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Andrea Eichenauer mit Gold geehrt PD 12/2005
ANDREA EICHENAUER MIT GOLD GEEHRT

BRETTEN.
Sie ist 25 Jahre jung, steht kurz vor dem ersten Staatsexamen als Realschullehrerin für Biologie und Deutsch und ist eine begeisterte Reiterin. Sie hat einen Freund, besitzt zwei Pferde, einen Hund und hat neben ihrem Studium und der Reiterei eigentlich für andere Dinge kaum noch Zeit. Manchmal aber gelingt es ihr doch noch für Abwechslung zu sorgen, wenn sie mal ins Kino geht oder sich mit Freunden trifft. Gerne geht sie schwimmen, hält sich mit Laufen fit, liebt Volleyball und Handball – wenn da nicht die Pferde wären, die sie in Anspruch nehmen und ihre sportlichen Ziele. Die Rede ist von Andrea Eichenauer aus Bretten. Die junge Frau war zunächst eine begeisterte Springreiterin, erfolgreich bis Klasse M, nahm dreimal an den Landesmeisterschaften und dem Championat in Schutterwald teil, wechselte aber mit ihrem 20. Lebensjahr das Metier. Sie wurde Dressurreiterin. Zielstrebig und erfolgreich suchte sie ihren Platz im großen Feld der aktiven jungen und älteren Reiter und setzte dabei ihre Teilnahmen an den Landesmeisterschaften und anderen großen Turnieren im Lande fort. Besonders wichtig waren in den letzten Jahren zwei Turnierserien: 2003 schaffte es Andrea Eichenauer ins Finale des iWest-Dressurcups, das immer beim Turnier in der Schleyerhalle ausgetragen wird. Dieses Finale bestreiten zu dürfen ist eine große Ehre, vor die aber der Herrgott viel Schweiß und Arbeit gestellt hat und - mehrere Qualifikationen während der grünen Saison. Neben dieser sportlichen Leistung fallen 2003 vier weitere Siege in Klasse S ins Auge (Neustadt und dreimal in Heimsheim), die halbe Miete also auf dem Weg zum Goldenen Reiterabzeichen.

In diesem Jahr setzte die junge Brettenerin in der Schleyer-Halle noch eins drauf: Sie schaffte es ins Feld der Final-Teilnehmer am Piaff-Förderpreis, der Reiter vorbehalten ist, die nicht älter als Jahrgang 1980 sind. Darüber freut sich auch ihre Hauptsponsorin. „Sponsored by Mama“ erzählte Andrea Eichenauer vergnügt dem Pressedienst und weiß das Engagement ihrer Mutter Barbara sehr wohl zu schätzen. Barbara Eichenauer leitete zusammen mit ihrem Mann Norbert, der allerdings schon 1995 verstarb, den Reitbetrieb in Weil im Schönbuch. Sie war erfolgreiche Springreiterin und wie die Tochter bis Klasse S siegreich. Da lässt sich bei solcher Hilfe viel erreichen. Doch es gehören noch andere dazu, die zum Erfolg der jungen Frau beigetragen haben: Pieter van der Raadt vom Reitverein Horrenberg-Balsfeld nennt sie als frühen Ausbilder und ohne Annett Böhm aus Bretten „stünde ich heute nicht dort, wo ich sportlich stehe“, meint Andrea Eichenauer, um auch gleich Hans-Jörg Kaltenböck aus Regensburg zu nennen. „Er ist der Trainer für die Zukunft.“ Dass sie regelmäßig Lehrgänge bei namhaften Ausbildern nimmt, versteht sich von selbst. Aber an allererster Stelle der reiterlichen Förderer steht doch ihr Vater: „Ohne meinen Vater hätte ich nicht die solide Grundausbildung bekommen, den sportlichen Ergeiz entwickeln, die kritische Selbsteinschätzung erlangen und die Fairness meinen Pferden gegenüber lernen können“, berichtet die Reiterin in dankbarer Erinnerung und anerkennend zugleich. Er habe sie aber eher gefordert, während die Mutter „mich wohl eher gefördert hat“, erzählt die junge Reiterin. Die Mutter stellt ihr bis heute gute Pferde zur Verfügung. Zur Zeit ist Aspiro-Kick der große Favorit. Mit ihm holte Andrea Eichenauer alle zehn Erfolge in Klasse S. Im letzten Jahr kamen nämlich in Straubenhardt und Radolfzell vordere Platzierungen in Grand Prix-Wettbewerben hinzu. Diese Erfolge konnte sie auch 2005 wiederholen: in Schutterwald, Straubenhardt und Affalterbach. Aspiro-Kick, der 2000 siebenjährig in ihren Besitz kam, will Andrea Eichenauer noch weiter verbessern, sagt sie zu ihren sportlichen Zielen, um weiter auf Grand Prix-Niveau erfolgreich zu sein. Sie sieht in dieser Arbeit die Grundlage für eine Zukunft mit ihrem andern Pferd Lord Ashley de L: „Mit ihm möchte ich mich auf Bundesebene etablieren – das wäre mein großer Wunsch.“

Sich selbst einzuschätzen sei schwierig, meint Andrea Eichenauer. „Ich denke aber immer ganz gut zu wissen, wo ich im Leben stehe.“ Sie brauche aber auch Druck, weil sie sonst etwas zur Faulheit neige, bekennt sie freimütig. Dass sie zudem eine gute Portion Humor hat, lässt sie durchblicken bei der Frage, wann sie denn mit dem Reiten begonnen habe: „Geritten bin ich eigentlich schon bevor ich geboren wurde.“ Bei der reiterlichen Vorgeschichte der Familie ist das ja auch nicht weiter verwunderlich. Den sportlichen Ehrgeiz hat sie denn wohl auch von klein auf entwickelt, ohne ihn jedoch zu überziehen. Gleichwohl hat sie auch eine gewisse Sturheit: „Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, erreiche ich das auch – meistens“, sagt sie selbstbewusst. Gleichwohl sei sie teamfähig, habe Durchhaltevermögen und könne auch verlieren, meint Andrea Eichenauer über sich selbst. Sogleich nimmt sie sich aber wieder zurück und wird bescheiden: „Ich weiß, dass ich noch viel an mir, meiner Reiterei und an der Form meines Pferdes, speziell bei Aspiro-Kick, zu arbeiten und zu verbessern habe.“ Ungerechtfertigte Höhenflüge scheinen ihre Sache also nicht zu sein.

Das erfolgreiche Duo, Mutter und Tochter Eichenauer, freute sich besonders 2003 über den ersten Sieg in Klasse S, den die junge Reiterin in Reutlingen mit Aspiro-Kick errang. „Damals habe ich erkannt, dass ich es schaffen kann. Das Goldene Reiterabzeichen war von da an mein großes Ziel. Kürzlich gab das Internationale Reit- und Springturnier Stuttgart German Masters den feierlichen Rahmen ab für diese Ehrung. „Da lief mir schon ein Kribbeln den Rücken hinunter. Ich freue mich riesig!“ Martin Stellberger