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Turniersport Baden-Württemberg: 211.440 Starts bei Turnieren des Landes PD 04/06
Turniersport: 211.440 Starts bei Turnieren des Landes

Kornwestheim.
211.440 mal starteten die Pferdesportler des Landes bei den 526 offiziellen Turnieren mit ihren 9.746 Wettbewerben, die im Pferdesportverband Baden-Württemberg im letzten Jahr veranstaltet wurden. Das ist eine sehr hohe Zahl und dennoch gibt es einen Rückgang der Starts um 3,2 Prozent oder 7022 Starts. Zwar hat sich die Zahl der Turniere geringfügig um vier erhöht, aber die Zahl der angebotenen Wettbewerbe hat um 76 (0,8 Prozent) abgenommen. Seit 2003 ist nach der Statistik des Pferdesportverbandes Baden-Württemberg insgesamt ein Rückgang der Wettbewerbe um mehr als ein Prozent festzustellen. Dennoch sieht der Verband in den Zahlen keinen negativen Trend. Vielmehr zeichnet sich ab, dass die Starterfüllung durch die Reiter sehr hoch ist trotz „zeitlicher Konflikte“ mit Beruf oder Schule. Positiv ist die Entwicklung bei den Geldpreisen, denn hier hat sich die Summe im Vergleich zum Vorjahr nicht verändert: 2004 und 2005 wurden jeweils 4,1 Millionen Euro an Preisgeldern in Baden-Württemberg ausgeschüttet. Damit liegt der Landesverband im Bundesvergleich an zweiter Stelle hinter Westfalen, das 4,2 Millionen Euro ausschüttete. Im Verband Rheinland gab es 3 Millionen Euro zu gewinnen.

Vielseitigkeit ist rückläufig
Einen Wehrmutstropfen allerdings fand Geschäftsführer Christian Abel in seiner Statistik: Zwar seien die Veränderungen bei den Wettbewerben nicht dramatisch. „Bedauerlich ist allerdings, dass ausgerechnet in unserer erfolgreichsten Disziplin, der Vielseitigkeit, die Prüfungszahl rückläufig ist. Ursache dürfte der hohe Kostenaufwand für die Veranstalter sein.“

Sorgfältige Überwachung
Dass die Turniere sorgfältig überwacht werden, zeigt sich auch in der Zahl der Medikationskontrollen. Bei über 100 Veranstaltungen wurden von den Turniertierärzten 106 Pferde kontrolliert, nicht eingerechnet die Turniere von Donaueschingen und Stuttgart, die der FEI-Kontrolle unterstehen. Dort wurden 30 weitere Tiere kontrolliert. Im Verantwortungsbereich des Pferdesportverbandes Baden-Württemberg wurde genau eine Kontrolle mit positivem Ergebnis verzeichnet. Das Disziplinarverfahren gegen den Reiter läuft noch. Wichtig anzumerken ist, dass die Turnierärzte laufend fortgebildet werden. Im letzten Jahr nahmen 80 Tierärzte die Angebote an. Zur Zeit stehen 330 Tierärzte als ausgebildete Turnier-Tierärzte auf der Liste des Verbandes. Eine Bestätigung für die Tierschutzbemühungen der Reiterei ist die Tatsache, dass 96 Prozent aller Veranstalter im Lande den Tierarzt ständig vor Ort hatten. „Lediglich an Freitagen wird noch in Ausnahmefällen auf die Rufbereitschaft zurückgegriffen“ erläutert Geschäftsführer Abel.

Ausbildung wird weiterhin groß geschrieben
Die Ausbildung der Reiter im Landesverband dokumentiert sich unter anderem in der Zahl der Qualifikationsabzeichen, die landauf, landab mit Prüfungen erworben werden können. Bei den Abzeichen, die den Turniersport berühren, wurden 7.371 Qualifikationsnachweise vergeben vom Basispass bis zum Goldenen Reiterabzeichen. Allerdings ist der Rückgang hier um 7,82 Prozent deutlich ausgefallen. Damit hat sich das Vorjahr mit einem Plus von 7,24 Prozent wieder relativiert. Der Rückgang, sagt Christian Abel, geht hauptsächlich zu Lasten von Reiten und Fahren, eine Zunahme gab es beim Longierabzeichen. Goldene Reiterabzeichen wurden im letzten Jahr 14 verliehen. Der PRESSEDIENST berichtete darüber regelmäßig.

Breitensport nimmt leicht zu
Die Qualifikationsnachweise im Breitensport, vom Kleinen Hufeisen Reiten bis hin zum Wanderreiterabzeichen Stufe 2 und ähnlichen Nachweisen der einzelnen Disziplinen, nahmen leicht zu: Mit 4.647 Abzeichen wurden 21 mehr vergeben. Die Ausstattung für den Turniersport mit Reiter- und Fahrerausweisen ging im Berichtsjahr auf 10.286 um 227 zurück. Das heißt, 227 Pferdesportler hatten für 2005 auf Turnierstarts ganz verzichtet und die „Lizenzen“ dafür nicht mehr erworben. Wirtschaftliche Gründe dürften dafür ausschlaggebend sein. Es bleibt aber insgesamt gültig, dass rund 10 Prozent der Mitglieder im Landesverband aktive Turnierreiter sind.

Mitgliederstatistik
Der Mitgliederstand des gesamten Pferdesportverbandes steht derzeit bei 106.128 in 827 Vereinen. Die Vereine verteilen sich auf die Regionalverbände so: Nordbaden 172 Vereine mit 24.989 Mitgliedern, Südbaden 184 Vereine/22.567 und Württemberg 471Vereine/58.572. Im Vergleich zum Jahr 2004 kamen sechs Vereine dazu.

Christian Abel bewertet diese Statistik so: „Trotz des Gesamtrückgangs ist es erfreulich, dass die unteren Jahrgangsgruppen zugelegt haben. Insgesamt sind die Frauen unser größtes Mitglieder-potential, 72.329 Frauen stehen 33.530 Männern gegenüber. Noch krasser wird dieses Verhältnis bei unserer Jugend bis 18 Jahre: 30.887 weibliche und gerade einmal 4.856 männliche Mitglieder. Hier müssen die Vereine noch intensiver an dem Thema „Jungs aufs Pferd“ arbeiten.“ Insgesamt ist die Mitgliederzahl deutschlandweit um 0,29 % gegenüber dem Vorjahr angestiegen. Nach Westfalen (115.169 Mitglieder) ist Baden-Württemberg vor Bayern (99.988) und Hannover (87.123) der zweitstärkste Landesverband innerhalb der Deutschen Reiterlichen Vereinigung. Der Abstand zu Bayern und Hannover ist aber kleiner geworden.

Ehrenamt bereitet Sorgen
Die Zahl der Vereinsneugründungen war im Berichtsjahr deutlich höher als die der Vereinsauflö-sungen. Die durchschnittliche Mitgliederzahl betrug 129, 2003 waren es noch 131. In vielen Vereinen wird beklagt, dass zuwenig Bereitschaft für ein ehrenamtliches Engagement besteht. Ein häufiger Wechsel innerhalb der Vorstände ist oft die Folge. Der Landesverband versucht mit gezielter Vereinsberatung den neuen aber auch den alteingesessenen Vereinen Hilfestellung zu geben. Der Landesverband finanziert dieses Programm ohne Unterstützung der Regionalverbände.

Pferdebetriebe sind als Sondermitglieder aktiv
Die Betreuung der Sondermitglieder erfolgt mit viel Engagement durch Rolf Berndt, Dornstadt. Dass er mit seinem Fachwissen gefragt ist, beweisen die vielen Anfragen. In mehr als 1.500 Fällen wurden telefonische und persönliche Beratungsgespräche geführt. Schwerpunktthemen: Haftungs- und Versicherungsfragen, Sondermitgliedschaft im Landesverband, Vereinsrecht und Satzungsfragen, Musterverträge sowie Reiten und Fahren auf Feld- und Waldwegen. Das Interesse an einer Sondermitgliedschaft im Landesverband ist nach wie vor groß. Mit der Anzahl der Sondermitglieder liegt Baden-Württemberg bundesweit in der Spitzengruppe. Durch die Sondermitglieder können den alteingesessenen Vereinen durchaus Konkurrenz erwachsen, meint Christian Abel. Denn die Pferdehalter legen heute sehr großen Wert auf eine artgerechte Unterbringung ihrer Pferde und Ponys. Ställe mit Weidegang und Paddockboxen erfahren immer mehr Zulauf. Da viele Vereine nur ältere Stallgebäude haben und sehr oft die Möglichkeiten zu Veränderungen oder auch Koppelgang nicht möglich sind, sind die Pferdebetriebe eine ernst zu nehmende Konkurrenz für die Vereine. Ein systematisches und vor allem vielfältiges Ausbildungsangebot für Reiter und Pferde ist eine Möglichkeit, die Vorzüge des traditionellen Vereins in den Vordergrund zu rücken.