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Hauke Schmidt wird 60 PD 04/1998
METZINGEN. Als Beruf gab er in einem Fragebogen "kaufmännischer Angestellter" an. So aber kennen ihn die Pferdefreunde des Landes, in Deutschland und auf internationalen Parcours nicht. Hauke Schmidt ist vor allem bekannt als Parcourschef. "Schmidt reist gern und viel in der ganzen Welt herum. Kreativität ist seine Maxime", schrieb die Südwestpresse Ulm im Oktober 1995 über den Herrn der Steilsprünge, Oxer und Dreifach-Kombinationen. Hauke Schmidt, verheiratet und Vater zweier Kinder, gehört zur ersten Garnitur international engagierter Parcoursbauer im Springsport. Das Stuttgarter Turnier in der Schleyerhalle wäre ohne ihn nicht das, was es geworden ist. Zu viel des Lobes? Sicher nicht.

Hauke Schmidt, im holsteinischen Müssen im Herzogtum Lauenburg geboren, hat jahrzehntelang Erfahrung gesammelt als Springreiter: Er begann 1950 in der nord-deutschen Heimat mit dem Turnierreiten und startete als 17-jähriger erstmals inter-national in Malmö. In seiner aktiven Zeit war Hauke Schmidt - Schüler des früheren Bundestrainers Hans-Heinrich Brinkmann - einer der besten deutschen Springreiter mit Siegen in Großen Preisen von Wiesbaden, Mannheim, Kopenhagen, Rotterdam, La Baule, Deauville. Noch mehr gefällig? Caracas, Basel und nicht zuletzt gewann er auch in Nationenpreisen. 27 mal startete er für Deutschland. Seinen Abschied vom aktiven Sport gab er 1987 in Palermo mit einem Sieg mit San Siro im Mächtigkeitsspringen über 2,25 Meter.

Als Parcourschef und Ausbilder, Lehrgangsleiter und Fachbuchautor kommt er in der ganzen Welt herum. Selbst Taiwans Reiter hatten ihn schon eingeladen. Aber das Gute liegt doch nahe: Als die Mauer fiel, so berichtet Birgit Popp in einem Artikel, "war Hauke Schmidt ein Mann der ersten Stunde. Spontan ließ sich der inter-national angesehene Fachmann in Sachen Springsport für die Idee begeistern, die traditionsreichen Turniere der Landwirtschaftsausstellung "agra mecklenburg" neu zu beleben." Zog ihn da seine Herkunft wieder einmal gen Norden? Herausforderungen haben ihn wohl immer gereizt. Hilfreich sind ihm dabei stets seine ungezählten hervorragenden Kontakte zu Spitzenreitern der Welt und - zu Sponsoren.
Beziehungen sieht Hauke Schmidt jedoch auch auf anderem Gebiet als wichtig an: "Vom ersten bis zum letzten Sprung stehen alle Hindernisse zueinander in einer Beziehung", sagte Schmidt einmal in Stuttgart. Er will, so erläutert Schmidt seine Arbeitsweise, die Springreiter dazu zwingen, sich mit seinen Springbahnen zu beschäftigen. "Wer das nicht tut, hat seine Schwierigkeiten!" Parcoursbauer ist Schmidt schon seit mehr als 20 Jahren, auch wenn er dieser Arbeit inzwischen nur noch zweite Priorität einräumt. Die Organisationsarbeit für Turniere steht im Vordergrund.

Wie kommt nun ein Holsteiner ins Württembergische, nach Metzingen am Fuße der Schwäbischen Alb? (Der Zeitschrift PferdeWelt sei hiermit verziehen, dass sie den Holsteiner nach Bayern ausquartiert hat, weil es dort einen Landstrich "Schwaben" gibt.) Vor 35 Jahren kam Hauke Schmidt als junger, talentierter Springreiter zu Rolf Knecht nach Ludwigsburg. Der Holsteiner blieb und gründete seine Familie. 1964 wurde er Landesmeister der Springreiter und startete seine internationale Karriere von Baden-Württemberg aus. In Metzingen feiert er am 1. April 1998 seinen 60. Geburtstag.
Martin Stellberger