Startseite
Kontakt
Helmut Leitz: Mit 70 ist Schluss PD 03/1997
SINDELFINGEN. Pferde wünscht sich der Reitersmann gern leistungsbereit, ruhig im Umgang und im rechten Moment voll kontrollierten Temperaments. Eigenschaften, die bisweilen auf jene abfärben, die sich diesen Tieren verschreiben. Helmut Leitz ist so ein Mensch und zugleich Vorsitzender des Regionalverbandes Württemberg, des größten der drei Regionalverbände im Pferdesport des Landes. Am 15. März tritt er nach sechs Jahren zurück: "Mit siebzig ist Schluss", so leitete er schon nach der Halbzeit die Wachablösung im 55.500 Mitglieder zählenden württembergischen Regionalverband ein. Am 12. April wird er 70 Jahre alt.

Zuhause ist der Unternehmer Helmut Leitz in Sindelfingen. Die Einrichtung des Esszimmers ist in dunkler Eiche gehalten, handsignierte Drucke des pferdebegeisterten Künstlers Klaus Philipp an der Wand, das Reiterjournal auf dem Tisch, Landwirtschaftliches Wochenblatt und die neueste Ausgabe des WLSB-Organs "Der Sport" im Zeitungsständer. Ungewohnter sind da schon die handgemachten Pferdezugwagen, die Leitz als Hobby bis ins Detail maßstabsgetreu baut. "Aber dazu komm ich nur noch selten", bedauert der fast 70jährige. Auch sein Betrieb in Gäufelden - Leitz produziert Schilder- fordert ihn.

Zeit wurde für ihn zunehmend zu einem knappen Gut. Das fing an, als er 1974 den Vorsitz des Sindelfinger Reitervereins übernahm. 1980 wurde er Delegierter im Landesverband und wurde zwei Jahre später zum zweiten Vorsitzenden im Regionalverband gewählt. Seit 3. März 1990 ist er dessen Chef. Der bodenständige Württemberger Leitz, Vater dreier Kinder, spricht gepflegten, aber deutlichen Dialekt und trägt lieber den Arbeitsmantel anstatt Anzug und Krawatte. Der Griff zur Mistgabel ist ihm so vertraut wie der zur Firmenbilanz. Sein Leitspruch ist zugleich Programm: "Immer ehrlich, immer gerade heraus!" Damit sei er stets gut gefahren.

Wo immer im Verbandsgebiet zwischen Bodensee und Bad Mergentheim erhitzte Gemüter zu beruhigen waren, Helmut Leitz erfuhr davon, vereinbarte ohne langes Hin und Her einen Termin und setzt sich in sein Auto. Als Vermittler zwischen den Fronten, geradeheraus und mit starkem Sinn für Gerechtigkeit ging er dieser Aufgabe nach. Immerhin funktionierte es seiner Meinung nach bei 90 Prozent der 400 Vereine Württembergs. Leitz denkt kurz nach: "Das ist vielleicht nicht meine angenehmste, bestimmt aber eine sehr wichtige Aufgabe". Er will helfen, will Probleme anpacken, gemeinsam eine Lösung finden und diese dann umsetzen.

Sein Vater war Landwirt in Stuttgart-Vaihingen. Deshalb liegen Helmut Leitz Pferde nicht nur als Arbeits- sondern vielmehr als Zuchttiere und Sportpartner am Herzen. Für ihn, Mitglied im Herrenberger Pferdezuchtverein, gehört ein gut ausgebildeter Reiter aufs Pferd. Jugendarbeit stand daher immer schon hoch im Kurs. Im privaten Umfeld profitiert derzeit die 20jährige angehende Bereiterin Tanja Schön davon. Sie reitet die sechsjährige Stute "Capri", die Helmut Leitz gehört.

Für Württembergs Reiterjugend schuf Helmut Leitz mit seiner Vorstandsriege eine durchdachte Konzeption. Auf der Insel Höri am Bodensee wurden Junioren-Springlehrgänge eingerichtet. Dressurreiter erhielten in Heilbronn optimale Förderung. "Schließlich brauchten wir Lehrgänge, um Talente erkennen, fördern und an den Landesverband weiterempfehlen zu können." Die Anlage des Vielseitigkeits-Landestrainers Fritz Pape in Sindlingen als neuen, zentralen Lehrgangsort zu gewinnen, war Leitz wichtig: "Ich bin froh, dass ich das noch zum Ende meiner Amtszeit unter Dach und Fach gebracht habe." Aber was wäre alle Jugendarbeit ohne die Chance, sich auf Turnieren zu bewähren? Auf dem Gelände und mit Unterstützung des Haupt- und Landgestüts Marbach wurden zwei Turniere zur Tradition: Das Marbacher Hallenturnier und die inzwischen auf eigenen Beinen stehende Marbacher Vielseitigkeit. Motto des scheidenden Vorsitzenden: "Zucht und Sport gehören eng zusammen." Dazu kommen noch im Frühjahr das Junioren-Turnier in Sindelfingen und das Tübinger Fördergruppen-Turnier im Herbst.

Ob Helmut Leitz zufrieden ist mit dem Erreichten? "Es hat sich gelohnt, sonst wäre ich so frei gewesen, zu sagen: Der Nächste bitte!" So übergibt Helmut Leitz seinem Nachfolger am 15. März einen geordneten Verband und eine leistungsbereite, motivierte Führungsmannschaft. Dafür hat er rechtzeitig gesorgt.