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Tierquäler beunruhigen die Pferdefreunde PD 3/2006
Tierquäler beunruhigen die Pferdefreunde

Lindau/Rot an der Rot.
Anfang Januar und Mitte Februar schreckten wieder einmal Pferdeschänder die Pferdefreunde und Pferdebesitzer rund um den Bodensee und im Raum Biberach auf. In der nahe Lindau gelegenen Gemeinde Weißensberg wurde im dort angesiedelten Reitverein eine 3 ½-jährige Haflingerstute derart misshandelt, dass das Tier eingeschläfert werden musste. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag (11.-12. Februar) verletzt, war das junge Pferd mit schweren inneren Verletzungen zum Tierarzt gebracht worden. In der Klinik konnte das Pferd jedoch nicht mehr gerettet werden. Wie die Polizei Lindau gegenüber dem PRESSEDIENST bestätigte, habe man die Ermittlungen aufgenommen und gehe Anhaltspunkten nach.

Am 8. Januar bereits wurde in Rot an der Rot in einem Reitstall eine junge Stute sehr schwer verletzt aufgefunden. Zunächst schien das Tier trotz der – inzwischen zum Stillstand gekommenen – Blutungen ruhig zu sein. Doch als der Tierarzt die Stute untersuchen wollte, reagierte sie völlig panisch, überschlug sich sogar. Schließlich konnte der Arzt das ganze grausige Ausmaß der Verstümmelung feststellen. Nach einer gründlichen Suche auf dem Gelände nach Verletzungsmöglichkeiten wurde dies ausgeschlossen und nach Meinung des Tierarztes hätte sich die Stute nicht selbst eine derartige Verletzung zufügen können, berichtete die Besitzerin des Pferdes dem PRESSEDIENST. Die Beamten der Biberacher Polizeihundestaffel, die für Tierschutzfälle zuständig sind, wurden eingeschaltet, Fotos gemacht, Protokolle geschrieben, das Gelände nochmals abgesucht, aber viel Optimismus, zum Erfolg zu kommen, schienen die Beamten nach Meinung der Pferdebesitzerin nicht zu haben. Gleichwohl wurde jedoch ein Pressebericht veröffentlicht. Der Besitzerin sagte man, die Pferdebesitzer müssten sich gegenseitig warnen, zumal die Polizeien von Baden-Württemberg und dem benachbarten Bayern in solchen Fällen nicht zusammenarbeiten könnten. Einmal mehr zeigte sich auch hier, dass die Polizeisysteme zwischen Bayern und Baden-Württemberg eine „Vernetzung“ der Polizeiarbeit in Fällen von Pferdeschändungen nicht zulässt.

Pferdesportverband mahnt Vorsicht und Aufmerksamkeit an
Es ist in den letzten Jahren hierzulande relativ wenig passiert, zumindest wenig öffentlich bekannt geworden. Aber Fälle von Pferdeschändungen und anderen Tierquälereien treten immer wieder auf. Der Pferdesportverband Baden-Württemberg fordert deshalb Reitvereine und Pferdefreunde, Landwirte, Jäger und Spaziergänger einmal mehr auf, ungewöhnliche Beobachtungen in diesem Zusammenhang unbedingt der Polizei zu melden, Auffälliges zu notieren. Stallbesitzer und Pferdebesitzer sollten unbedingt Fremde auf dem Hof ansprechen und nicht einfach herumlaufen lassen. Vorsicht ist geboten, auch schon deshalb, weil es häufig zu Ausspähungen mit dem Satteldiebstählen kommt. Bedauerlich und eigentlich nicht verständlich ist, dass es immer noch nicht gelingt, in Fällen von Pferdeschändungen grenzüberschreitende Polizeiarbeit zu leisten. Immer wieder heißt es, die „Systeme des Einsatzes“ ließen keinen Datenaustausch zu. Das kann nicht im Interesse des Tierschutzes liegen und schon gar nicht im Interesse der Pferdebesitzer, in deren Augen die Pferde nicht einfach den rechtlichen Status einer Sache einnehmen, sondern vielmehr wertvolle Partner sind, die zudem eine Menge Geld kosten.
Martin Stellberger