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Christian Lamparter ist tot PD 03/2001
MARBACH-GOMADINGEN. Christian Lamparter, der große alte Herr der Fahrkunst ist tot. Er starb am 29. Januar in Marbach-Gomadingen, wenige Wochen vor seinem 93. Geburtstag. Christian Lamparter, der am 25. März 1908 im württembergischen Rietheim geboren wurde, wird unvergessen bleiben: Sein Leben für den Pferdesport, insbesondere für den Fahrsport, ist so beispielhaft wie einmalig. Lamparter war Bundestrainer und Equipe-Chef der deutschen Mannschaft bei der ersten Weltmeisterschaft der Viererzugfahrer 1972 in Münster. 1977 trug er die Verantwortung für die Ausrichtung der Europameisterschaft der Viererzüge in Donaueschingen. Er war zudem der erste Landestrainer der Fahrer Baden-Württembergs und Beauftragter für den Fahrsport. Sein Wissen und seine Erfahrung bleiben indes der Nachwelt erhalten, denn 1971 erschien sein erstes Buch über "Die Fahrlehre". 1974 folgte das zweite Buch mit dem Titel "Fahren mit Pferd und Kutsche". Sein drittes Buch schrieb er über Reitlehre und Pferdekunde. Lamparters fünf-teiliger Fahrlehrfilm fand internationale Anerkennung.

Christian Lamparters berufliche Laufbahn begann 1922 im Haupt- und Landgestüt Marbach. 1935 wurde er Fahrlehrer, nachdem er an der Reichsfahrschule die Prüfung absolviert hatte. Benno von Achenbach beeinflusste den jungen Lamparter nachhaltig. Gerne erinnerte er sich auch an Oberst Felix Bürkner, Berlin, der sein bester Ausbilder gewesen sei. Die schweren Jahre des Dritten Reiches und der Krieg gingen an dem Pferdefreund nicht spurlos vorüber. Erst 1948 kehrte er heim. Doch schon ein Jahr später übernahm er im Gestüt die Verantwortung für die Fahrschule. Nach seiner Frühpensionierung 1962, er konnte nicht mehr aktiv rei-ten, widmete er sich ab 1964 dem Aufbau des Fahrsports in Baden-Württemberg. Immer mehr Fahrwettbewerbe wurden ausgeschrieben. So ging schließlich auch die Einführung der Landesmeisterschaft der Vierspänner und der Wettbewerb um den Titel des Landessiegers im Ein- und Zweispännerfahren auf seine Initiative zurück. Von 1964 bis 1978 hatte Christian Lamparter, der in Marbach-Gomadingen ver-heiratet und Vater von vier Kindern war, die Aufgabe des Regionaltrainers Fahren in Württemberg inne, später die des Landestrainers. Er sorgte für einen starken Aufschwung des Fahrens im Lande. 20 Jahre lang engagierte er sich auch im Ausschuss des Württembergischen Pferdesportverbandes. 48 Jahre war er als Turnierrichter vor allem im Fahrsport aktiv. Dem Reitverein Würtingen/St. Johann bleibt Christian Lamparter indes als Ausbilder der Jugend unvergessen. Dreimal gewann seine Mannschaft den Fördergruppenwettkampf. Er erinnerte sich auch gerne an das DLG-Turnier 1951 in Frankfurt/Main, wo er Vier- und Zweispänner mit Ge-stütshengsten vorstellte. Bedauert hat Lamparter immer, dass "zu meiner Zeit die Angehörigen des Gestüts nicht auf Turnieren starten durften."

Christian Lamparter erfuhr für sein Lebenswerk zahlreiche Ehrungen: So erhielt er 1972 das Ehrenzeichen in Silber der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, 1983 das Deutsche Reiterkreuz in Gold und 1988 die Ehrennadel in Gold des Württembergischen Pferdesportverbandes. In einem Brief an den PRESSEDIENST schrieb Christian Lamparter vor Jahren: "Ich kam mit 14 Jahren als Lehrling zum Gestüt und bin seither, auch als Soldat, mit Pferden zusammen und könnte mir nichts Schöneres denken!...Ich habe alles erreicht, was ich mir in der Jugend gewünscht habe." Dankbarkeit und Achtung vor dem Geschöpf prägten den Pferdefreund. Was er schrieb, klingt wie ein Vermächtnis: "Ich liebe meine Pferde und zeige es ihnen durch gute Behandlung und Haltung, und sie zeigen es mir durch ihren Eifer bei der Arbeit und ihre Anhänglichkeit." Martin Stellberger