Startseite
Kontakt
ZWEIMAL GOLD GLÄNZT AUF DER UNIFORM VON STEPHAN KÖBERLE PD 08/2005
ZWEIMAL GOLD GLÄNZT
AUF DER UNIFORM VON STEPHAN KÖBERLE

REUTE. Blauer Rock und Schirmmütze – die Uniform der Luftwaffe ist das offizielle Outfit junger Sportsoldaten in Warendorf. Stephan Köberle aus dem südbadischen Reute reitet zur Zeit für Deutschland von Warendorf aus als Angehöriger der Bundeswehr-Sportschule. Dem Ober-gefreite wurde in diesen Tagen das Goldene Reiterabzeichen an seine Uniform geheftet – daneben hängt am Bande die dritte Goldmedaille der Landesmeisterschaft 2005.

Mitte Juli wurde Stephan Köberle beim Turnier in Efringen-Kirchen für mehr als zehn Siege in Klasse S geehrt, Siege, die der junge Dressurreiter mit seinem Pferd What’s Up errungen hat. Der Erfolg begann 2003 beim Turnier in Gengenbach mit dem ersten S-Sieg. Im vorigen Jahr platzte dann der Knoten endgültig und Köberle legte den Grundstein für seine Berufung in die Sportkompanie nach Warendorf und für das Goldene Reiterabzeichen: Achtmal siegte er 2004 in Folge. Dreimal in Schutterwald, einmal in Efringen und zweimal in Affalterbach. Bei seinem Start in der benachbarten Schweiz überzeugte Stephan Köberle mit What’s Up mit zwei Siegen in Bern. Die Siege zehn und elf folgten in diesem Jahr beim Turnier in Milte.

Der gebürtige Freiburger mit elterlichen Wurzeln im schönen Oberschwaben, genauer im Kreis Ravensburg, machte 2004 sein Abitur im Angell-Gymnasium am Montessori Zentrum Freiburg und „dient“ noch bis Oktober 2005 in Warendorf. Danach will er Jura studieren und tritt damit in die Fußstapfen seines Vaters, der Rechtsanwalt ist. Die Eltern, Albert und Sieglinde Köberle, sind sportbegeisterte Menschen. Albert Köberle spielte früher aktiv Handball, Sieglinde war aktive Schwimmerin und Taucherin. „Leider habe ich dafür heute keine Zeit mehr“, sagte Sieglinde Köberle, die dafür ihren Sohn kräftig in der Reiterei unterstützt und ihre Freude daran hat, wie er von Erfolg zu Erfolg reitet. Sie sagte über ihren Sohn: „Er ist zielbewusst und konsequent, und das ist manchmal auch schon mit Sturheit gleichzusetzen. Aber es ist auch bewundernswert, wie er sich um seine Pferde sorgt und kümmert.“

Diese Einstellung spiegelt sich im reiterlichen Werdegang des jungen Reiters: Zum Reiten kam Stephan Köberle von sich aus und er erhielt eine grundlegende Ausbildung durch regelmäßigen Unterricht, bei dem ihm ein kleiner Araber zur Verfügung stand. Bald reichte das nicht mehr aus und so entschied sich die Familie zum Kauf eines Ponys. Madonna hieß die Schimmelstute, die „sehr zickig war“, erzählt Köberle. Das Pony Madonna „erzog“ ihren Besitzer allerdings zu einem einfühlsamen Reiter und bescherte ihm bald die ersten Turniererfolge in der Dressur. Dass Madonna auch im Springparcours überzeugte, war wichtig, denn Stephan Köberle wollte mit ihr das Reitabzeichen in Bronze ablegen. Bald wurde der Pferdesportverband auf das Paar aufmerksam und zu Kadersichtungen eingeladen. Die Stute sei jedoch nicht „ausreichend“ für höhere Aufgaben, beschied man Reiter und Eltern damals. Das wiederlegte der junge Reitersmann eindrücklich mit dem Gesamtsieg bei den Pony Classics, einer Turnierserie in Baden-Württemberg. Jetzt wurden Reiter und Pony in den Kader aufgenommen. Diese Karriere dauerte jedoch nicht lange, denn Madonna wurde krank und musste „in Rente“ gehen. Sie lebte noch bis 2003 im Gnadenbrot bei den Köberles.

Nachfolger in der Ponyzeit wurde Sky Driver. Der erfahrene Pony-Wallach war ein schwieriges Pferd, das Stephan Köberle alles abverlangte, was Nerven schult und Niederlagen verdauen lässt. So stieg der junge Reiter schließlich mit fünfzehn Jahren in den Sattel von Pferden um und hatte mit D’Artagnan Slavadhus einen dänischen Wallach im Beritt. Bereits ein Jahr nach dem Umstieg fand sich Stephan Köberle erneut im Landeskader der Junioren. Auch D’Artagnan Slavadhus war nicht einfach. Mutter Sieglinde Köberle erzählt: „Darti ist heute 17 Jahre alt und immer noch sehr fit. Er ist beleidigt, wenn er nicht mit aufs Turnier darf und ist unheimlich stolz, wenn er der „Chef“ sein darf. Er ist ein liebenswerter Chaot, meist stur und im Viereck mit angezogener Handbremse, da er ein Angsthase ist. Er hat Stephan das Treiben und Beine zumachen gelehrt.“ Andererseits beherrscht der Wallach alle Dressurlektionen sicher und entwickelte sich vor allem in M-Dressuren zu einem sicheren Schleifensammler.

Noch während Stephan Köberle mit D’Artagnan Slavadhus im Turnierzirkus ritt, kaufte die Familie die damals fünfjährige Stute What’s Up. Olympiasieger Martin Schaudt aus Onstmettingen, gerade in Schutterwald erneut Landesmeister der Dressurreiter geworden, hatte das junge Pferd aus Verden mitgebracht und Stephan empfohlen. Was dabei herausgekommen ist, feiern alle zusammen in Efringen: das Goldene Reiterabzeichen. What’s Up ist immer fleißig, eifrig und bemüht. Man muss sie eher etwas bremsen, meint ihr Reiter. Sie sei unheimlich leistungsbereit. Dennoch führte er sie langsam ans Turniergeschehen heran und wurde von ihr für die Geduld belohnt. Er nimmt sich immer viel Zeit für sein Pferd und sorgt dafür, dass sich die Stute im Gelände und beim Spazierenreiten entspannen kann, um den Kopf zu bewahren für den Turnierstress.

Offiziell reitet Stephan Köberle für den Reitclub Gundelfingen und schult sich und sein Pferd zur Zeit in Warendorf am DOKR bei Bundestrainer Dolf-Dietram Keller. Ansonsten trainiert er unter der Anleitung von Olympiasieger Martin Schaudt. Der Ehrgeiz macht dem jungen Mann manchmal zu schaffen, sagt seine Mutter. Doch dass er diese „Schwäche“ ganz gut im Griff hat und damit umgehen kann, zeigt ein Blick in die Erfolgsliste, denn Köberle hat ja eine Basis gelegt für sein heutiges Können: Bei den Junioren war Köberle 2003 Landesmeister und hatte dabei alle drei Wertungen gewonnen. Mit D’Artagnan Slavadhus setzte er damals zudem ein Ausrufezeichen, denn bei zwei Wertungen wurde er Zweiter. Bei der Deutschen Meisterschaft 2003 in Aachen errang er Platz fünf und im gleichen Jahr wurde er Zweiter bei den Landesmasters in Hagen a. T. W. 2004 landete der junge Dressurreiter auf Platz drei im Preis der Zukunft in Münster und er wurde Zweiter im Burgpokal-Wettbewerb in Mannheim.

Auch bei den Landesmeisterschaften 2004 landete Köberle dreimal auf Platz eins und errang damit seine zweite Goldmedaille. In Affalterbach errang er ebenfalls zwei erste Plätze beim wichtigen Elitepreis-Turnier. International sammelte der Südbadener 1999 in Neuwied noch als Ponyreiter Erfahrung mit seinem fünften Platz bei den German Pony Classics; im Jahr 2000 gewann er das Pony-Finale in Wiesbaden, wohin ihn Bundestrainerin Cornelia Endres eingeladen hatte. Auch als Junger Reiter durfte Stephan Köberle international starten, zweimal in Bern und 2005 in Hagen, wo er auf Platz drei im Finale landete. Dass seine Erfolge nicht unbeachtet blieben, bewiesen die Sportler der Stadt Gundelfingen. Dort, wo sein Heimatverein ist, wählten sie ihn 2004 zum Sportler des Jahres. Auch 2005 gibt es Bemerkenswertes: Beim Preis der Besten in Warendorf empfahl sich Stephan Köberle für den Bundes-C-Kader und wurde nach der Sichtung für die Europameister-schaft der Jungen Reiter als Ersatzreiter nominiert. Und nun...?

Nun war das Feiern angesagt, in Efringen, am vorletzten Juli-Wochenende. Dort war noch mehr zu feiern als das Goldene Reiterabzeichen: Stephan Köberle hatte bereits eine Woche vor der Verleihung des Goldenen Reiterabzeichens in Schutterwald seinen dritten Titel als Landesmeister eingeheimst, den zweiten als Junger Reiter: Mit 318,848 Punkten gewann er mit What’s Up. Der Titel ist deshalb besonders wertvoll, weil es Stephan Köberle zum dritten Male in Folge gelungen ist, alle drei Meisterschaftswertungen zu gewinnen. Christian Abel, Landesgeschäftsführer, erfahrener Turniermanager und Richter meinte anerkennend: „Stephan hat sich bei der Bundeswehrsportschule reiterlich sehr gefestigt.“ Mit seinem Sieg in Schutterwald hatte sich der junge Soldat gegen zwei Konkurrentinnen durchgesetzt, die ihrerseits zur Landesspitze gehören: Carina Lehanka aus Onolzheim gewann Silber (307,099), Carolyn Wittenborn aus Ketsch, ebenfalls Trägerin des Goldenen Reiterabzeichens (s. PD Juli 2005), errang Bronze (306,858). Bei soviel Reiterglück und Können bleibt nur noch zu sagen: Weiter so und herzlichen Glückwunsch. Martin Stellberger