahlend das Goldene Reiterabzeichen entgegennehmen. Glänzende Augen werden dabei auch die anderen drei Wittenborns haben: Vater Udo, Mutter Sigrun und Schwester Carolyn. Vermutlich werden auch sie zur Feier des Tages ihr Goldenes Reiterabzeichen an die Bluse heften.
Martin Stellberger