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Christian Lamparter wird 90 Jahre alt PD 03/1998
GOMADINGEN. Christian Lamparter, der große alte Herr der Fahrkunst im Lande begeht in Gomadingen am 25. März 1998 den 90. Geburtstag! Sein Engagement für den Pferdesport, insbesondere für den Fahrsport, ist so beispielhaft wie einmalig: Lamparter war Bundestrainer und Equipe-Chef der deutschen Mannschaft bei der 1. Weltmeisterschaft der Viererzugfahrer 1972 in Münster. 1977 hatte er die Verantwortung für die Ausrichtung der Europameisterschaft der Viererzüge in Donaueschingen. Er war zudem der erste Landestrainer der Fahrer Baden-Württembergs und Beauftragter für den Fahrsport im Lande. Als Leiter zahlreicher Fahrerlehrgänge und als Buchautor hat er sich einen hervorragenden Ruf erworben. Das ist unter anderem nachzulesen bei Thilo Haake, Lorenzenzimmern, anlässlich des 75. Geburtstages von Christian Lamparter vor nunmehr 15 Jahren.

Das alles spricht für sich, bedarf eigentlich nicht mehr weiterer Worte, um einen Mann zu beschreiben, der den Fahrsport im Lande geprägt hat wie kaum ein anderer. Der hochbetagte Jubilar, 1908 in Rietheim, Württemberg, geboren, in Gomadingen-Marbach beheimatet, verheiratet, Vater von vier Kindern, hat zwei Lehrbücher für Fahrer und eines für Reiter geschrieben. Hinter seiner Berufsangabe "Gestütswärter, Reit- und Fahrlehrer" verbirgt sich freilich ein Fachwissen, eine Kompetenz, die ihresgleichen sucht. Seine berufliche Laufbahn begann 1922 im Haupt- und Landgestüt Marbach. 1935 wurde er Fahrlehrer, nachdem er an der Reichsfahrschule die Prüfung absolviert hatte. Benno von Achenbach beeinflusste den jungen Lamparter nachhaltig. Die schweren Jahre des Dritten Reiches und der Krieg gingen an Christian Lamparter nicht spurlos vor-übler. Erst 1948 durfte er seinen Fuß wieder auf heimatlichen Boden setzen. Doch schon ein Jahr später übernahm er im Gestüt die Verantwortung für die Fahrschule, wo er sein Können verwirklichen konnte. Gerne verweist er auf Oberst Felix Bürkner, Berlin, der sein bester Ausbilder gewesen sei. Der junge Fritz Thiedemann hatte auch bei diesem Fachmann gelernt und dessen Pferde bei der Grünen Woche siegreich vorgestellt.

Der Jubilar erfuhr zahlreiche Ehrungen für sein Engagement: So erhielt er das Ehrenzeichen in Silber der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) (1972), das Deutsche Reiterkreuz in Gold der FN (1983), die Ehrennadel in Gold des Verbandes der Reit- und Fahrvereine in Württemberg (1988). Er erinnert sich gerne an das DLG-Turnier 1951 in Frankfurt/Main, wo er Vier- und Zweispänner mit Gestütshengsten vorstellte. Allerdings, ein wenig Bedauern will man aus seinen Zeilen herauslesen, wenn er schreibt: "Zu meiner Zeit durften wir als Angehörige des Gestüts nicht auf Turnieren starten." Die Liebe zum Pferd prägt viele Menschen. Christian Lamparter aber lässt tiefe Dankbarkeit durchblicken, wenn er seine Beziehung zum Pferd beschreibt: "Ich kam mit 14 Jahren als Lehrling zum Gestüt und bin seither, auch als Soldat, mit Pferden zusammen und könnte mir nichts Schöneres denken. Mein Beruf ist mein Hobby!" Und weiter teilte der erfahrene Lehrer schon früher dem PRESSE-DIENST in fester, gut lesbarer Handschrift mit: "Ich habe alles erreicht, was ich mir in der Jugend gewünscht habe. Vorbild ist mir immer noch mein ehemaliger Reitlehrer Oberst Bürkner."

Dankbarkeit und Achtung vor dem Geschöpf klingen aus seinen Worten: "Ich liebe meine Pferde und zeige es ihnen durch gute Behandlung und Haltung, und sie zeigen es mir durch ihren Eifer bei der Arbeit und ihre Anhänglichkeit mir gegenüber." Bleibt nur zu wünschen, dass Christian Lamparter und seine Frau den Krankenhausaufenthalt gut bewältigen, dem sich das Ehepaar nach Auskunft des Marbacher Gestüts Ende Februar hat unterziehen müssen.
Martin Stellberger