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Erwin Somogyi: Goldenes für Deutschen Meister 1995 PD 09/1995
LINDAU/WALTERSHOFEN/MARBACH. Der sportliche Weg des 36jähri-gen Zweispännerfahrers Erwin Somogyi aus Lindau, für den Reit- und Fahrverein Waltershofen im Allgäu, Kreis Ravensburg, startend, hat einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Im Rahmen des Fahrturniers von Marbach (4.-6. August) wird ihm das Goldene Fahrerabzeichen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung verliehen. Die Voraussetzungen für dieses begehrte "Blechle", wie es in Fahrer- und Reiterkreisen genannt wird, sind erfüllt. Zehn Platzierungen in Kombinierten Prüfungen für Zweispänner in Klasse S stehen mittlerweile auf Somogyis Konto. Diese Kombinierten Prüfungen bestehen aus Dressur, Gelände- und Strecken-Fahrt und dem Hindernisfahren.

Begonnen hat die "Karriere" 1990 in Trochtelfingen und ein Jahr später kam der nächste Erfolg in Kißlegg dazu. Damals wurde er Zweiter der Baden-württembergischen Meisterschaft. Noch ein Jahr später wiederholte er diesen Erfolg in Niederstotzingen. In Hademarschen war der Allgäuer Sportler 1992 zweimal vorne platziert war. Wieder ein Jahr später kam ein Erfolg in Dresden-Wilsdruff hinzu. Weitere Stationen auf dem Weg zum Goldenen Fahrabzeichen sind neben Niederstotzingen, Zeiskam, Ronneburg, Hainert und erst kürzlich Isny. Hier, vor heimischem Publikum, stellte Somogyi sein fahrerisches Können bei schärfster Konkurrenz unter Beweis. In Isny ging es nämlich für die Spitzenfahrer aus ganz Deutschland um die Fahrkarte zur Weltmeisterschaft in Polen (23.-27. August in Posen/Polen). Hier also steuerte Erwin Somogyi sein Gespann auf den dritten Platz in der schweren Geländeprüfung, was ihm den fünften Rang in der Gesamtwertung einbrachte.

Auch Bundestrainer Ewald Meier, Meißenheim, zeigte sich im Gespräch mit dem PRESSEDIENST von der Entwicklung Erwin Somogyis beeindruckt. Er wird ihn mit Sicherheit im Auge behalten, vor allem auch dann, wenn Somogyi über mehr Pferde verfügen kann - eine wichtige Voraussetzung, um sich in der deutschen Spitze zu etablieren. Vielleicht ist mit Somogyis Verbindung zum Gestüt Argenhof bei Wangen dafür der Grundstein gelegt. Der Besitzer des Gestüts, Paul-Ulrich Schleifer, fördert Somogyi recht großzügig. Neben einem Pferd für das Gespann stellt ihm Schleifer einen Anhänger für die Kutschen sowie einen LKW für die Pferde. Den Rest, drei eigene Pferde und die gesamte Ausrüstung allerdings muss Erwin Somogyi selbst tragen.

Helfer und Mitstreiter sind seine Lebensgefährtin Jutta Haller, die stets auch seine Co-Pilotin bei den Turnieren ist und sein Bruder Robert. Auch er ist eine feste Größe im Meisterschaftsteam. Beide haben großen Anteil am neuen Meistertitel. Man sieht schon, um im Fahrsport an S-Prüfungen teilnehmen zu können, müssen die Sportler nicht nur viel Zeit und Geld investieren. Lange Anfahrtswege sind zu bewältigen. In der Regel heißt das, drei Pferde zu transportieren, Helfer und Unterkunft sowie Sprit und Verpflegung kommen hinzu, von den Nenngeldern und Startgebühren ganz abgesehen. Erwin Somogyi, als gelernter Kühlanlagen-Monteur bei der Lindauer Escher Wyss beschäftigt, weiß aber, worauf er sich ein-gelassen hat. Die komplette Freizeit, der gesamte Urlaub sowie viel Geld bringt er selbst ein. Ein echter Amateur eben.

Die Preisgelder sind im Fahrsport zudem nicht gerade königlich. Der Sportler muss also ungemein viel Einsatzfreude, vor allem Motivation aufbringen, um das alles zu bewältigen. Auch wenn hier und da Sponsoren mit von der Partie sind, reich werden die Pferdesportler auf dem Kutschbock nicht. Sie fahren aus Passion, aus Liebe zum Sport und natürlich für die Ehre, um Sieg und Platz.

Mit dem doch einigermaßen überraschenden Titel von Viernheim - Jutta Haller hatte Somogyi als den heimlichen Favoriten gesehen- will sich der Fahrer zu-nächst einmal zufrieden geben. Er rechnet, so Jutta Haller, nicht mit einer Nominierung für Polen, zumal die Longlist mit sechs Fahrern schon steht. Aber vielleicht bekommt er für Riesenbeck 1998 eine Chance. Dort dürfen dann acht Fahrer aus Deutschland starten. Der neue Deutsche Meister hat also weiterhin ein großes Ziel. Das packen er , Jutta Haller und Bruder Robert Somogyi an!
Martin Stellberger