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Hans Frank wird 65 PD 05/1995
TETTNANG. "Die Stelle kann ich Ihnen heute noch zeigen, an der ich als zweieinhalbjähriger Bub vom Pferd gefallen bin!" erzählt Hans Frank, der Ende Mai 65 Jahre alt wird. Offenbar war dieser erste Eindruck von der Reiterei ein so prägendes Erlebnis, dass sich der Jubilar noch heute genau erinnern kann. Pferde bestimmten von da an sein ganzes Leben, obwohl seine Eltern keine Pferde hatten. Dafür hielt er sich wohl bei Nachbarn und Verwandten schadlos, die dem jungen Hans ihre Pferde überließen. Als kleiner Bub habe er immer vor den zwei Sätteln eines Nachbarn gestanden und davon geträumt, einmal in einem solchen Sattel reiten zu dürfen.

Heute, mit 65 Jahren, schaut der in Tettnang lebende Hans Frank mit tiefer Befriedigung auf die vielen Jahre im Pferdesport zurück. Heute erst gönnt er sich ein wenig mehr Muse, um weniger tun zu müssen. In den letzten Jahrzehnten hatte er sich vornehmlich dem Fahrsport verschrieben und betreute als Landestrainer mit viel Erfolg diese Disziplin. Es ist sicher auch sein Verdienst, dass die Fahrer zur Zeit im Aufwind stehen. Für Hans Frank, der in Tettnang lebt, ist das wohl auch der Zeitpunkt, sein Amt abzugeben. Er will die umfangreichen Aufgaben eines Landestrainers in jüngere Hände legen. Sein Name ist indes untrennbar mit dem Tettnanger Reitverein verbunden. 1957 gehörte er zu dessen Gründern und war 20 Jahre lang zweiter Vorstand und Ausbilder für die Reiter des Vereins. Von 1978 bis 1991 führte Frank den Verein selbst, unterbrochen von einer dreijährigen Verwaltertätigkeit auf einem Laupheimer Gut.
Fragt man den bei Geislingen geborenen Hans Frank, er ist verheiratet und hat eine im Sport erfolgreiche Tochter, nach seinen Ausbildern, so kommt ohne Zögern der Name von Christian Lamparter über seine Lippen. "Dem Vater des Fahrsports habe ich viel zu verdanken!" Lamparter hat bekanntlich für das Haupt- und Landgestüt Marbach gearbeitet und dem Fahrsport in Baden-Württemberg seinen Stempel aufgedrückt. Aber auch Albert Ziegner von der ehe-madigen Universitätsreitschule in Tübingen hat seine Spuren beim Pferdesportler Frank hinterlassen. Frank schätzte die Arbeit des alten Wehrmachtssoldaten und späteren Majors der Bundeswehr sehr. Beeindruckt hatte ihn vor allem dessen Umgang mit Pferden. Nach dem Krieg wagte Ziegner die Flucht aus Ostpreußen mit der Stute Dagmar, die er einmal vom Milchwagen weg gekauft hatte. Nach dem Krieg war Ziegner mit diesem Pferd im Sport sehr erfolgreich.

Eine gute Ausbildung war denn auch für Hans Frank die Basis für eigene sportliche Erfolge. Gerne erinnert sich Frank an die Turniere auf dem Cannstatter Wasen. Episoden könnte er stundenlang erzählen. 1953 gewann er die erstmals ausgeschriebene Württembergische Meisterschaft im Fahren. Zwei Jahre später siegte er an gleicher Stelle mit dem Sechsspänner vor dem Oberschwaben Norbert Heiserer aus Schlupfen bei Fronhofen. Mit diesem Pferdemann von altem Schrot und Korn verbindet Frank seither eine gute Freundschaft.

Blitzende Augen schauen den Besucher an, wenn Hans Frank vom Volksfest-Turnier von Cannstatt aus dem Jahre 1957 erzählt. Wahrhaft vielseitig musste man reiten, um Württembergischer Meister zu werden. Mit einem Pferd nur sollte die Kombinierte Prüfung bewältigt werden. Nur wer beendet, konnte Meistertitel und Ehre erringen. Hans Frank schaffte dies und gewann die Wertung aus Dressur, Springen, Mannschaftsreiten und Zugwilligkeitsprüfung. Hinzu kam eine weitere Disziplin im Zweispännerfahren.

Frank, der bis 1988 einen landwirtschaftlichen Pachtbetrieb bei Tettnang bewirtschaftete, ist heute für eine Futtermittelfirma im Außendienst tätig. Die Aufgabe seines Betriebes brachte ihm die nötige Zeit, um als Landestrainer der Fahrer ehrenamtlich zu arbeiten. Daneben ist er Delegierter im Landesverband, Mitglied der Landeskommission für Pferdeleistungsprüfungen und Gutachter im Fahren. Diese Aufgabe widmet sich der Überprüfung und Weiterbildung sowie der Qualifikation von Turnier- und Nachwuchsrichtern.

Sein Engagement wurde stets anerkannt. Der Tettnanger Reitverein verlieh ihm nicht nur die Ehrennadel des Vereins sondern 1991 auch den Ehrenvorsitz auf Lebzeit. Der frühere Ministerpräsident Lothar Späth persönlich überreichte dem Jubilar 1984 die Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg.

Kritisch verfolgte Hans Frank schon immer die Entwicklung in der Pferdezucht. Er hat sich, so erzählt er, bereits in den 50er Jahren vom Württemberger Pferd abgewandt, als der Wandel zum leichtfuttrigen Wirtschaftspferd stattfand. Die damalige Zuchtpolitik vertrat die Ansicht, so Frank, Pferde zu züchten, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden sollten. Frank hingegen war der Meinung, die Zukunft gehört dem Reitpferdetyp. "Und das hat sich bewahrheitet!" So wandte sich Hans Frank schon damals dem Holsteiner Pferd zu, dessen Freund er nach wie vor ist. Allerdings begann er, und darauf verweist der Jubilar ausdrücklich, seine sportliche Karriere 1952 mit Württembergern. Aber mit seiner Holsteiner Stute Lamona war er ebenfalls lange Jahre erfolgreich in M-Springen und L-Dressuren. "1970 habe ich den Reitsport zugunsten des Fahrens aufgegeben." Mit Freude erinnert er sich zudem an seine Holsteiner Landgraf-Stute Leyana. "Sie war mein bestes Pferd."

Hans Frank hatte schon während seiner Ausbildung zum Landwirt stets Betriebe gesucht, die Pferde besaßen oder züchteten. Eine seiner wichtigsten Stationen war die bei Sindlingen gelegene Staatsdomäne, die von Friedrich Adlung geführt wurde. Hier befand sich die damals größte private Pferdezucht des Landes. Als Frank dort 1951 ankam, war das Reiten wegen eines früheren schweren Unfalls streng verboten. Doch der junge Frank gewann das Vertrauen des Chefs, überzeugte ihn und ritt ein Jahr später die adlungschen Pferde auf Turnieren. Wieder ein Jahr später gab es auf sein Betreiben hin eine Reitabteilung im Herrenberger Reitverein, die mit adlungschen Pferden beritten waren. Allerdings verkennt Frank in der Rückschau nicht, dass er in Adlungs Tochter Elisabeth Unterstützung fand. Sie war im Fahrsport damals schon sehr erfolgreich.

Was fasziniert ihn an den Pferden so sehr? Frank sagt: "Jegliche Leistung, die Pferde vollbringen, beeindrucken mich, ob es im Krieg war, in der Landwirtschaft oder im Sport." Gerade im Sport aber wird Frank kritisch. "Wir sind an der oberen Grenze der Belastung angekommen. Jetzt muss man die Schraube festmachen!" fordert der Pferdemann und zeigt einen sehr kritischen Brief des alterfahrenen Kavalleristen und Radolfzeller Freundes Willi Bechler vor. Gerade im Fahr-Sport sehen beide Fachleute Entwicklungen, die gebremst werden müssten. Der Sieg um jeden Preis gehe auf Kosten der Pferde und drücke sich in einer Ausrüstung aus, die Gefahr läuft, nicht mehr pferdegerecht zu sein. Frank steht voll hinter dieser Sichtweise.

Der passionierte Fahrer und Pferdemann Frank sieht sich bei dieser Diskussion an seinen Vorgänger im Traineramt, Hubert Schreiber aus Ludwigsburg, erinnert, der ihm bei der Übergabe ans Herz legte: "Achte darauf, dass der Fahrsport nicht ausartet, dass die Bilder schön bleiben, dass die Tiere nicht gequält werden!" Dieses Vermächtnis war, so Frank, immer seine eigene Maxime.
Martin Stellberger