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Anton Steidle zieht sich zurück PD 04/1998
RADOLFZELL. Die Jahreshauptversammlung des Pferdesportverbandes Süd-faden stand am 21. März 1998 in Radolfzell ganz im Zeichen eines Mannes: Anton Steidle. Der Radolfzeller führte seit 1989 den Regionalverband Südbaden. Steidle zog sich nicht aus Amtsmüdigkeit zurück, sondern der Vernunft gehorchend. Er wird am 11. Oktober 80 Jahre alt und wollte jetzt Platz machen für einen Jüngeren. Ändern wird sich an der Politik des Verbandes jedoch wenig: Anton Steidle hat den Verband so vorbildlich geführt, dass es keiner Kurskorrektur bedarf. Sein Nachfolger ist Rüdiger Wunderlich (60) aus Oberkirch-Nußbach im Ortenaukreis. (s. gesonderten Beitrag).

Geboren wurde Anton Steidle 1918 als Sohn des Bürgermeisters von Grasbeuren bei Konstanz. Auf dem heimischen Hof wuchs er mit Pferden auf, die zu seinem Lebensinhalt werden sollten. Nach einer landwirtschaftlichen Lehre meldete er sich 1938 freiwillig zum Cannstatter Reiterregiment 18 und erfuhr dort eine solide Grundausbildung. Anschließend sollte er dort selbst als Ausbilder eingesetzt werden. Er jedoch wollte nur eines: reiten. Steidle erzählt: "Ich wusste, dass in der Reit-und Fahrschule Insterburg Bereiter gesucht wurden. Mein Kommandeur sorgte für meine Versetzung nach Ostpreußen, und ich kam in die Remontenschule. Bald folgte die Versetzung auf das Gestüt Janov-Podlaski am Bug, wo ich bei Landstallmeister Hans Fellgiebel mein erstes Turnier ritt und meine schönste Zeit als Reiter und Pferdemann erlebte". 1943 wurde Steidle Soldat und kam an allen Fronten zum Einsatz und schließlich in Gefangenschaft, aus der er 1947 heimkehrte. Sein Weg führte ihn zurück auf den elterlichen Hof am Bodensee. Dort richtete er bereits 1949 das erste Reitturnier mit 68 Teilnehmern aus und legte 1950 die Prüfung zum staatlich anerkannten Reitlehrer ab. In dieser Funktion war er auch in Stahringen und Neuhausen tätig.

Sein Herz gehört - bedingt durch die Zeit in Ostpreußen - dem Trakehner Pferd. So war es naheliegend, dass er sich in der Trakehner-Zucht einen guten Namen machte. Zwölf Jahre lang war er Vorsitzender des Trakehner-Verbandes und der Körkommission. "In der Landwirtschaft," erklärt Anton Steidle, "war Mitte der Sechziger kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Also tat ich, was ich gelernt hatte und von der Pike auf konnte: Reiten und Reiten lehren. Am Bodenseeufer bei Radolfzell bekam ich einen Streifen Schilfland. Dort sollte mein eigener Reitstall entstehen." Tausende Kubikmeter Erde wurden aufgeschüttet, bis ans Reiten überhaupt nur zu denken war. Eine Reithalle folgte 1971, die Turnierplätze nahmen Gestalt an, und heute gehört die Radolfzeller Reitanlage zu den schönsten und groß-zügigsten im Lande. Seit 1971 gibt es hier das Radolfzeller Reitturnier, das seither 27 mal ausgerichtet wurde. 1983 wählten die deutschen Springreiter Steidles Turnier zum "schönsten im Lande". Dass Steidle auch die Grundsteine für die Reiter-Vereine Konstanz und Überlingen gelegt hat, erwähnt Steidle bescheiden am Rande. 1976 übernahm Steidle den Vorsitz des Reiterrings Bodensee, der während seiner 22 Jahre währenden Vorstandschaft auf 31 Vereine anwuchs. Erst kürzlich zog Steidle sich auch hier zurück und hat mit Harald Guhl (53), Radolfzell, einen seiner Schüler zum Nachfolger.

Anton Steidles Motto war und ist noch immer: "Zuerst das Pferd, dann der Mensch." Seine Verdienste für das edle Tier - als Reitlehrer, Züchter und Turnierrichter - und für den Pferdesport sind unbestritten und zahllos. Aber Steidle wehrt ab: "Zählen Sie nicht meine Orden und Ehrenzeichen auf. Schreiben Sie, was heute und immer gilt: Reiten heißt Selbstzucht üben und Achtung vor der Kreatur haben."
Werner Stock